Straßen in Leer  Was würde die Umbenennung der Bavinkstraße für Anwohner bedeuten?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 28.07.2022 16:53 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Über den Namen der Bavinkstraße wird derzeit diskutiert. Foto: Ortgies/Archiv
Über den Namen der Bavinkstraße wird derzeit diskutiert. Foto: Ortgies/Archiv
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In der Stadt wird über die Umbenennung der Straße diskutiert. Sollte es dazu kommen, müssen auch die Anwohner sich umstellen.

Leer - Spätestens seitdem Alt-Bürgermeister Wolfgang Kellner sein Buch „Vergiftetes Denken“ Ende 2021 veröffentlich hat, wird in Leer darüber diskutiert, ob die Bavinkstraße umbenannt werden sollte. Sie ist nach Bernhard Bavink benannt, der 1879 in der Stadt geboren wurde und sich als Wissenschaftler und Naturphilosoph einen Namen gemacht hatte.

Was und warum

Darum geht es: Die Umbenennung der Bavinkstraße könnte für die Anwohner Auswirkungen haben.

Vor allem interessant für: Alle, die in der Straße wohnen und die, die sich für die Diskussion interessieren.

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was die Anwohner im Falle einer Umbenennung zu beachten haben.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Er stand aber offenbar auch dem Gedankengut der Nationalsozialisten nahe, wird sogar von Kritikern als deren Wegbereiter betrachtet. So nahe, dass die Stadt Bielefeld, wo Bavink lange als Lehrer gearbeitet hatte, ein nach ihm benanntes Gymnasium wieder umbenannte. Die Umbenennung der Straße könnte aber auf die Anwohner größere Auswirkungen haben als die Umbenennung eines Gymnasiums.

Nachsendeaufträge

„Wenn eine Straße umbenannt wird, ist das eine Entscheidung der Stadt oder Gemeinde. Damit alle künftig auch mit den neuen Angaben arbeiten, ist es unerlässlich, dass in der Folge die betroffenen Anwohner Ihre Adressdaten dementsprechend ändern“, sagt Maike Wintjen von der Deutschen Post.

Vor allem sollten die Anwohner prüfen, von wem sie regelmäßig Post bekommen, oder wo sie ihre Adresse angegeben haben. Sei es Versandhäuser, Versicherungen oder Ärzte. Auch Freunde, und Bekannte sowie Banken sollten zeitnah informiert werden. Diesen sollte man die neue Adresse mitteilen, damit die Post auch künftig zuverlässig ankommt.

Stadt in der Pflicht

Laut der Post-Sprecherin würde die Stadt es übernehmen, die Änderungen an die Post zu melden. Wenn die Entscheidung gefallen ist, würde die Post so eine Liste bekommen, auf der die alten und die neuen Adressen stehen. „Damit würden wir diese Änderung auf den neuen Straßennamen in der Software in unseren Briefzentren hinterlegen. So hinterlegen wir auch in jedem entstehenden und größer werdenden Neubaugebiet die neuen Straßennamen“, erklärt Wintjen.

Sie betont aber auch, dass hier neben der Stadt auch die Anwohner in der Pflicht stehen. „Wenn Firmen und Versandhäuser nicht erfahren, dass es neue Anschriften gibt, würde es zu nicht mehr aktuellen Adressen führen. Hier sind also alle gefordert, mitzuwirken“, sagt sie.

Bürger werden entlastet

Doch neben Nachsendeanträgen steht ja auch die Frage im raum: Was wird aus Ausweisdokumenten? Hier hat die Stadt vorgesorgt. „Bei Änderung eines Straßennamens werden die Adressen im Melderegister automatisch aktualisiert, sodass die Bürger sich nicht selbst ummelden müssen“, sagt Stadtsprecherin Sabine Dannen.

Ins Bürgerbüro müssen die Anwohner allerdings trotzdem. „Es bietet sich an, dass die Anschrift auf dem Personalausweis zeitnah im Bürgerbüro geändert wird. Für die Änderung der Anschrift müsste auch kein Termin vereinbart werden“, so die Stadtsprecherin. Der Ausweis wird mit der neuen Adresse versehen beziehungsweise erhält einen neuen Adressaufkleber.

Ein Ausweis werde aber nicht ungültig, wenn die Anschrift nicht mehr korrekt ist. „Daher entstehen zunächst keine Nachteile für den Bürger“, sagt sie. Um nichts kümmern muss man sich beispielsweise bei einem Reisepass. „Bei den Pässen ändert sich gar nichts, da hier nicht die Adresse mit Straße angegeben ist, sondern nur Leer (Ostfriesland) als Wohnort“, sagt die Stadtsprecherin.

Keine Probleme bei Reisepässen

Um nichts kümmern muss man sich beispielsweise bei einem Reisepass. „Bei den Pässen ändert sich gar nichts, da hier nicht die Adresse mit Straße angegeben ist, sondern nur Leer (Ostfriesland) als Wohnort“, sagt die Stadtsprecherin.

Sowohl die Post als auch die Stadt helfen den Betroffenen also. Dennoch bleibt auch für sie noch einiges zu tun. Zu sagen ist aber auch: Die Umbenennung der Bavinkstraße ist keine beschlossene Sache. Derzeit wird darüber gesprochen, wie mit dem Andenken an den Leeraner umgegangen werden soll.

Diskussion läuft

Wie die Stadt Leer mit der Straße verfahren will, soll nach den Sommerferien Thema für die Politik werden, hatte Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) angekündigt. Das Stadtarchiv werde das Thema entsprechend aufbereiten.

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Die CDU-Fraktion hatte sich bereits gegen eine Umbenennung der Straße ausgesprochen. Nicht jede Benennung müsse als Würdigung verstanden werden, sondern könne auch ein Hinweis auf eine Persönlichkeit sein, die das Land geprägt hat – im Guten sowie im Schlechten, heißt es von der Fraktion. Stattdessen sollten Hinweisschilder, die über die Gründe der Ehrung, aber auch über die Kritikpunkte zu den entsprechenden historischen Personen aufklären, angebracht werden.