Berlin Neuer Botschafter: So tickt der Melnyk-Nachfolger Oleksii Makeiev
Der bisherige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, fiel mit provokanten Aussagen und einer direkten Art auf - weniger mit diplomatischer Zurückhaltung. Nun steht laut übereinstimmenden Medienberichten sein Nachfolger fest: Oleksii Makeiev.
Der „beleidigte Leberwurst“-Kommentar von Andrij Melnyk über Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dürfte vielen Deutschen neben weiteren provokanten Äußerungen des ukrainischen Botschafters im Gedächtnis geblieben sein. Zuletzt leugnete er im Podcast „Jung und Naiv“ des Journalisten Tilo Jung, dass der ukrainische Nationalistenführer Stepan Bandera während des zweiten Weltkriegs an der Ermordung von Juden beteiligt gewesen sei - entgegen geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse.
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Er wurde aus Kiew von seinem Botschafter-Posten abberufen. Sein Nachfolger steht laut übereinstimmenden Medienberichten bereits fest. Der Sender „RTL“ hatte zuerst darüber berichtet: Oleksii Makeiev soll ukrainischer Botschafter in Berlin werden. Auch der „Tagesspiegel“ berichtete darüber. Ob von ihm Ähnliches zu erwarten ist?
Der 47-jährige Makeiev ist seit 1996 im diplomatischen Dienst der Ukraine tätig. 2014 wurde er politischer Direktor im Außenministerium in Kiew. Makeiev hat somit viel diplomatische Erfahrung und ist auch mit der deutschen Ukraine-Politik vertraut. Als politischer Direktor im Außenministerium erlebte er 2015 die Verhandlungen ums Minsker-Abkommen und saß auch anschließend oft mit am Verhandlungstisch.
Seit 2020 ist Makeiev Sonderbeauftragter für Sanktionen und sollte westliche Partner zu mehr Druck auf Russland bewegen. Gegenüber der Europäischen Union forderte er in einem Interview mit dem Politmagazin „Politico“ vor Kurzem, dass Russen vor ihrer Einreise zu ihrer Haltung zum Ukraine-Krieg befragt werden sollten.
Auch auf „Twitter“ zeigt sich der Diplomat aktiv und ist durchaus kritisch gegenüber der vergangenen deutschen Ukraine-Politik: „Endlich mal ein ernster Versuch, die Fehler der Ostpolitik aufzuarbeiten“, schreibt er zur Aussage des Europapolitikers Michael Roth, dass es Sicherheit in Europa nur noch gegen Russland geben könne.
Vor einigen Tagen postete er eine abgeänderte Variante des Liedes „Imagine“ von John Lennon. „Imagine there‘s no russia“ titelte er die Zeilen um. In der Schärfe ähneln die Kommentare nicht denen Andrij Melnyks. Makeiev dürfte jedoch ebenso zielstrebig die ukrainischen Interessen in Deutschland vertreten, wie sein Vorgänger. Durch seine zweijährige Aufgabe als Sonderbeauftragter für Sanktionen ist er mit dem Aufbau von Handlungsdruck auf westliche Politiker vertraut. Mit welcher verbalen Vehemenz er diesen untermauert, bleibt abzuwarten.