Pläne vorgestellt Schiffbauer Fosen setzt auf Stralsund – Emden raus?
Die norwegische Mutter der insolventen Emder Werft will in Mecklenburg-Vorpommern Expeditions-Kreuzfahrtschiffe bauen. In Emden ist offen, wie es weitergeht.
Emden - Knapp zwei Monate nach der Insolvenz der Fosen Yard Emden GmbH ist die Zukunft dieses Werftstandorts nach wie vor ungewiss. Wie das niedersächsische Wirtschaftsministerium sowie ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters und Oldenburger Rechtsanwalts Dr. Christian Kaufmann dieser Zeitung am Mittwoch übereinstimmend auf Nachfragen mitteilten, erhalten die knapp 100 Beschäftigen auch noch für den August Insolvenzgeld, also einen Monat länger als zunächst vorgesehen. Die Eröffnung des Insolvenzverfahren sei daher frühestens zum 1. September notwendig.
Was und warum
Darum geht es: die Zukunft der insolventen Emder Werft Fosen Yard
Vor allem interessant für: alle, die sich für Wirtschaft und besonders für den Schiffbau in Emden interessieren
Deshalb berichten wir: Der Chef des norwegischen Mutter-Unternehmens hat vor einigen Tagen Pläne für den neuen Standort Stralsund vorgestellt. Das könnte auch Folgen für Emden haben. Den Autor erreichen Sie unter h.mueller@zgo.de
Die Agentur für Arbeit habe auf Antrag von Kaufmann der Verschiebung des Zeitraums für das Insolvenzgeld zugestimmt, so der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters. Dadurch werde „wertvolle Zeit“ gewonnen. Die werde auch benötigt, um die Gespräche und Verhandlungen mit bisherigen Interessenten für die Übernahme oder einen Einstieg in das Unternehmen fortsetzen zu können. Ziel sei es, „eine tragfähige und nachhaltige Lösung für den Betrieb und seine Mitarbeiter zu erzielen“, wird Kaufmann in der Mitteilung zitiert. Es liefen Gespräche mit mehreren Interessenten. Details nannte der Sprecher nicht. Auch das Wirtschaftsministerium ist nach eigenen Angaben im ständigen Austausch mit dem Interimsgeschäftsführer, mit möglichen Investoren und mit Beratern, die den Prozess begleiten, hieß es aus Hannover. Man sei auch im Gespräch mit dem Grundstückseigentümer.
Minister hatte im Juni Hilfen zugesagt
Minister Dr. Bernd Althusmann (CDU) hatte Mitte Juni nach einem von ihm einberufenen runden Tisch in Emden Hilfen der Landesregierung zugesagt. Es müsse darum gehen, einen Investor zu finden, der die Werft mit einem tragfähigen Konzept in die Zukunft führen kann.
Der Politiker hatte zudem angekündigt, gemeinsam mit der Stadt und dem landeseigenen Hafenbetreiber N-Ports eine neue Lösung für die Eigentumsverhältnisse auf dem Werftgelände zu finden. Das gesamte, etwa 55 Hektar große ehemalige Areal der Nordseewerke gehört nach wie vor der Stahlbau-Gruppe DSD Steel mit Sitz im saarländischen Saarlouis. Sie hatte es vor etwa zehn Jahren von Thyssen Krupp übernommen und verlangt hohe Mieten für Hallen und Flächen. Das habe Fosen am Ende „das Genick gebrochen“, hatte Althusmann im Juni in Emden gesagt.
Gewerkschaft IG Metall wartet auf Ergebnisse
Der Gewerkschaft IG Metall in Emden liegen derzeit keine neuen Informationen vor, wie es mit der Emder Werft nach der Pleite weitergeht. Nach Angaben ihres 2. Bevollmächtigten Thomas Preuß warte man darauf, dass der Insolvenzverwalter eine Vereinbarung mit Fosen selbst oder mit einem anderen Investor zur Zukunft der Werft vorlege.
