Personalie bei der Stadt  Politiker-Sorgen nach Hinschmiss von City-Managerin

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 28.07.2022 13:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vicki Janssen (rechts) wird nicht mehr für die Stadt als City-Managerin arbeiten. Foto: Archiv
Vicki Janssen (rechts) wird nicht mehr für die Stadt als City-Managerin arbeiten. Foto: Archiv
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Vicki Janssen sollte Projekte zur Belebung der Innenstadt voranbringen. Jetzt hat sie überraschend gekündigt. Das kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Aurich - Der sprichwörtliche Paukenschlag war weit über Deutschland hinaus zu hören. Etliche Ratsmitglieder dürften, weil derzeit viele in Urlaub sind, über die sozialen Medien oder das Epaper der Lokalzeitungen erfahren haben, dass die Stadt Aurich bald ohne City-Managerin dastehen wird: Vicki Janssen hat in der vergangenen Woche ihre Kündigung eingereicht. Sie wird die Verwaltung Ende August verlassen. Persönliche Gründe seien bei Vicki Janssen für diesen Schritt verantwortlich, hieß es. Die City-Managerin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es ist innerhalb von anderthalb Jahren in der Verwaltung die neunte Kündigung einer leitenden Person oder einer, die stark im Blickfeld der Öffentlichkeit steht.

Bürgermeister Horst Feddermann sagte, dass ein personeller Wechsel zu diesem Zeitpunkt „natürlich ungünstig ist“. Die gebürtige Leipzigerin war erst am 1. November 2021 als City-Managerin der Stadt Aurich eingestellt worden. Ihr Job wird finanziert über das EU-Förderprogramm „Lebendige Innenstadt“. Mehr als 900.000 Euro hat die Stadt Aurich aus diesem Fonds bekommen. Das Geld muss bis zum Frühjahr 2023 ausgegeben und abgerechnet sein, unter anderem für Projekte. Diese hatte die Managerin ausgewählt, beantragt und sollte sie umsetzen. Jetzt droht dieser Prozess ins Stocken zu geraten. „Wir haben noch keinen Bescheid vom Fördermittelgeber vorliegen. Deshalb können wir mit der Umsetzung der einzelnen Projekte noch nicht anfangen“, sagte der Bürgermeister.

Verlängerung der Stelle ist möglich

Dazu zählt unter anderem die Finanzierung und Installation eines gut funktionierendes WLAN-Netz in der Auricher Innenstadt. Dieses ist derzeit nur eingeschränkt zugänglich. Horst Feddermann sagte, dass die Stelle von Vicki Janssen am Wochenende in der Zeitung ausgeschrieben werde. Er hoffe, dass sie rasch wieder besetzt werden könne. Die Möglichkeit, diejenigen Bewerber zu kontaktieren, die sich auf die Ausschreibung im vergangenen Jahr gemeldet hatten, verwarf der Bürgermeister. Auf der Homepage der Stadt ist die Stelle bereits ausgeschrieben. Offiziell ist sie bis zum 31. März 2023 befristet. Es gebe allerdings eine Option auf eine Verlängerung. In der Beschreibung der Aufgabenfelder werden 14 Punkte genannt: Der Manager soll ein „Kümmerer“ für die Innenstadt sein, er soll ein Leerstandsmanagement entwickeln, einzelhandelsrelevante Veranstaltungen organisieren und Lobbyarbeit betreiben. Die Mitwirkung in Arbeitsgruppen wird ebenfalls verlangt.

Zwischen den Zeilen wird deutlich: Diese Aufgabe kann eigentlich nur jemand stemmen, der in Aurich gut vernetzt ist und Ahnung von der Materie hat. Die Fraktionen haben die Nachricht vom Weggang der Citymanagerin sorgenvoll kommentiert: „ Wer wird sich für eine so kurze Zeit, also lediglich für ein paar Monate, um eine solche Stelle bewerben?“, will Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD) wissen. Sie fordert, dass die Innenstadtentwicklung auf jeden Fall nahtlos weitergeführt werden müsse: „Wenn es erforderlich ist, muss eben jemand aus der Verwaltung die jetzt anstehenden Aufgaben übernehmen.“ Laut Horst Feddermann ist für die zehn einzelnen Projekte noch kein Förderbescheid eingegangen. Sobald das der Fall ist, müssen die Artikel wie etwa eine mobile Bühne für den Marktplatz oder flexible Blumenkübel ausgeschrieben werden. „Das kann zwei bis drei Wochen dauern“, schätzt Bodo Bargmann (CDU). Der Vorsitzende des Sanierungsausschuss verweist darauf, dass sich die eigentliche Zustellung bei der derzeit weltweit beklagten Unterbrechung der Lieferketten hinziehen könne.

Zeit sitzt der Stadt im Nacken

Die Zeit sitzt der Stadt wegen der einzuhaltenden Fristen im Nacken. Bodo Bargmann vermutet, dass es derzeit einfach nicht weitergeht, weil die zuständige Behörde beim Land wegen der Bearbeitung der vielen Anträge überlastet sein könnte. Dort waren bis Ende April 400 Anträge eingegangen, teilte das Ministerium für regionale Entwicklung seinerzeit mit. Bis Ende Juni erwarte man allerdings mindestens noch einmal so viele Anträge. Das Programm „Perspektive Innenstadt“ umfasst 120 Millionen Euro aus EU-Mitteln.

Der CDU-Fraktionschef Arnold Gossel sieht die Möglichkeit einer schnellen Besetzung der Stelle von Vicki Janssen auch eher skeptisch. Ihn wundert, warum die Stadt nicht auf eine für diese Position qualifizierte Kraft zurückgreift. Er meint Tanja Munzig, die Anfang 2013 von der Stadt als Marketing-Managerin eingestellt worden ist. Sie könnte diese Aufgabe wieder übernehmen, natürlich nicht mit der befristeten Stelle. Die könnte mit jemandem besetzt werden, der Tanja Munzig zuarbeitet. Die 42-Jährige war damals unter 90 Bewerbern ausgesucht worden, nicht zuletzt, weil sie eine sehr gute Qualifikation hatte. Sie war zuvor unter anderem als Sprecherin für das Großaquarium Sea Life in Oberhausen tätig, wo der berühmte Krake Paul gelebt hat. Das Wassertier ist als Orakel für Spielergebnisse bei internationalen Fußballturnieren bekannt geworden. Munzig war nach dem Amtsantritt von Horst Feddermann ins Familienzentrum versetzt worden. Wie bei Personalangelegenheiten üblich, ist nie kommuniziert worden warum.

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