Bauarbeiten in Leer  Der Roboter ist fertig: Am Stadtring wird es Mittwoch ruhig

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 09.08.2022 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Arbeiten durch den Roboter waren gerade für die Anwohner sehr laut. Foto: Wolters/ Archiv
Die Arbeiten durch den Roboter waren gerade für die Anwohner sehr laut. Foto: Wolters/ Archiv
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Die Fräsarbeiten an den Stadtringbrücken waren für die Anwohner extrem nervig. Jetzt ist es ruhig. Woran liegt das?

Leer - „Über Wochen war es hier so laut, man konnte nicht lüften, geschweige denn im Garten sitzen. Die ganze Woche war es sehr laut. Das kann es ja nicht sein“, sagt Manfred Trotte. Der Leeraner lebt im Schatten des Stadtrings, der derzeit saniert wird.

Was und warum

Darum geht es: Die Arbeiten am Stadtring schreiten voran. Aber es wird nun ruhiger bleiben

Vor allem interessant für: Alle, die wissen wollen, wie es am Stadtring läuft

Deshalb berichten wir: Ein Anwohner beschwerte sich über den Lärm

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

„Der Lärm ist unerträglich. Unsere Nachbarn haben schon ihre Gartenmöbel nach vorne an die Straße geräumt, da es da ruhiger ist“, sagt der Leeraner. Dass es mal eine Woche lang zu lauten Arbeiten komme, dafür habe er Verständnis. Das aber wochenlang an sechs Tagen die Woche lautstark gearbeitet werden müsste, sei „ein Unding“.

Wunsch nach Ruhe

Seine Befürchtung ist, dass erst eine der beiden Brücken des Stadtrings abgearbeitet wurde und nun die zweite anstehe. „Das kann nicht so bleiben“, sagt er. Vor allem, da es lange Tage gewesen seien, an denen dort gebaut wird. Laut Straßenbaubehörde wird am Stadtring wochentags zwischen 7 Uhr morgens und 19 Uhr abends gearbeitet. Der Anwohner will auch sonnabends Baulärm vernommen haben. Nun ist sein Wusch: „Es muss wieder leiser werden“. Wird es auch. Zumindest wird es nicht so laut, wie durch den Roboter.

Als das Ausmaß der Schäden bekannt wurde, mussten die Arbeiten an den Stadtringbrücken pausiert werden. Foto: Wolters/Archiv
Als das Ausmaß der Schäden bekannt wurde, mussten die Arbeiten an den Stadtringbrücken pausiert werden. Foto: Wolters/Archiv

Der Roboter, der dazu eingesetzt wurde, die obersten Schichten auf den beiden Brücken abzufräsen, hat seinen Dienst nun beendet. „An der Brücke, die die B436 über die Große Roßbergstraße und die Schienen führt, werden zurzeit noch kleinere Bereiche von schadhaftem Beton mit dem Hochdruckwasserstrahlverfahren abgetragen“, sagt Markus Dinkela von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich.

Kein Roboter mehr

Diese Arbeiten wurden zunächst automatisiert durch einen Strahlroboter übernommen und sind abgeschlossen. „Nun werden kleinere Bereiche mit Handlanzen nachgearbeitet“, so Dinkela. An der einen Brücke wurden die Strahlarbeiten am Montag abgeschlossen.

„An der Brücke über die Parkstraße dauern diese Arbeiten voraussichtlich bis Mittwoch dieser Woche an“, sagt er. Wie laut genau das ist, könne er nicht sagen, da dies auch von der Härte des abzutragenden Materials abhängig sei. „Es ist aber natürlich schon laut. Ich gehe davon aus, dass die nun folgenden Arbeiten deutlich leiser ausgeführt werden“, sagt er.

Vorteile durch den Roboter

Der Einsatz des Roboters wurde notwendig, da an den Stadtringbrücken schwere Schäden festgestellt wurden, mit denen am Anfang nicht gerechnet wurde. Der Roboter sei vorsichtiger und genauer als es Menschen können. Der Einsatz war zudem schon von Anfang an eingeplant.

Die Behörde geht davon aus, dass der aktuelle Zeitplan eingehalten werden kann. Das bedeutet, bis zum Gallimarkt soll der Stadtring wieder freigegeben werden. Dieser beginnt am 12. Oktober. Die Schäden an den Brücken über die Fabriciusstraße und die Bahnschienen würden bis Oktober eine teilweise Öffnung nicht zulassen.

Lange Sperrung

Deshalb musste die Sperrung um über drei Monate verlängert werden. Eigentlich sollte der Stadtring nämlich nur bis Mitte Juni gesperrt werden. Das musste wegen der Schäden ausgeweitet werden. Bereits im vergangenen Jahr wurde an den Brücken gearbeitet. Von dem Ausmaß der Schäden war man bis vor Kurzem noch überrascht.

Bei den Arbeiten seien Stahl- und Betonteile zutage getreten, die teilweise schon korrodiert seien. „Die Straße ist im Abstand von etwa zwei Metern zu den Radwegen bis auf fünf Zentimeter mit Chloriden belastet“, so Markus Dinkela von der Behörde vor einigen Wochen. Das gelte für beide Brücken. „Es gibt Abschnitte, die sind stärker belastet, einige hingegen gar nicht“, so Dinkela.

Diese beschädigten Bereiche wurden durch den Roboter entfernt und werden nun erneuert. Da diese Arbeiten nicht eingeplant waren, kommt es zu der langen Verzögerung.

Bau wird teurer

„Die Kosten werden sich ebenfalls erhöhen, da diese Arbeiten nicht vorgesehen waren“, sagte Dinkela vor einigen Wochen. Wie viel teurer es wird, konnte er nicht sagen. Zu Anfang der Arbeiten hieß es, dass eine wichtige Abdichtschicht gefehlt habe. So sei es zu den schweren Schäden gekommen. Später wurde jedoch klar, dass diese Schicht mit abgefräst wurde.

„Die Abdichtung, die damals aufgebracht wurde, war eine Lage leimfreies Papier und Gussasphalt. Diese Art der Abdichtung wird schon seit langer Zeit nicht mehr angewendet. Es war damals aber fachgerecht. Beim Fräsen wird eine solche Abdichtung aber mit aufgenommen, so dass es aussieht, als wenn keine Abdichtung vorhanden gewesen wäre“, erklärte Frank Buchholz, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, als das Rätsel gelöst werden konnte.

Verwirrung um Schäden

Auch bei den Fachleuten löste das erst einmal Verwirrung aus. Es wurde geäußert, dass das Fehlen der Abdichtung dafür gesorgt habe, dass Streusalzwasser tief in den Beton eindringen konnte und so für die Schäden gesorgt habe. Nun zeigt sich: Es wurde fachgerecht gearbeitet, aber eben nach dem Standard von vor 70 Jahren.

„Die Brücke wurde 1955 gebaut. Die Herstellerfirma existiert seit Anfang der 2000er Jahre nicht mehr. Die Deckschicht der Brücke wurde zwar in der Zwischenzeit erneuert, es gab aber keine Sanierungsmaßnahmen, die bis auf die Schutzschicht reichten“, so Buchholz.

Ursprünglich war mit Baukosten in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro gerechnet worden. Diese Rechnung ist nicht mehr zu halten. Die Kosten werden von der Bundesrepublik Deutschland getragen. Die Arbeiten gehen nun allerdings wieder voran. Und zur Freude der Anwohner: Es wird wieder ruhiger am Stadtring. „Fleißig sind sie ja schon“, sagt auch Manfred Trotte.

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