Fünf Portraits im Fokus Diese Prominenten haben Wurzeln in der Krummhörn
Erste Frauenärztin, Micky-Maus-Miterfinder oder die „deutsche Greta Thunberg“: Sie und weitere Prominente haben Verbindungen in die Krummhörn. Ein Überblick.
Krummhörn - Erfolgreiche Schauspieler sind es gewöhnt, dass für sie ab und an der rote Teppich ausgerollt wird und sie im Rampenlicht stehen. Es gibt aber viel mehr Menschen, die so eine Anerkennung durch andere Taten verdient haben.
Was und warum
Darum geht es: Auch kleine Orte bringen immer wieder mal bedeutende Persönlichkeiten hervor.
Vor allem interessant für: Bewohner der Krummhörn, die sich dafür interessieren, was ihre Mitmenschen und Vorfahren erreicht haben
Deshalb berichten wir: Immer mal wieder porträtieren wir Persönlichkeiten. Wir fanden, es ist mal Zeit für einen auf die Krummhörn gemünzten Überblick. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Auch in der Gemeinde Krummhörn liegen die Wurzeln solcher Persönlichkeiten, die aber mal mehr und mal weniger in Vergessenheit geraten. Das sind fünf besondere historische Vertreter unter ihnen.
Märchenfigur Schneewittchen
Die deutsche Märchenfigur Schneewittchen zählt heute zu den berühmtesten der Welt. Sie soll aber ein historisches Vorbild haben – die Theorien dazu gehen auseinander. Eine besagt, dass die schöne Frau auf eine Adelige namens Margarethe zurückgehen soll, die 1533 geboren wurde und später am Hof Karls V. in Brüssel lebte. Sie starb bereits im Alter von 21 Jahren – angeblich durch Gift.
Ihre ebenfalls Margarethe heißende Mutter war wiederum Tochter des aus Greetsiel stammenden Grafen Edzard I. (der Große) und die spätere Ehefrau von Philipp IV. von Waldeck aus dem heutigen Nordhessen. Unter anderem greift die Ländliche Akademie Krummhörn diese Theorie der Margarethe in einem Theaterstück auf und die Buchautorin Gudrun Anne Dekker hat dazu geschrieben. Die Brüder-Grimm-Gesellschaft aus Kassel bezeichnet diese und alle anderen Theorien zum Ursprung des Märchens hingegen als „Fake News“.
Vorfahre einer der reichsten deutschen Familien
Die Entführung von Jan Philipp Reemtsma zählt zu den bekanntesten deutschen Kriminalfällen der jüngeren Vergangenheit. 1996 hielten ihn vier Täter in der Hoffnung fest, etwas von seinem beträchtlichen Vermögen zu erpressen. Sie alle wurden verhaftet. Dass der Hamburger Mäzen überhaupt heute zu den reichsten Deutschen zählt, hat er auch seinem 1857 geborenen Großvater Bernhard Reemtsma aus Sielmönken zu verdanken.
Ab 1894 betrieb dieser eine Tabakwaren-Großhandlung im Harz und übernahm 1910 die Zigarettenmanufaktur „Dixi“ in Erfurt. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte Reemtsmas Sohn Hermann Fürchtegott Reemtsma eine Maschine zur Zigarettenproduktion, die die Handarbeit ablöste. 1921 entstand die Reemtsma AG, die im folgenden Jahrzehnt zwei Drittel aller deutschen Zigaretten produzierte. Übrigens: Umweltaktivistin Luisa Neubauer ist die Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers.
Erste deutsche Frauenärztin
Sie wollte Abtreibungen legalisieren, wurde die erste Frauenärztin Deutschlands und setzte sich für die Gleichberechtigung ein. Darum zählt Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen heute zu den berühmtesten Krummhörnerinnen. Geboren wurde sie vor 150 Jahren in Pewsum als Tochter eines Landarztes.
