Richtfest mit Schnäpsen  Ab Mittwoch kommt das Dach aufs Emder Festspielhaus

| | 09.08.2022 16:27 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Festspielhaus von oben: Es erinnert kaum noch an den vorherigen Bau. Das Foyer des ehemaligen Neuen Theaters wurde vor knapp einem Jahr abgerissen. Foto: Firma Thormählen
Das Festspielhaus von oben: Es erinnert kaum noch an den vorherigen Bau. Das Foyer des ehemaligen Neuen Theaters wurde vor knapp einem Jahr abgerissen. Foto: Firma Thormählen
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Nach alter Tradition wurde am Dienstagnachmittag Richtfest beim neuen Festspielhaus in Emden gefeiert. Und nun kommt das Dach. Auf dem Projekt ruhen viele Hoffnungen.

Emden - Ein bisschen Aberglaube ist beim Bauwesen auch dabei: Damit das neue Festspielhaus am Wall in Emden auch ein voller Erfolg wird, wurde an diesem Dienstagnachmittag Richtfest gefeiert. Nach altem Brauch sagte ein „Zimmermann“ einen Spruch auf und musste drei Gläser Schnaps trinken. Der „Zimmermann“ ist Christoph von Minden, Bauingenieur von dem zuständigen Dachdecker-Betrieb Uwe Thormählen aus Elsfleth.

Was und warum

Darum geht es: Das Festspielhaus am Wall in Emden nimmt deutlich Kontur an. Ab Mittwoch kommt das Dach.

Vor allem interessant für: Theater-, Konzert- und Kino-Interessierte

Deshalb berichten wir: An diesem Dienstag war das Richtfest beim Festspielhaus am Wall. Wir haben uns das vor Ort angeschaut, um über den aktuellen Baufortschritt zu berichten.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

„Das Richtfest ist schon relativ selten geworden“, sagte er nach dem feierlichen Akt auf dem Balkon im ersten Stockwerk des Kulturhauses. Und: Wenn es Privatleute noch veranstalteten, dann werde eindeutig mehr getrunken. „Wir halten die Tradition ein“, sagte Kerstin Rogge-Mönchmeyer, Chefin des städtischen Betriebs Kulturevents. Ab diesen Mittwoch kommt das Dach auf das mit hohen Säulen geradezu griechisch anmutende Foyer des Festspielhauses.

Christoph von Minden als „Zimmermann" und Kerstin Rogge-Mönchmeyer, Chefin von Kulturevents Emden. Foto: Hanssen
Christoph von Minden als „Zimmermann" und Kerstin Rogge-Mönchmeyer, Chefin von Kulturevents Emden. Foto: Hanssen

Immer wieder „Zittern“ nach Baubesprechungen

Dass das klappt, ist nicht selbstverständlich, machte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) in seiner Ansprache vor Ort deutlich. Jeden Donnerstag gebe es eine Baubesprechung und er habe jedes Mal danach „mit Zittern“ auf den Anruf von Rogge-Mönchmeyer gewartet, welche Bauteile dieses Mal nicht lieferbar, welche Arbeiten anders geplant werden müssten. Die Lieferschwierigkeiten durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine seien eine Herausforderung. Mitten in der Holzkrise habe man beispielsweise eigentlich die Leimbinder für das Dach aus Russland gebraucht. „Das mussten wir noch mal umplanen“, sagte er. Das Spannende bei allen Herausforderungen sei aber gewesen, dass Kerstin Rogge-Mönchmeyer „immer eine Lösung parat“ hatte, so Kruithoff.

Zu beiden Seiten des Foyers führen Treppen auf den Balkon im ersten Stockwerk. Foto: Hanssen
Zu beiden Seiten des Foyers führen Treppen auf den Balkon im ersten Stockwerk. Foto: Hanssen

Zur richtigen Zeit habe man das Wagnis Theater-Sanierung angepackt. Das Projekt in so einer Phase umzusetzen, habe von den Beteiligten aber auch Mut gefordert und sei nicht immer ohne Kritik auch aus Richtung der städtischen Politik verlaufen. Ob es nicht andere wichtigere Dinge in Emden gebe, in die das Geld fließen sollte, erwähnte Kruithoff einen der Kritikpunkte. „Hätten wir das alles im Voraus gewusst, weiß ich nicht, ob wir uns getraut hätten“, sagte er mit Blick auf die vielen unerwarteten Herausforderungen durch Pandemie und Krieg.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Emder Politik und Kultur kamen zum Richtfest. Foto: Hanssen
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Emder Politik und Kultur kamen zum Richtfest. Foto: Hanssen

Kulturhaus soll Umzug nach Emden attraktiver machen

Im Nordwesten soll das Festspielhaus mit allen anderen Kulturhäusern der Art mithalten können – wenn nicht gar mehr Möglichkeiten bieten, meinte er. Von klassischen Konzerten und Theatervorstellungen, über Kinderveranstaltungen mit speziell niedrigeren Stuhllehnen für die kleinen Zuschauer, zum Kino-Erlebnis und zur Event-Location für das Internationale Filmfest Emden/Norderney, bis hin zum Studiotheater mit kleinen Tischen und Stühlen vorne an der Bühne: Die Bandbreite des Hauses solle „unendlich groß und vielfältig“ werden und das Kulturprogramm der Stadt „deutlich bereichern“, sagte der Oberbürgermeister.

Ein Trompeten-Quartett war auf der Baustelle ins Richtfest eingebunden. Foto: Hanssen
Ein Trompeten-Quartett war auf der Baustelle ins Richtfest eingebunden. Foto: Hanssen

Das Festspielhaus solle insgesamt ein „wichtiges Puzzleteil werden, um die Stadt Emden noch attraktiver und zukunftsfähiger“. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels könnten ein solches Haus und ein solches Kulturangebot eines von zahlreichen Argumenten für den Zuzug sein. Für – Stand jetzt – rund 4,7 Millionen Euro wird seit dem vergangenen Sommer das ehemalige Neue Theater revitalisiert. Dafür wurde das komplette alte Foyer abgerissen. Ein großes luftiges entsteht neu. Auch der hintere Saal bekommt ein neues Dach und wird nach den neuesten Energie-Standards saniert. Voraussichtlich am 24. März kommenden Jahres soll das Festspielhaus am Wall eröffnen.

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