Osnabrück  Was Sebastian Bezzel über den neuen Eberhofer-Krimi denkt

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 27.07.2022 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 10 Minuten
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Seit fast zehn Jahren verkörpert Sebastian Bezzel den schrägen Dorfpolizisten Franz Eberhofer. Im Interview erzählt er, was er an der Kultfigur besonders mag und warum im neuen Film ein dreibeiniger Hund mitspielt.

Kurz bevor Sebastian Bezzel mit dem neuen Eberhofer-Krimi „Guglhupfgeschwader“ (ab August im Kino) auf Tour geht, entspannt der Schauspieler noch ein paar Tage auf Mallorca. Im Gespräch erzählt er von seiner Kultfigur Franz Eberhofer, seinem dreibeinigen Filmhund, wie er beim Kochen Texte lernt und warum er die Champions League als „kapitalistischen Albtraum“ empfindet.

Frage: Herr Bezzel, eine gemeine Frage an jemanden, der gerade Sommerurlaub macht: Haben Sie sich schon mal mit dem nächsten Winter beschäftigt?

Antwort: Ich hab’s bisher noch verdrängt, aber da ich eine Gasheizung zu Hause habe, muss ich mich jetzt mal dringend mit dem Thema auseinandersetzen. Wir lassen auf alle Fälle einen Profi kommen, der unsere Heizung genau einstellt, und dann müssen wir halt schauen, wie es weitergeht. Das trifft uns gerade alle – aber wenn es alle trifft, bedeutet das ja auch, dass es dazu viele Tipps und viel zu lesen gibt.

Frage: Was man immer wieder hört und liest, ist das Drosseln der Temperatur. Bei wie viel Grad in der Wohnung wollen Sie denn den Winter verbringen?

Antwort: Da ich gerade bei über 35 Grad auf Mallorca bin, kann ich diese Frage im Moment beim besten Willen nicht beantworten (lacht).

Frage: Sparen Sie auch am Essen? Sie sind ja Hobbykoch und Feinschmecker.

Antwort: Feinschmecker weiß ich nicht, aber ich esse sehr gerne, koche gerne und setz mich mit dem Thema auseinander. Am Essen sollte man nicht sparen – was aber nicht heißt, dass man unbedingt das Geld raushauen muss, denn sehr einfache Sachen können auch sehr gut sein. Aber wenn ich gutes Fleisch oder gutes Gemüse kaufe, dann kostet das natürlich auch was.

Frage: Ihr Kollege Oliver Mommsen hat mir letztens in den höchsten Tönen von Ihren Kochkünsten vorgeschwärmt. Sind Sie tatsächlich so ein Zauberlehrling am Herd, oder hat er übertrieben?

Antwort: Nein, nein, nein. Das ist sehr lieb vom Oli, und damit hat er auch wieder schwer was bei mir gut. Aber ich koche und esse einfach nur gern, weil’s mir Spaß macht und es ein tolles Hobby ist.

Frage: Wer macht anschließend die Küche sauber?

Antwort: Ich, auch schon während des Kochens. Wenn ich fertig bin, schaut die Küche nicht komplett zerstört aus. Das geht mal besser und mal schlechter, aber beim Kochen die Küche zu zerstören und dann zu sagen: „Hab ich lecker gekocht, und wer macht jetzt sauber?“ – das geht gar nicht.

Frage: Von welchem Gericht würden Sie sagen, dass es bei Ihnen besser schmeckt als in jedem Restaurant?

Antwort: Von keinem.

Frage: Schade, ich wollte mich gerade einladen.

Antwort: Eben (lacht). Aber ich bin wirklich nicht so. Ich mag auch keine Kochwettbewerbe. Essen und Wettbewerb sind zwei Dinge, die überhaupt nicht zueinanderpassen. Man soll es genießen, die Lebensmittel achten, vorsichtig damit umgehen und Spaß daran haben. Ich werde auch sauer, wenn man nicht konzentriert ist und die Lebensmittel kaputtgehen.

Frage: Ihre Kollegin Katharina Wackernagel lernt beim Kochen ihre Texte.

Antwort: Kochen ist super zum Textlernen, weil der Text anders in den Kopf geht und sich besser verselbstständigt. Ich habe auch schon beim Kochen den Text mit einem Magneten an die Dunstabzugshaube gehängt. Man kann immer wieder draufgucken und gleichzeitig mit dem Kochen weitermachen. Oder beim Zwiebelschneiden den Text vor sich hinmurmeln – kenne ich auch. Überhaupt ist es eine Supertechnik, Text zu lernen und dabei noch etwas anderes zu tun. Aufräumen oder lange Spaziergänge finde ich auch gut, um meinen Text zu lernen.

