Betrug in Leer So verhalte ich mich richtig bei betrügerischen E-Mails
Ein Leeraner bekam eine Betrugs-Email, die angeblich von seiner Bank stammte. Wegen eines Zufalls glaubte er dem Inhalt kurzzeitig.
Leer - Es war für den Leeraner Menno Sandersfeld ein Tag wie jeder andere. Bis er eine E-Mail bekam. Von der EU-Kommission und der Bundesregierung wurde er aufgefordert, seine Kreditkarten-Informationen zu verifizieren.
Was und warum
Darum geht es: Eine Betrugs-E-Mail hat einen Leeraner kalt erwischt. Trotz seines Wissens, wäre er beinahe hereingefallen.
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Deshalb berichten wir: Der Betrug über E-Mail und Telefon ist zum Massenphänomen geworden Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Dazu sollte er auf einen Link in der Mail klicken. Eigentlich ein klassischer Fall von Betrug, aber trotzdem zögerte der 62-Jährige. „Ich hatte tatsächlich kurz bevor ich die Mail kam bei meiner Bank neue Pin-Nummern für meine Visa-Karte angefordert. Und auch von Visa war in der Mail die Rede“, sagt er.
Anruf bei der Bank
Aufgrund dieser Konstellation war die Mail für ihn stimmig. „Stutzig wurde ich wegen der Aufmachung und des Absenders“, sagt er. So wurde er in der gesamten Mail nicht mit Namen angesprochen und die Mail kam von keinem Account, der mit einer Bank in Verbindung stehen könnte. Der Absender war „nutzer-check006@t-online.de“.
Auch empfand er den angeschlagenen Ton als zu fordernd. Er müsse zusätzliche Informationen auf einer Website eingeben, ansonsten könnte es zu Unterbrechungen im Zahlungsverkehr kommen. Sprich: Zahlungen würden nicht vorgenommen. Der Leeraner wurde stutzig, schien aber dennoch verunsichert. „Eigentlich lösche ich solche Mails sofort. Aber in diesem Fall hab ich dann doch bei meiner Bank angerufen. Die haben mir bestätigt, dass sie solche Mails nicht verschicken würden“, sagt er. Deshalb reagierte er nicht.
Anrufe und E-Mails
Im Schnitt alle zwei Monate würde er Mails mit ähnlichem Inhalt bekommen. Auch falsche Microsoft-Mitarbeiter, die auf seinen PC zugreifen wollen, kennt er schon. Dies war das erste Mal, dass er wirklich stutzig wurde.
„Er hat auf jeden Fall genau richtig gehandelt“, sagt Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden. Ihr Rat ist, solche Mails direkt zu löschen und keinesfalls zu reagieren. „Banken verschicken solche Nachrichten nicht. Man sollte auf keinen Fall irgendwelche Daten angeben“, betont sie.
Bei Erfolg zur Polizei
Sollte es zu spät sein und es wurden schon Informationen herausgegeben, sollte laut Polizei umgehend die Bank informiert werden. „Anschließend sollte man alle Informationen zusammensammeln und zu uns kommen, um Anzeige zu erstatten“, sagt Svenia Temmen. Die Verbraucherzentrale Niedersachen hat noch einen weiteren Hinweis: „Scannen Sie den PC auf Befall durch Schadsoftware. Sollte sich Schadsoftware im Hintergrund installiert haben, muss diese entfernt werden. Man sollte zudem sämtliche Passwörter ändern, damit die Daten und Zugänge nicht missbraucht werden können“, sagt Ann-Katrin Fornika vom Regionalzentrum Oldenburg der Verbraucherzentrale.
Auch müsse sich niemand schämen. „Jeder bekommt diese E-Mails. Auch ich mehrfach“, sagt sie. Die Betrüger raten die Adressen oder ziehen sie aus dem Internet. Ähnlich ist es bei Anrufen. „Da wird auf gut Glück eine Liste abtelefoniert. Da muss man sich keine Sorgen machen, etwas falsch gemacht zu haben“, sagt sie.
So erkennt man den Betrug
Laut Temmen ist der Absender der Mail ein Anzeichen dafür, ob es sich um Betrug handelt. „Man kann sich den Absender immer anzeigen lassen. Ist dieser sehr lang, ist das ein Zeichen“, sagt sie. Auch haben Banken und Behörden spezielle Mailendungen, die sich kenntlich machen. Auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat einige Tipps. „Sehr häufig findet Phishing per E-Mail statt. Sie erhalten beispielsweise eine Mail von Ihrer Bank, in der von einem Problem berichtet wird. Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen, sollen Sie folglich auf einen Link oder Button klicken“, erklärt Ann-Katrin Fornika.
Schon diese Buttons sind ein Warnsignal. Hinzu käme, dass manchmal eine direkte Ansprache fehle. „Häufig wird man als ,Sehr geehrte/r Kunde‘ oder ,Sehr geehrte Damen und Herren‘ angesprochen. Schreib- und Grammatikfehler sind keine Seltenheit. Wörter wie sofort, Sperrung, oder Mahnung werden gern verwendet um Dringlichkeit zu vermitteln“, sagt sie.
Identitätsdiebstahl
Doch, was wollen die Betrüger eigentlich von den Nutzern? „In erster Linie wollen die Betrüger beim Phishing an die Daten, oftmals um Geschäfte in Ihrem Namen zu tätigen“, sagt die Verbraucherschützerin. Ebenso wie die Polizei rät sie, auf keinen Fall auf Buttons oder Links zu klicken und Anhänge zu öffnen.
„Erhält man eine E-Mail von einem genutzten Anbieter, kann man sich im Kundenkonto einloggen. Dort kann der Wahrheitsgehalt der Nachricht überprüft werden. Handelt es sich um einen tatsächlichen Vertragspartner, nehmen Sie am besten direkten telefonischen Kontakt auf“, rät Ann-Katrin Fornika.
E-Mails oder Anrufe mit betrügerischem Hintergrund sind längst ein Alltagsproblem geworden. Dennoch haben die Betrüger immer wieder Erfolg mit der Masche. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kämen nahezu täglich neue Maschen zum Einsatz. Es gilt also: Vorsicht bei E-Mails, bei denen der Inhalt seltsam anmutet.