Der hielt nicht viel von ihren Ambitionen und verspottete sie. Es war immerhin eine Zeit, in der es für eine Frau schon ungewöhnlich war, überhaupt Abitur zu machen. Auch gegen ihre späteren männlichen Kollegen musste sie sich behaupten – heute sind mehr als die Hälfte aller Frauenärzte weiblich. Um die Rolle der Pewsumerin zu würdigen, hängt eine Gedenktafel an ihrem früheren Haus in Berlin, die Charité widmete ihr kürzlich ein Symposium, an der Uni Oldenburg wird ein nach ihr benannter Preis verliehen und in der Pewsumer Manningaburg geht es in einer Ausstellung um sie.
Miterfinder der Micky Maus
Micky Maus ist heute nicht nur das Maskottchen des Disney-Konzerns. Die Zeichentrickfigur ist auch ein Wahrzeichen der Vereinigten Staaten von Amerika – gleich neben Coca Cola und der Freiheitsstatue. Erfunden wurde sie aber nicht nur von Firmenchef Walt Disney, sondern auch von Ubbe Eert Iwwerks – kurz Ub Iwerks. Zwar wurde der 1901 im Bundesstaat Missouri geboren.
Sein Vater Eert Ubben Iwwerks wuchs jedoch ab 1855 in Uttum auf, ehe die Familie 1869 in die USA übersiedelte. Als dieser später seine Familie verließ, war sein Sohn noch ein Jugendlicher. Ub Iwerks musste die Schule verlassen und seine Mutter unterstützen. Disney lernte er 1919 kennen und die beiden arbeiteten viele Jahre lang zusammen. Während dieser den Charakter und die Wesenszüge der Maus entwarf, war Iwerks für die zeichnerische Umsetzung zuständig. „Steamboat Willie“ stammt beispielsweise nahezu komplett aus Iwerks Feder.
Reformator Ubbo Emmius
Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden tragen Schulen, Straßen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen seinen Namen: Ubbo Emmius. Der 1547 geborene Greetsieler wirkte sowohl als evangelisch-reformierter Theologe, als Historiker und Pädagoge. Von den Niederlanden aus wehrte er sich gegen die absolute Fürstenherrschaft in Ostfriesland und bestand auf das Widerstandsrecht des Volkes gegen die Obrigkeit.
Ihm und seinen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass später Parlamente entstanden und Revolutionen ausbrachen, weshalb Emmius’ Bücher und Schriften auch von seinen Gegnern öffentlich verbrannt wurden. Zu den Werken zählten aber auch Texte zur ostfriesischen Geschichte und eine der ersten detaillierten Karten Ostfrieslands geht auf ihn zurück. Für die Aufklärung setzte sich der Greetsieler zudem an der 1614 gegründeten niederländischen Universität Groningen ein, dessen erster Rektor er war.
Weitere Persönlichkeiten
Die genannten Personen sind allerdings bei Weitem noch nicht alle, die genannt werden sollten. So ist zum Beispiel der 1462 in Greetsiel geborene Edzard der Große aus der Adelsfamilie der Cirksenas zu nennen, der Graf von Ostfriesland wurde. Er unterwarf die Häuptlinge Hero Omken aus dem Harlingerland und Edo Wiemken der Jüngere von Jever, setzte sich für die Reformation in Ostfriesland ein, schuf ein neues Landrecht und reformierte das Münzwesen. Dabei duldete er auch anderswo verfolgte Glaubensflüchtlinge.
Dieter Smidt, der zwischen 1927 und 1998 lebte, war Atomphysiker und zeitweiliger Vorsitzender der Reaktor-Sicherheitskommission. Der 2002 verstorbene Hinrich Swieter aus Grimersum war zwischen 1990 und 1996 Finanzminister von Niedersachsen. Dazu kommen weitere Politiker, Wissenschaftler beziehungsweise Gelehrte, Künstler und erfolgreiche Geschäftsleute. Und dann sind da noch viele eher unbekannte Biografien, weshalb dieser Artikel auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.