Frage: Beim Eberhofer geht es immer wieder ums Kochen, nicht zuletzt sind bislang ja alle Folgen nach einem Gericht benannt: Dampfnudeln, Winterkartoffeln, Schweinskopf, Grießnockerln, Sauerkraut, Leberkäse, Kaiserschmarrn und jetzt Guglhupf.

Antwort: Alles leckere Sachen, wobei ich beim Schweinskopf sagen würde, dass man ihn noch zur Sülze weiterverarbeiten sollte. Aber alles auch Sachen, von denen man nicht zu viel zu sich nehmen sollte.

Frage: Was passiert eigentlich mit den ganzen Leckereien, die am Set auftauchen?

Antwort: Die allermeisten werden verköstigt, wenn sie nicht zu alt sind. Bei „Leberkäsjunkie“ hatten wir riesige Leberkässemmeln, da war ein ganzer Laib Leberkäs gekauft worden, der dann am Catering aufgeschnitten wurde. Wir haben eine ganz tolle Requisiteurin, die darauf achtet, wo die Sachen zubereitet werden. Es gibt einen Gasthof in Niederbayern, dessen Wirtsleute immer schön für uns kochen, wenn wir beispielsweise bei der Oma ein Gulasch essen. Und das wird anschließend auch verköstigt, da wird nichts weggeschmissen.

Frage: Sie sind ja gebürtiger Bayer, haben lange in München gelebt und sind jetzt schon etliche Jahre in Hamburg. Stehen Sie mehr auf die bayerische Küche, oder haben Sie mittlerweile Ihre Vorliebe fürs Fischbrötchen entdeckt?

Antwort: Was das Essen betrifft, bin ich sehr breit aufgestellt. Immer nur die bayerische Küche finde ich auf die Dauer ermüdend. Wenn ich mit Simon Schwarz unsere Reisedoku-Reihe „Grenzgänger“ drehe und mit ihm kreuz und quer durch Bayern fahre, dann kann man nach drei Wochen dieses schwere Essen nicht mehr gut haben. Deshalb sind wir dann letztens in Augsburg zu einem richtig guten Vietnamesen gegangen.

Frage: Vor fünf Jahren haben Sie als Wahl-Hamburger meine Frage „HSV oder St. Pauli?“ mit „Bayern“ beantwortet. Daran hat sich vermutlich nichts geändert, oder?

Antwort: Grundsätzlich nicht, das kann man nicht einfach so ablegen, den Verein habe ich ja als Kind schon geliebt. Generell fremdle ich aber immer mehr mit dem Spitzenfußball. In Deutschland geht’s ja sogar noch, aber wie sich FIFA, UEFA, Clubs und Spieler aufführen, welche finsteren Machenschaften und Investoren da am Werk sind, das stößt mich ab. Ich bin der Meinung, dass der Kapitalismus immer sehr viel kaputt macht – beim Fußball wird er es sicher auch noch schaffen, dass man irgendwann keinen Bock mehr darauf hat. Ich bin kein Kommunist, aber die Champions League ist doch bei aller fußballerischen Klasse ein kapitalistischer Albtraum. Vielleicht ist es ja auch eine Chance, wenn man sagt: Ich gehe jetzt wieder zu meinem Dorfverein, esse da ’ne Bratwurst, trink ein Bierchen und hab viel mehr Spaß in einem kleinen, nicht so aufgeregten Umfeld.

Frage: Wie halten Sie es denn mit der WM in Katar? Es gibt ja nicht wenige Fußballfans wie Urban Priol, die schon angekündigt haben, dass sie sich kein Spiel anschauen werden.

Antwort: Ich versuche auch, mich da rauszuhalten. Ich habe mich schon bei der letzten WM total zusammenreißen müssen, als ich beim Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien den saudischen Prinzen, Putin und Infantino wie römische Cäsaren im Colosseum in Großaufnahme lachend auf der Ehrentribüne sah. Damals habe ich gedacht: Das geht doch nicht, das ist einfach widerlich, ihr seid doch alle Verbrecher. Allerdings habe ich einen elfjährigen Buben zu Hause, dem ich es nicht verbieten kann, die WM zu gucken, auf die er sich schon freut. Und natürlich gibt es Spieler wie Joshua Kimmich, die noch ein Kind waren, als die WM nach Katar vergeben wurde. Die haben eigentlich ein Recht darauf, dass man sie spielen sieht. Was mir auf jeden Fall mehr Spaß gemacht hat, war die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei der EM.

Frage: Viele Kinobetreiber fürchten, dass die WM ihnen im November und Dezember die umsatzstärkste Zeit verhagelt. Da ist der neue Eberhofer mit einem Kinostart Anfang August ja fein raus.

