Verstopfte Schornsteine Wenn Vögel zu Brandstiftern werden
Kurz bevor man seinen Kamin wieder anfeuern will, sollte man dringend ein Auge auf seinen Schornstein haben. Schornsteinfeger und Feuerwehr erklären, warum.
Wiesmoor - Wenn ein Vogel sein Nest baut, hat das für viele Menschen etwas Romantisch-idyllisches. Es kann allerdings im wahrsten Sinne des Wortes auch brandgefährlich sein. Zum Beispiel, wenn der gefiederte Genosse sein neues Eigenheim in einem Schornstein errichtet.
Was und warum
Darum geht es: Hat man seinen Schornstein nicht unter Kontrolle, kann schnell der Ofen aus sein. Oder Schlimmeres passieren.
Vor allem interessant für: Besitzer und Nutzer von Kaminen, Kaminöfen und alten Gasheizungen
Deshalb berichten wir: Die Einsatzmeldung aus Marcardsmoor hatte uns aufhorchen lassen. Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de
Dohlen lieben Schornsteine
In dem Haus in Marcardsmoor waren vermutlich Dohlen am Werk. „Dohlen sind Höhlenbrüter“, sagt Huhne. „Schornsteine bieten ihnen ideale Bedingungen für ein Nest.“ Die Vögel lassen dazu Äste und Zweige in den Schornstein fallen, bis die sich irgendwo verhaken. „Dohlen sind fleißig und arbeiten gemeinschaftlich“, so Huhne. „Innerhalb einer Stunde kann der Schornstein schon zu sein.“
Die Folge ist, dass der Rauch nicht mehr durch den Schornstein abziehen kann und etwa durch den Revisionsschacht ins Innere des Hauses gelangen kann. „Bei Kaminöfen verläuft das meist relativ glimpflich“, sagt Huhne. „Denn wenn es zu stark qualmt, macht man den Kamin wieder aus und lüftet durch. Gefährlich kann es aber bei alten Gasheizungen werden. Die laufen einfach weiter und das Abgas sucht sich einen Weg ins Gebäudeinnere. Dort steigt der Kohlenmonoxid-Gehalt in der Luft an, was zunächst zu Kopfschmerzen und schließlich zum Tod führt.“
Gitter hält die Vögel fern
Das Problem: „Ein Nest entdecken die Kunden nur selten selbst“, so Huhne. „Häufiger passiert es, dass sie vom Nachbarn einen Tipp bekommen, weil der öfter Dohlen auf dem Schornstein gesehen hat.“ In so einem Fall sollte sofort der Schornsteinfeger verständigt werden. Er kann das Nest sofort entfernen. Auch ein Wespennest hat Huhne schon einmal in einem Schornstein entdeckt. „Da empfiehlt es sich zu warten, bis die Wespen im Herbst aus dem Nest sind, dann kann man es ganz einfach entfernen“, sagt er.
Man kann die Vögel aber auch von vornherein daran hindern, sich im Rauchabzug häuslich einzurichten. Dazu muss man nur ein Gitter auf den Schornstein legen. „Wir Schornsteinfeger bieten dafür spezielle verzinkte Gitter an“, erklärt Huhne. „Es funktioniert aber im Prinzip auch mit einem Grillrost. Es sollte nur nicht zu engmaschig sein. Bei Vogeldraht etwa kann sich in den feinen Maschen Ruß absetzen und seinerseits den Abzug verstopfen.“
Sofort die Feuerwehr rufen
Ruß ist außerdem ein Risikofaktor für Schornsteinbrände. „Vor allem, wenn man zu feuchtes, nicht genug abgelagertes Holz verbrennt, bildet sich der sogenannte Glanzruß“, sagt Huhne. „Der verklumpt und kann sich schließlich entzünden. Im Schornstein können dann Temperaturen bis zu 1200 Grad Celsius entstehen. Wenn dann auf dem Dachboden etwas Leichtentzündliches an genau der Wand steht, kann aus dem Schornsteinbrand schnell auch ein Dachstuhlbrand werden.“
Das kann Jan-Marco Bienhoff, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Wiesmoor, bestätigen. „In der Regel ist ein Schornsteinbrand relativ leicht zu kontrollieren“, sagt er. „Die Glut, die im Schornstein festsitzt, kann vom Schornsteinfeger meist mit einem Werkzeug gelöst und über den Revisionsschacht entfernt werden. Es kann aber auch komplett eskalieren. Vor 15 bis 20 Jahren hatten wir mal einen Schornsteinbrand, durch den auch ein ganzes Nebengebäude in Flammen aufging.“ Deshalb sollte man bei Auffälligkeiten sofort die Feuerwehr verständigen, rät Bienhoff.
Kaminöfen werden oft falsch bedient
Viel Ruß entsteht vor allem bei falscher Bedienung des Ofens. „Heutige Kaminöfen sind von der Konstruktion her ganz anders als die alten Öfen, die früher in den Häusern standen“, erklärt Huhne. „Da muss man sich intensiv mit der Bedienungsanleitung beschäftigen.“
Vor allem ältere Kunden befeuerten ihre Öfen aber oft, wie sie es immer gewohnt seien. „Da werden dann etwa Briketts in Zeitungspapier gewickelt, damit die Glut sich über Nacht hält und man den Kamin am nächsten Tag nicht neu anzünden muss“, so Huhne. „Ich hatte auch schon Kunden, die alte Kartoffelschalen mit verbrannt haben, weil der Schornstein dadurch sauber werden soll. Etwa zehn Prozent meiner Kunden muss ich jedes Jahr belehren, wie sie den Ofen richtig betreiben.“
Gaskrise befeuert Kaminnutzung zusätzlich
Angesichts der gegenwärtigen Gaskrise rechnet der Schornsteinfegermeister zudem damit, dass viele Menschen ihre Kaminöfen in der kommenden Heizperiode deutlich öfter nutzen werden, um Gas zu sparen. „Dann sollte auch der Schornsteinfeger öfter kommen“, betont Huhne. „Grundsätzlich wird bei Kaminöfen zweimal im Jahr gereinigt. Wenn man den Ofen aber statt nur sonntags plötzlich täglich nutzt, lagert sich natürlich auch mehr Ruß als vorher ab, egal, wie sauber das Holz abbrennt.“
Auch in Marcardsmoor wurde der Rauch durch mangelnde Wartung und Bedienungsfehler begünstigt. „Der Ofen dort war in drei Jahren nicht gereinigt worden“, so Huhne. „Zum Anzünden war der Brennraum vollgestapelt mit Holz und darunter war Zeitungspapier zum Anzünden gestopft“, sagt Huhne. „So kann keine Luft im Brennraum zirkulieren.“ Wichtig sei, den Kaminofen mit offener Flamme zu betreiben. „Eigentlich wollen die Leute doch auch das lodernde Kaminfeuer sehen, dafür ist die Tür doch verglast“, so Huhne.