Hamburg Networking im Kindergarten: Wer reiche Freunde hat, verdient später selbst mehr
Vergiss klassische Musik in der Schwangerschaft oder Fremdsprachenkurse für Kleinkinder: Es kommt auf das Elternhaus der Sandkasten-Kumpel an, wie viel Dein Kind mal verdienen wird.
In diesem Artikel erfährst Du:
Fremdsprachenerwerb im Kindergartenalter, Klavierunterricht sowieso und schon mit fünf Jahren Lesen und Schreiben können: Wenn es um die Zukunft und den Erfolg ihrer Kinder geht, überlassen manche Eltern nichts dem Zufall. Von klein auf werden die Kids darauf vorbereitet, später den Betrieb zu übernehmen oder in einer profilierten Branche Karriere zu machen. Doch das scheint alles überflüssig – denn zumindest in den USA kommt es vor allem darauf an, mit wem Du im Kindergarten Sandkuchen gebacken oder Fangen gespielt hast.
Ein Forscherteam der Harvard Universität, der Universität Stanford und der Universität New York hat untersucht, welchen Einfluss Kindergartenfreundschaften auf das Einkommen haben. Dafür werteten sie die Kontaktlisten von 72 Millionen Menschen aus den USA aus und kombinierten diese mit Zahlen des US-Zensus und Steuerdaten. Den sozialökonomischen Stand der Eltern ermittelten sie aus Faktoren wie dem Durchschnittseinkommen, Wohngebiet oder Bildungsgrad.
Das Ergebnis: Welche Kontakte wir bereits in der Kindheit knüpfen, hat einen größeren Einfluss auf das spätere Gehalt als das Einkommen der eigenen Eltern oder die Qualität der Schulbildung. Durchschnittlich 20 Prozent mehr verdienen Kinder, die mit Kindern aus vermögenden Elternhäusern befreundet waren.
Das führt Hauptautor Dr. Raj Chetty auf drei Gründe zurück:
Vor allem Kinder aus weniger priviligierten Familien könnten von einem diversen Umfeld proftieren und so langfristig bessere Aufstiegschancen haben.
Dass unser soziales Umfeld einen wichtigen Einfluss auf unseren Erfolg hat, ist keine neue Erkenntnis. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu beispielsweise unterscheidet zwischen drei Kapitalarten:
Natürlich hängt es nicht allein von den Sandkastenfreunden ab, wer Chefarzt oder Bundeskanzlerin wird, zumal man ja das ganze Leben über neue Menschen kennenlernt. Doch wenn es beispielsweise um die Frage der Berufswahl geht, kann der Einfluss erfolgreicher Eltern von Schulfreunden maßgeblich für die Wahl der eigenen Karriere sein: Entweder als Vorbild oder als konkrete Unterstützung, etwa bei der Vemittlung von Praktika.
Soziologe Aladin El-Mafaalani von der Universität Osnabrück bezeichnet solche Eltern von Freunden als “soziale Paten“.
Trotzdem ist klar: Der Kindergarten ist kein Networking-Event. Und mit wem man sich dort anfreundet, hängt nicht davon ab, ob die Eltern ein Ferienhaus in Monaco haben – sondern davon, ob der andere bereit ist, seine Spielsachen zu teilen.