Hindernisse beim Bau Was beim Wunsch nach einem Eigenheim auf einen zukommt
Nicht nur Gutachten können Bauprojekte verzögern, sondern auch der Mangel an Handwerkern. Dazu kommen steigende Preise. Wie geht es in Zukunft weiter?
Ostfriesland - Wer bauen möchte, muss vieles beachten und viel Geld investieren. Zudem kann der Traum vom Eigenheim durch unterschiedliche Faktoren ausgebremst werden. Neben anstehenden Gutachten zählen der Mangel an Bauarbeitern und -material dazu. Aber auch für Kredite muss man wieder höhere Zinsen bezahlen, was sie immer unerschwinglicher werden lässt. Zumal aufgrund des Krieges in der Ukraine auch noch höhere Strom-, Gas-, Treibstoff- und andere Kosten dazukommen. Muss man nun den Kopf hängen lassen? Worauf sollte man achten?
Was und warum
Darum geht es: um die derzeitigen Probleme im Baugewerbe und um Frage, wie es weitergeht
Vor allem interessant für: Hausbauer
Deshalb berichten wir: Überall gibt es derzeit Probleme beim Bau neuer Immobilien, wir haben diese, die Prognosen und Lösungsansätze zusammengefasst. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Was die teurer werdenden Kredite angeht, so beschreibt Prof. Dr. Wolfgang Portisch von der Hochschule Emden/Leer dies als die richtige Entwicklung. Zu tun haben sie laut dem Wirtschafts-Experten mit dem Leitzins, den die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli erstmals seit elf Jahren angehoben hat. Von Null auf einen halben Prozentpunkt. Der Leitzins dient als Richtschnur und wenn er steigt, dann beispielsweise auch die Zinssätze für Kredite. Davon profitieren auch Sparer. Zwar bringt ihnen das jetzt erst einmal nicht viel und es gibt weniger Familien, die sich noch ein Haus leisten können. Die sinkende Nachfrage danach werde allerdings auch dazu führen, dass die Immobilienpreise in den nächsten Jahren wieder sinken. Gleichzeitig gehe die Inflation als Ganzes langsam zurück. Portisch empfiehlt also, beim Hausbau noch etwas abzuwarten.
Bis zu 250.000 offene Stellen
Lange habe die Zentralbank auf die Anhebung des Leitzinses verzichtet – vermutlich aus Rücksicht auf hochverschuldete Länder in der EU. Durch die Null Prozent sollte die Wirtschaft belebt werden. Gleichzeitig reduzierte sich mit der Zinslast für Staatsanleihen die Verschuldung von zum Beispiel Griechenland. Es wurde dann aber auch mehr gebaut, was zu steigender Rohstoff-Knappheit führte. Während der Leitzins in der EU um einen halben Prozentpunkt angehoben wurde, geht beispielsweise die US-Notenbank sogar noch härter gegen die Inflation vor. Sie hat den Zinssatz in diesem Jahr vier Mal erhöht, zuletzt um 0,75 Prozent. Ein bisschen Inflation ist laut Portisch aber gut und eine Rate von etwa zwei Prozent strebe die EZB sogar an. Dadurch können Firmen wachsen, weil es für sie immer attraktiver wird, zu produzieren. Auch die Löhne steigen dadurch am Ende.
Wer gerade jetzt bauen will, der bekommt es aber nicht nur mit höheren Kosten, sondern auch mit dem Mangel an Baumaterial und Handwerkern zu tun. Zwar teilte die Handwerkskammer (HWK) für Ostfriesland Ende März mit, dass zumindest im vergangenen Jahr wieder mehr junge Menschen eine Lehre begannen, was sie auch auf Förderprogramme zurückführte. Gleichzeitig hieß es im vergangenen Monat aber auch, dass Deutschlands Handwerksbetriebe insgesamt 150.000 offene Stellen verzeichnen. Aufgrund einer hohen Dunkelziffer könnten es sogar 250.000 sein, so der Zentralverband des Deutschen Handwerks.
Klimawandel sorgt für mehr Aufträge
Um etwas gegen den Nachwuchsmangel zu unternehmen, schlug der Deutsche Gewerkschaftsbund kürzlich eine flächendeckende Schaffung von günstigen Azubi-Wohnungen vor. Bereits in ihrem Koalitionsvertrag hatten die Ampel-Parteien so ein Bund-Länder-Programm vereinbart, das jungen Menschen wie Azubis und Studenten helfen soll. Laut Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) soll es Anfang des nächsten Jahres an den Start gehen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer geht das noch nicht weit genug. Es müsse mehr unternommen werden, um Berufsausbildungen attraktiver zu machen, fordert er.
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Ein Problem, was gerade den Handwerkermangel weiter verschärft, ist die Anpassung von Gebäuden an den Klimawandel und an die Demografie. Immer mehr Häuser sollen seniorengerecht umgebaut werden, es werden Solaranlagen, Wärmepumpen und energetische Sanierungen gewünscht und vom Staat gefördert. „So eine Situation habe ich noch nicht erlebt“, sagte kürzlich Albert Lienemann unserer Zeitung. Auch sein eigenes Unternehmen – ein Heizungs- und Wasserinstallateurbetrieb – werde mit Aufträgen nur so überrannt, so der Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland.