Archäologische Grabung  Unter Uplengen verbergen sich Spuren der Vergangenheit

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 28.07.2022 18:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Amelie Mohrs leitet die Grabung in Großoldendorf. Fotos: Rümmele
Amelie Mohrs leitet die Grabung in Großoldendorf. Fotos: Rümmele
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Schon im Mittelalter lebten dort, wo heute Uplengen liegt, Menschen. In Großoldendorf wollen Archäologen einer mittelalterlichen Siedlung Geheimnisse entlocken.

Uplengen - Behutsam schabt Dominic Bohl in der Großoldendorfer Mittagshitze Erde aus einem etwa 50 Zentimeter tiefen Loch. Seine Knie sind auf einer Kunststoffschale gebettet, damit sie nach getaner Arbeit zumindest nicht ganz so schmerzen. Stundenlang verbringt Bohl täglich in dieser Haltung, auf seinen Knien, über Löchern. Währendessen legt er mit seinen Schaufeln und Spachteln die Überreste eines Jahrhunderte alten Holzpfostens frei.

Was und warum

Darum geht es: In Uplengen wird eine mittelalterliche Siedlung ausgegraben.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Geschichte interessieren

Deshalb berichten wir: Wir haben der Grabung in Großoldendorf einen Besuch abgestattet.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Grabungshelfer Bohl und seine Kolleginnen und Kollegen von der Ostfriesischen Landschaft sichern derzeit die Überreste einer mittelalterlichen Siedlung. Sie stand in der Zeit des Mittelalters dort, wo heute der Uplengener Ortsteil Großoldendorf liegt. Auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern will die Landschaft so viele Spuren wie möglich sichern. Dann weichen die kleinen Schaufeln der Grabungshelfer großen Baggern. Wo vor 700 Jahren kleine Höfe, Ställe und Brunnen errichtet wurden, wird Bauland für insgesamt 18 Grundstücke erschlossen.

Grabungshelfer Dominic Bohl schabt sich sorgfältig durch den Großoldendorfer Boden.
Grabungshelfer Dominic Bohl schabt sich sorgfältig durch den Großoldendorfer Boden.

Jeder Fund wird dokumentiert

Geleitet wird die Grabung auf dem künftigen Baugebiet von Amelie Mohrs. Die Grabungstechnikerin erklärt, dass schon seit einiger Zeit auf dem Gelände mittelalterliche Hinterlassenschaften vermutet wurden. „Unter dem Nachbar-Baugebiet wurden Anfang der 2000er-Jahre Wohngebäude, Speicher und Brunnen entdeckt“, sagt sie und zeigt auf eine Häuserreihe am Ende des Geländes. Die Grenzen dieser Jahrhunderte alten Siedlung seien damals nicht erfasst worden. „Aber sie scheint sich hier fortzusetzen.“

Bis September will die Ostfriesische Landschaft die Grabung abgeschlossen haben.
Bis September will die Ostfriesische Landschaft die Grabung abgeschlossen haben.

Im Frühjahr lies eine Voruntersuchung, eine sogenannte Prospektion, bereits erahnen, dass es für die Ostfriesische Landschaft unter dem künftigen Bauland vieles zu finden gibt und sich eine Grabung lohnen wird. „Da war schon eine ganze Menge zu erkennen“, so Mohrs. Seit April läuft nun die gründliche Suche nach Überresten der alten Siedlung. Etwa die Hälfte des Geländes ist bereits umgegraben. Jeder Fund wird dabei fotografiert und dokumentiert. Erst, wenn die Grabung abgeschlossen ist, wird es an die detaillierte Auswertung gehen, erklärt Mohrs.

Neubauten sollen trotz Grabung bald errichtet werden können

Und wie lebten die Vorgänger der heutigen Großoldendorfer? „Sie hatten alles, um sich selbst zu versorgen“, erklärt die Grabungsleiterin. Ob das Dorf auch Handel mit anderen Siedlungen geführt habe, könne dagegen wohl erst gesagt werden, wenn alle Funde ausgewertet sind.

Bürgermeister Heinz Trauernicht (parteilos) sagt: „Die Grabungen zeigen, dass hier in Uplengen schon immer Leben war.“ Dem Bürgermeister geht es aber weniger um die mittelalterlichen Häuser im Erdreich als um die künftigen Neubauten, die an ihre Stelle treten werden. Er hoffe, dass die Arbeiten auf dem Gelände gut vorankommen. „Wir wollen schnellstmöglich mit den Erschließungsarbeiten für die neuen Grundstücke beginnen“, sagt der Bürgermeister.

Dr. Jan F. Kegler, Archäologe bei der Ostfriesischen Landschaft, erklärt, dass sich die Menschen, die auf dem Gelände ein Eigenheim errichten wollen, keine Sorgen machen müssten. Die Grabung werde ihnen keinen Strich durch die Rechnung machen. „Wir haben uns frühzeitig mit der Gemeinde abgestimmt und einen Zeitrahmen definiert“, sagt er. Bis September wolle man die Grabung abgeschlossen haben. Bis dahin werden sechs Spurensucher der Ostfriesischen Landschaft weiter über Löchern knien, behutsam im Erdreich schaben und dabei Spuren zu Tage bringen.

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