Diskussion entfacht  Soll die Emder Trogstrecke wieder zugeschüttet werden?

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 03.08.2022 08:57 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gerade erst aufgetragen und schon wieder Schäden: Die Trogstrecke weist an mehr als 50 Stellen Risse auf. Sie sind farblich markiert worden. Foto: Päschel
Gerade erst aufgetragen und schon wieder Schäden: Die Trogstrecke weist an mehr als 50 Stellen Risse auf. Sie sind farblich markiert worden. Foto: Päschel
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Die neuen Schäden an der Emder Südumgehung lassen immer mehr Stimmen laut werden, die ein radikales Umdenken fordern. Die Stadt ist aber anderer Meinung.

Emden - Das neue Fiasko bei der Sanierung der Trogstrecke in Emden erregt die Gemüter weiter und bleibt eines der beherrschenden Themen in der Stadt. Die in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Schäden in der frischen Fahrbahndecke dieser Verkehrsader haben in der Öffentlichkeit viel Kopfschütteln und Unverständnis ausgelöst. Zugleich hat der jüngste Rückschlag für dieses millionenschwere Projekt eine neue Debatte darum entfacht, was mit der maroden, aber wichtigen Südumgehung der Stadt geschehen soll.

Was und warum

Darum geht es: Wie geht es mit der Trogstrecke in Emden weiter?

Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer und Unternehmen, die auf eine funktionsfähige Trogstrecke angewiesen sind

Deshalb berichten wir: Das jüngste Fiasko bei der Sanierung dieser Verkehrsachse hat eine Diskussion entfacht, wie es jetzt weitergehen soll.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Dabei werden auch die Stimmen immer lauter, die vorschlagen, die Unterführung der Eisenbahnlinie in den Westteil des Hafens zuzuschütten und die Straße wieder höher zu legen. Damit wäre der Zustand wieder hergestellt, der bis zum Bau der Straßenunterführung in der ersten Hälfte der 1970er Jahre dort geherrscht hatte. Vor dem Bau der Eisenbahnbrücke hatte es an dieser Stelle einen beschrankten Bahnübergang gegeben.

Ein Ingenieur wirft Fragen auf

Gedanken darüber hat sich auch Matthias Leyk gemacht. Der 51-Jährige ist Maschinenbau-Ingenieur, bei einem Unternehmen in Emden beschäftigt und muss auf der Fahrt von seinem Wohnort Freepsum zur Arbeit mit dem Auto oder dem Fahrrad immer die Südumgehung nutzen. Als Sohn eines Tiefbau-Ingenieurs versteht er nach eigenen Angaben auch etwas von Bautechnik.

Leyk wirft die Frage auf, ob Emden den Trog künftig noch wirklich braucht, wenn es zutreffen sollte, dass über die Eisenbahnlinie zum Nord- und zum Südkai des Hafens vergleichsweise noch wenige Bahntransporte rollen. Das sei vor dem Bau des Trogs noch anders gewesen. Damals zogen noch Dampfloks etliche mit Erz oder anderen Massengütern beladene Waggons vom Südkai zum Bahnbetriebsgelände für die Weiterreise ins Ruhrgebiet.

Ein Bahnübergang wäre möglich

„Die fuhren nicht mal Schrittgeschwindigkeit“, sagt der Freepsumer. Damals habe es deshalb „verkehrstechnisch keine andere Möglichkeit“ gegeben, die Unterführung zu bauen, weil die Züge sonst den Straßenverkehr mehrmals pro Tag blockiert hätten. Die Südumgehung sei zu dieser Zeit auch die einzige Verbindung zum Westteil des Hafens gegeben. „Die Westumgehung über die A 31 gab es zu dieser Zeit noch nicht“, so Leyk. Heute sei die Situation eine andere. Die Stadt hatte die Eisenbahnbrücke über den Trog vor sieben Jahren für 6,2 Millionen Euro komplett erneuert und für überbreite Transporte begradigt.

Mittlerweile habe er „ein bisschen das Gefühl, dass die Stadt sich mit der Sanierung der Trogstrecke verrannt hat und es jetzt kein Zurück mehr gibt“. Die Verantwortlichen sollten aber den Mut haben, die Notbremse zu ziehen und einzugestehen, möglicherweise Fehler gemacht zu haben. „So geht‘s wenigstens nicht weiter“, meint der Freepsumer.

Die Stadtverwaltung winkt ab

Er ist überzeugt, dass die Feuchtigkeitsprobleme mit dem von unten drückenden Wasser in der Trogstrecke langfristig nicht gelöst werden können und diese Straße „ein Millionengrab“ bleibt. Leyk schließt aber auch nicht aus, mit seiner Meinung falsch zu liegen.

Bei der Stadt winkt man ab, wenn es um den Vorschlag geht, die Trogstrecke wieder einzuebnen. Das sei „nicht wirklich realistisch umsetzbar und würde ein Vielfaches der derzeitigen Sanierung kosten“, schreibt Stadtsprecher Eduard Dinkela dieser Zeitung auf Anfrage. Hinzu komme, dass das Zuschütten nicht mit dem sogenannten Eisenbahnkreuzungsgesetz vereinbar sei und die Stilllegung der Bahnlinie in den Hafen zur Folge haben würde.

Auch aus den Wänden kommt noch Wasser

Die Stadtverwaltung bestätigte indes Beobachtungen eines OZ-Lesers, dass nach wie vor Wasser aus den Seitenwänden des Betontrogs dringt und herunterläuft. An einigen Stellen trete noch Feuchtigkeit aus, so Dinkela. Grund dafür sei, dass die Seitenwände noch nicht vollständig verpresst worden seien.

Wie die Stadt und das von ihr beauftragte Ingenieurbüro Grassl, das die millionenschwere Sanierung verantwortet, am vergangenen Donnerstag bei einem kurzfristig anberaumten Pressetermin vor Ort mitteilten, soll zunächst nach der Ursache für die neuen Schäden gesucht werden, bevor weitere Schritte eingeleitet werden. Konkret heißt das: Die gerade erst aufgebrachte Schutzschicht muss aufgerisssen werden.

Es ist nicht die erste Hiobsbotschaft

Der Belag weist an mehr als 50 Stellen Risse auf. Als plausibelste Ursache für die Schäden in der Fahrbahn wird Feuchtigkeit vermutet. Im ersten Schritt soll jetzt geklärt werden, ob das Wasser von unten durch die mit Problemen behaftete Betonschale des Trogs eindringt oder aus einer anderen Quelle stammt.

Es war nicht die erste Hiobsbotschaft, die die ursprünglich auf 5,5 Millionen Euro kalkulierte und vor zwei Jahren begonnene Kernsanierung begleitet und mehrfach in Verzug gebracht hat. 2021 hatte sich herausgestellt, dass das Verfahren, mit dem das Betonbett aus 31 Einzelteilen und entsprechend vielen Fugen abgedichtet werden soll, ungeeignet ist. Es brauchte eine neue technische Lösung.

Die Trogstrecke bleibt im Abschnitt zwischen der Zufahrt zur Firma Emder Anlagen und Fahrzeugtechnik bis zur Einmündung der Straße Zur Alten Brikettfabrik für den Kraftverkehr bis voraussichtlich bis zum 12. August voll gesperrt.

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