Interview mit Horst Feddermann  Auricher Bürgermeister äußert sich zum Kasernen-Knatsch

| | 03.08.2022 12:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Blücher-Kaserne in Aurich steht seit fast neun Jahren leer. Fotos: Archiv/Ortgies
Die Blücher-Kaserne in Aurich steht seit fast neun Jahren leer. Fotos: Archiv/Ortgies
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Die Stadt Aurich hat viel vor in der leerstehenden Blücher-Kaserne. Doch nun braucht der Landkreis sie als Flüchtlingsunterkunft. Der Investor will abspringen. Sind die Pläne damit hinfällig?

Aurich - Die Pläne der Stadt Aurich, auf dem Gelände der leerstehenden Blücher-Kaserne einen neuen Stadtteil zu entwickeln, sind empfindlich gestört worden. Der Landkreis Aurich beansprucht dort neun Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen. Das Kasernengelände gehört dem Bund. Sollte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) den Wunsch des Landkreises erfüllen, springt der Bremer Investor Norbert Dittel (Terra Nova) womöglich ab. Wir haben darüber mit dem Auricher Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) gesprochen.

Herr Feddermann, steht die Stadt Aurich in Sachen Kaserne vor einem Scherbenhaufen?

„Ich möchte keine Tür zuschlagen“, sagt Bürgermeister Horst Feddermann.
„Ich möchte keine Tür zuschlagen“, sagt Bürgermeister Horst Feddermann.

Horst Feddermann: Nein, in keinster Weise. Wir planen ganz normal weiter. Wir sind mit beiden Akteuren im Gespräch, sowohl mit Terra Nova als auch mit dem Landkreis. Die Entwicklung dort geht weiter.

Der Investor Norbert Dittel hat aber offen damit gedroht abzuspringen, falls der Landkreis tatsächlich neun Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzt.

Feddermann: So weit sind wir ja noch nicht. Erst mal muss der Landkreis die Gebäude bekommen.

Das entscheidet die Bima ja in Kürze.

Feddermann: Ja, vermutlich in den nächsten Tagen. Erst dann können wir gemeinsam überlegen, wie es weitergeht. Dass Terra Nova im Moment verunsichert ist, verstehe ich, aber wir sollten erst mal das Verfahren abwarten. Wir sind mit dem städtebaulichen Vertrag ohnehin noch nicht ganz so weit. Das wird bis Ende August dauern, weil noch einige Dinge zu klären sind, auch mit Terra Nova. Noch sind wir im Plan.

Aber man muss ja schon davon ausgehen, dass die Bima dem Landkreis seinen Wunsch erfüllt. Die Flüchtlinge brauchen ein Dach über dem Kopf. Dann geht doch nichts mehr auf dem Kasernengelände.

Feddermann: Das sehe ich nicht so. Wir arbeiten an einem Plan B. Idealerweise ist es so, dass wir weiter auf Terra Nova setzen können. Wir wollen dort zusammen etwas entwickeln.

Selbst wenn der Landkreis dort im großen Stil Flüchtlinge unterbringt?

Feddermann: Ich bin da optimistisch.

Terra-Nova-Geschäftsführer Norbert Dittel hat angekündigt, in diesem Fall einen Rückzieher zu machen. Wie wollen Sie ihn umstimmen?

Feddermann: Wir würden dann erörtern müssen, was genau der Landkreis beansprucht und wie man weitermachen kann. Wir haben dort einiges vor. Ich möchte keine Tür zuschlagen. Ich möchte versuchen, dass alle Beteiligten ihre Pläne weiterverfolgen können.

Sind Sie als Stadt an der Entscheidung beteiligt, oder müssen Sie wie das Kaninchen vor der Schlange abwarten, wie die Bima entscheidet?

Feddermann: Nicht wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir wurden um eine Stellungnahme gebeten, und die haben wir abgegeben. Direkt beteiligt sind wir an der Entscheidung aber nicht.

„Ich möchte keine Tür zuschlagen“, sagt Bürgermeister Horst Feddermann.
„Ich möchte keine Tür zuschlagen“, sagt Bürgermeister Horst Feddermann.

Sie wirken sehr ruhig und besonnen. Stören Sie sich gar nicht an der Art und Weise, wie Sie vom Landkreis vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind? Das erinnert ja an die Situation im Februar, als der Landkreis verkündete, dass er die kommunalen Kindertagesstätten übernehmen will.

Feddermann: Ich will das nicht vermengen. Das sind zwei Paar Schuhe. Das Thema der Flüchtlinge betrifft uns alle. Wir sehen genau, was in der Welt los ist. Viele Menschen flüchten vor Krieg, Not und Elend. Wenn der Landkreis verpflichtet ist, Personen aufzunehmen, dann muss er die irgendwo lassen. Da werden Lösungen gesucht. Deshalb habe ich für den Landkreis Verständnis. Wichtig ist uns nur, dass die Entwicklung auf dem Kasernengelände trotzdem weitergeht. Das ist mit dem Landkreis auch besprochen. Wir werden dann gemeinsam versuchen, dort etwas zu entwickeln.

Gemeinsam mit dem Landkreis?

Feddermann: Genau.

Wie haben Sie denn eigentlich von den Plänen des Landkreises erfahren? Erst durch die Pressekonferenz am 18. Juli?

Feddermann: Nein, der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert hat mich angerufen.

Vorher?

Feddermann: Ja. Die Pressekonferenz war an einem Montag. Er hat mich am Freitag vorher angerufen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Feddermann: Wir haben zum Landkreis insgesamt ein gutes Verhältnis. Auf sachlichen Ebenen haben wir teilweise unterschiedliche Auffassungen und Meinungen, aber wir können miteinander sprechen. Wir haben regelmäßige Treffen und einen guten Austausch. Das Verhältnis ist nicht schlecht.

Sie fühlen sich also nicht über den Tisch gezogen?

Feddermann: Nein.

Böse Zungen behaupten, dass die Entwicklung des Kasernengeländes verschleppt worden sei. Die Blücher-Kaserne steht seit fast neun Jahren leer. Man könnte schon viel weiter sein. Bekommt die Stadt nun die Quittung für die vielen Verzögerungen?

Feddermann: Meines Erachtens ist nichts verschleppt worden. Es ist immer weitergelaufen. Dinge dauern einfach manchmal. Es müssen Genehmigungen eingeholt werden, es müssen Verträge ausverhandelt werden, es müssen politische Beschlüsse gefasst werden und so weiter und so fort. Das braucht seine Zeit.

Sie sind zuversichtlich, dass trotz allem aus dem Kasernengelände ein neuer Stadtteil wird?

Feddermann: Selbstverständlich.

Wagen Sie da auch eine zeitliche Prognose?

Feddermann: Nein. Wir müssen bis Ende 2032, wie es im Fachterminus heißt, die städtebaulichen Missstände behoben haben. So steht es in den Förderbedingungen. Das heißt, wir müssen bis Ende 2032 fertig sein – was natürlich angesichts der vielen Gebäude schon sportlich ist.

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