Antwort: Davon bleiben wir tatsächlich verschont, aber es ist mir natürlich nicht egal, weil die Kinobetreiber schon während der Pandemie echt viel einstecken mussten. Ich bin weit weg von den Querdenkern, bin geimpft und habe alles mitgemacht, aber das war für mich nicht immer nachvollziehbar. Warum durften Lufthansa-Jets wieder voll besetzt fliegen, als man noch nicht wieder ins Kino gehen durfte? Das hat sich mir nicht ganz erschlossen.

Frage: „Guglhupfgeschwader“ ist jetzt schon der achte Eberhofer-Krimi. Was außer den Kollegen gefällt Ihnen besonders?

Antwort: Was ich sehr liebe, ist: Etwa zwei Wochen vor Drehbeginn ruft mich der Kostümbildner an und sagt: „Sebastian, wie schaut’s aus?“ Ich sage dann nur „Ich trage immer noch dieselbe Jeansgröße“ – „Ah, gut, wir sehen uns dann.“ Das war dann die Kostümprobe. Es sei denn, er sagt: „Am Tag, an dem du anreist, muss ich noch einen Motorradhelm mit dir ausprobieren“. Dann setze ich den Motorradhelm auf – super, der passt. Das war’s dann. Es ist völlig unaufgeregt, und das ist schön. Wir fangen einfach wieder an. Manchmal hab ich das Gefühl, es war gar kein Jahr dazwischen, sondern nur ein langes Wochenende, und jetzt drehen wir eben weiter.

Frage: Mit Simon Schwarz haben Sie ja eine ganz besondere Beziehung - Sie drehen nicht nur jedes Jahr einen Eberhofer mit ihm, sondern seit ein paar Jahren auch die Reise-Doku „Grenzgänger“. Haben Sie manchmal den Eindruck, dass Sie ihn häufiger sehen als Ihre Frau?

Antwort: Nein, so weit ist es noch nicht. Aber wir müssen uns schon von unseren Frauen Sprüche anhören wie: „Ist ja gut, du siehst den Simon ja bald wieder, deinen zweiten Ehepartner.“

Frage: Gleich zu Beginn des neuen Films gibt’s für den Eberhofer einen neuen Hund, mit dem er sich so gar nicht anfreunden mag – er ist dreibeinig und heißt „Hinkelotta“. Ich wusste gar nicht, dass es dreibeinige Filmhunde gibt – wie sind Sie denn an den gekommen?

Antwort: Es ist weder ein Computertrick, noch wurde irgendeinem Tier ein Bein abgenommen. Dieser Hund hatte ja schon einen kleinen Gastauftritt in „Kaiserschmarrndrama“. Auch hier haben wir uns wie bei Ludwigs Tod an der Romanvorlage von Rita Falk orientiert, also haben die Tiertrainer auf Facebook einen Aufruf gemacht: Gibt’s irgendwo in Bayern einen dreibeinigen Hund, der nicht so alt ist, dass man ihn nicht mehr trainieren kann? Daraufhin hat sich eine Bäuerin gemeldet, die gar nicht weit weg von dieser Tierfilm-Ranch lebt. Ihr gehört dieser Hund, der jetzt im Film dabei ist. Er war noch ganz jung und hatte bei einem Autounfall ein Bein verloren. Die Bäuerin wollte ihn aber nicht einschläfern lassen, weil’s ihm sonst gut ging. Jetzt wird er mehrfach in der Woche trainiert und hat es wirklich super gemacht. Er ist total talentiert.

Frage: Kaum jemand außer vielleicht Rita Falk kennt den Eberhofer besser als derjenige, der ihn darstellt. Was macht ihn aus Ihrer Sicht aus?

Antwort: Der scheißt sich nicht, er ist nicht eitel, ihm ist es wurscht, was die Leute über ihn sagen – ganz im Gegenteil, ich glaube, dass er es genießt, wenn die Leute schlecht über ihn reden. Er hat ein paar Eckpfeiler, die ich total toll finde: Sein Konsum ist quasi gleich null – er trägt immer die gleichen Klamotten, fährt ein uraltes Auto, dieser ganze Statusscheiß interessiert ihn nicht. Er findet es gut, wenn er unterschätzt wird und die Leute glauben, er sei ein Vollidiot. Aber er hat auch wahnsinnig viele Probleme: Er ist sehr melancholisch, er neigt zu Depressionen, er schert sich nicht um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit, Bindungen einzugehen ist schwierig für ihn. Aber was seinen Job betrifft, ist er aufrecht und lässt sich nicht verarschen.

Frage: Das klingt, als ob Sie ihn ziemlich sympathisch finden.

Antwort: Nein, nicht nur. Ein paar Seiten sicher, aber er könnte sich das Leben auch mal ein bisschen schöner gestalten, über die Wohnsituation nachdenken, ein bisschen reisen, die Welt sehen, sich kulturell ein bisschen mehr bilden und engagieren. Das würde ihm nicht schaden, mir wäre sein Leben zu eng. Aber er ist halt so, wie er ist.

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