Unterdessen werden neue Nachrichten aus dem norwegischen Mutter-Unternehmen der Emder Werft auch in Ostfriesland aufmerksam verfolgt. Demnach will der norwegische Schiffbauer Fosen Yard an seinem neuen und zweiten deutschen Standort in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) Expeditions-Kreuzfahrtschiffe bauen und spätestens bis zum Herbst entsprechende Projekte an Land ziehen.
Fosen-Chef für Stralsund optimistisch
„Das Ziel ist es, im September einen Vertrag zu haben“, sagte Unternehmenschef Anders Straumsheim am vergangenen Wochenende der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit sei man mit drei potenziellen Kunden im Austausch. Er sei optimistisch: „Andernfalls hätten wir das Werftgelände nicht gepachtet.“
Als spätestes Ziel für einen Vertragsabschluss nannte Straumsheim den Oktober. Bei einem anderen Projekt könne es auch wesentlich schneller gehen, so dass man Ende August damit beginnen könnte, Mitarbeiter in Stralsund einzustellen. Fosen plane mit 150 bis zu 250 Beschäftigten - je nach Aufträgen. Einige Mitarbeiter bringe man gegebenenfalls aus Norwegen mit. Zu Emden sagte Straumsheim offenbar nichts.
Bislang war wenig über die Pläne bekannt
Fosen ist in Stralsund einer von bislang drei Pächtern auf dem ehemaligen Gelände der insolventen MV-Werften. Die Stadt hatte es im Frühjahr übernommen, um einen maritimen Gewerbepark zu entwickeln. Neben dem norwegischen Schiffbauer haben dort ein Metallverarbeitungsbetrieb und ein Windkraftanlagenbauer Gebäude und Flächen gepachtet.
Vor den jüngsten öffentlichen Äußerungen des Fosen-Chefs war wenig über die Pläne der Norweger für Stralsund bekannt geworden. Noch im Juni hatte der Schweriner Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) gesagt, das Land Mecklenburg-Vorpommern kenne „kein belastbares Konzept“.
Im Gespräch sind drei oder vier Neubauten
Für Sorge in Stralsund hatte auch die Insolvenz der Emder Fosen-Werft gesorgt. Der Standort sei davon aber nicht betroffen, weil es sich um eine andere Tochter der norwegischen Holding handle, hieß es sowohl seitens der Stadt Stralsund als auch von Fosen.
Bei den neuen Projekten der Norweger in Stralsund geht es Straumsheim zufolge um den Bau von Schiffen für exklusive Expeditionskreuzfahren. Die Neubauten sollen Längen zwischen 125 und 165 Metern haben. Die Kosten sollen bei 130 Millionen Euro für die kleinsten Varianten anfangen. Auch die Umrüstung von Schiffen mit klimafreundlichen Antrieben ist laut dem norwegischen Unternehmenschef ein Thema in Stralsund. Die Interessenten wollten jeweils nicht nur ein Schiff bauen lassen, sondern etwa drei oder vier.
Aussagen könnten Emdern bekannt vorkommen
Straumsheim räumte zugleich ein, dass hohe Energie- und Materialpreise sowie Verunsicherung in Folge des Krieges in der Ukraine die Entscheidungen derzeit verlangsamen. Solche Aussagen dürften den Emdern bekannt vorkommen. Denn so hatte Fosen auch begründet, dass der im Dezember verkündete Auftrag für den Bau von gleich sechs Frachtschiffen, sogenannten Mini-Bulkern, letztlich scheiterte. Das wären nach langer Zeit des Stillstandes die ersten Schiffsneubauten in Emden gewesen.
Die IG Metall in Mecklenburg-Vorpommern hat sich unterdessen abwartend zu den Plänen von Fosen in Stralsund gezeigt. Es handle sich bisher nur um Absichtserklärungen und noch nicht um Verträge, sagte Guido Fröschke, Geschäftsführer der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg am Montag der DPA. „Wir sind da sehr gespannt drauf, wenn das denn konkret wird. Wenn das klappt, ist es gut, dass Arbeit kommt.“ Das sieht auch der Emder Gewerkschafter Thomas Preuß so: Den Kollegen in Stralsund sei das zu wünschen, sagte Preuß der Emder Zeitung.
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