Wandel in der Fußgängerzone  Mehr Kommen als Gehen in Aurichs Geschäftswelt

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 09.08.2022 14:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Damit die Welt des Kräuter-Anbieters Violas auch gut zur Geltung kommt, muss Farbe her. Fotos: Ortgies
Damit die Welt des Kräuter-Anbieters Violas auch gut zur Geltung kommt, muss Farbe her. Fotos: Ortgies
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Was tut sich in der Auricher Innenstadt? Die Redaktion hat Leerstände, Wechsel und Neuansiedlungen dokumentiert. Dabei gibt es auch etwas für den Gaumen.

Aurich - Kein weiteres Nagelstudio, keine Fußpflegepraxis. Frank Fangmann hatte präzise Vorstellungen davon, an wen er sein Ladenlokal in der Norderstraße 28 vermieten wollte. Der Auricher Geschäftsmann wollte ein eher ungewöhnliches, aber zugkräftiges Sortiment in seine Immobilie holen. „Etwas Besonderes halt“, sagt Frank Fangmann. Durch Recherchen und mit Unterstützung eines Maklers stieß er auf die Feinkost- und Gewürzkette Violas, die vor 20 Jahren in Hamburg von Viola Fuchs gegründet wurde. Das Franchise-Unternehmen hat im Nordwesten Niederlassungen in Oldenburg und Jever. Zum Sortiment gehören rund 900 Produkte, vor allen Dingen Gewürze und Gewürzmischungen, aber auch Öle, Essig, Nüsse, Trockenfrüchte, Pasta, Reis, Tee und Spirituosen.

Was und warum

Darum geht es: Was hat sich in der Auricher Innenstadt geschäftlich verändert?

Vor allem interessant für: Geschäftstreibende, Citymanager, Kunden

Deshalb berichten wir: Weil der Redaktion aufgefallen ist, wie viel Bewegung in den Läden zu beobachten ist.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

Über den Makler hat Frank Fangmann Kontakt zu Tim Berchner bekommen, der bereits die Viola-Filiale in Jever betreibt und sich jetzt auch in Aurich niederlassen wollte. Der Deal zur Anmietung des 70 Quadratmeter großen Lokals in der Norderstraße war schnell perfekt. Ende August sollen sich dort die Pforten öffnen. „Wir müssen noch einiges wegen des Ladenbaus klären“, sagte Markus Bargemann. Der Sprecher von Violas in Hamburg erläuterte, dass die Franchisenehmer 20 Prozent ihres Ladens mit fremden Produkten bestücken dürfen: „Vielleicht gibt es in Aurich einen schönen Senf, den man mit ins Sortiment aufnimmt, oder etwas Ähnliches.“

Preise für Papier steigen

An Sortimentserweiterung denkt man im Schreibwarengeschäft Wiemers nicht mehr. Der Traditionsbetrieb in der Norderstraße 23 wird noch in diesem Jahr schließen. Er gehört seit Jahren zur Libellus GmbH, die zwölf weitere Filialen im Nordwesen Deutschlands betreibt, unter anderem in Sande, Wilhelmshaven, Syke, Wittmund und Edewecht. Geschäfte mit Papier sind derzeit offenbar heikel. Die Preise für das Material steigen. Naheliegend, dass auf diese Weise Kalkulationen problematisch werden. Das macht auch das Leben von Haluk Alpsü schwer. Der Inhaber der Bücherarche in der Norderstraße 6 hat sein Ladenlokal, das er von der Stadt für zwei Jahre gemietet hat, bereits gekündigt. „Wenn wir einen Nachmieter finden, sind wir bereits in den nächsten Wochen raus“, sagt Andreas Ludwig. Der Bücherarche-Mitarbeiter verweist darauf, dass die Norderstraße für Geschäftsleute kein gutes Pflaster sei. Nach seinem Dafürhalten fehle in diesem Bereich der Fußgängerzone ein Café oder Restaurant. Das würde mehr Kunden in die Geschäfte ziehen. Ein Geschäft zu machen sei in diesen Tagen schwer: „Die ungewisse Zukunft hemmt die Freude daran, Geld auszugeben. In unser Geschäft kommen zwar Touristen, die sind aber beim Konsumieren sehr zurückhaltend“, so Andreas Ludwig.

Das Sortiment von Wiemers ist umfangreich: Außer Schul- und Bürobedarf gibt es dort auch Künstlerfarben.
Das Sortiment von Wiemers ist umfangreich: Außer Schul- und Bürobedarf gibt es dort auch Künstlerfarben.

Zwei Abgänge, ein Zugewinn − so sieht es in der Norderstraße aus. Doch was ist mit Leerständen und Geschäftseröffnungen in der Burgstraße? Dort kehrt zumindest an der Einmündung in die Hafenstraße wieder Leben ein. In der Burgstraße 35 ist ein Geschäftsmann seit Wochen dabei, sein Ladenlokal für den Verkauf von trendigen Textilien einzurichten. Wann er eröffnen will, hat er noch nicht mitgeteilt. Ein weiterer Leerstand in dem angrenzenden Lokal mit der Nummer 37 ist ebenfalls behoben, zumindest für die oberflächliche Optik: Dort hat die Stadt ein Baustellenbüro für die Sanierung der Fußgängerzone eingerichtet. Anmietungen auf begrenzte Zeit liegen offenbar im Trend: Der Pop-up-Store in der Nummer 41 war bereits belegt. Anfang August hat ein Anbieter von Robotern dort eine Woche lang seine Produkte ausgestellt und Kunden beraten.

Die Stadt muss sich für ihr Ladenlokal in der Norderstraße 6 einen neuen Mieter suchen.
Die Stadt muss sich für ihr Ladenlokal in der Norderstraße 6 einen neuen Mieter suchen.

In der Osterstraße wird es voraussichtlich noch eine Weile dauern, bis dort neues Leben einkehrt. Weil ein Investor einige Gebäude in der Mitte der Straße erworben hat und dort einen Neubau beziehungsweise eine Sanierung plant, regiert seit Monaten Stillstand, der auch noch eine Weile andauern wird.

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