Freilufttheater „Dat Rettungshuus“ Wie ein Fehntjer Pastor für die Armen stritt
Am 19. August hat das Freilufttheaterstück „Dat Rettungshuus“ in Mittegroßefehn Premiere. Wir haben die Proben besucht.
Mittegroßefehn - Inmitten des hektischen Treibens zu ihren Füßen wirkt die Kirche in Mittegroßefehn in diesen Tagen noch etwas größer als sonst. Lkw und Transporter stehen in den Zufahrten, aus ihnen werden Mobiliar, Geräte und Material ausgeladen und auf dem Kirchhof aufgebaut. Dort steht bereits eine Tribüne mit etwa 500 Plätzen. Die könnten, so der erste Eindruck, allein schon mit den freiwilligen Helfern voll besetzt werden, die hier mit anpacken.
Ab dem kommenden Freitag, 19. August, wird hier das Theaterstück „Dat Rettungshuus“ von Andrea Henkelmann aufgeführt. Das Stück beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken des Pastors Johann Heinrich Leiner (1830-1868) und dessen Einsatz für die Armen und vor allem die Kinder.
Richtungweisendes soziales Engagement
Leiner wurde 1852 der erste Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Mittegroßefehn, die damals noch keine Kirche besaß. Deren Bau 1855 bis 1857 mit finanzieller Unterstützung des Königs Georg V. von Hannover ist vor allem auf seinen Einsatz zurückzuführen. 1864 gründete Leiner in Mittegroßefehn ein Armenhaus. In einem Aufruf bat er die Gemeinden in Ostfriesland, verwahrloste Kinder zu ihm zu senden, die im Armenhaus mit betreut werden sollten. Nachdem er festgestellt hatte, dass sich die Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern nicht in Einklang bringen ließen, plante er ein eigenes „Rettungshuus“ für Kinder. Dafür legte er im Mai 1868 den Grundstein, die Fertigstellung erlebte er selbst nicht mehr. Sein soziales Engagement war für seine Zeit herausragend und richtungsweisend für die Gründung des Leinerstifts. Die Kirche in Mittegroßefehn ist heute nach ihm benannt.
Andrea Henkelmanns Stück setzt dort ein, wo Leiner nach Mittegroßefehn kommt, und endet mit der Eröffnung des „Rettungshuus“ nach seinem Tod. „Bei seiner Darstellung habe ich mich an die Aspekte gehalten, die aus seinem Leben bekannt sind“, sagt Henkelmann. Darin fließt eine fiktive Handlung um eine nicht standesgemäße Liebesbeziehung ein. Intrigen und Standesdünkel bestimmen den Handlungsstrang. „Mittegroßefehn war ja eher wohlhabend“, erklärt Henkelmann dazu. „Das Rettungshaus steht dort, weil Leiner dort auch wohlhabende und einflussreiche Unterstützer fand.“
Idee kam eher zufällig
Die Idee für das Stück kam Henkelmann vor drei Jahren eher durch Zufall. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich recherchieren wollte, als ich wieder auf Leiner stieß“, sagt die 49-Jährige, die selbst aus „Mitte“ stammt. „Ich kannte die Geschichte zwar schon vorher, hatte mich dann aber noch mal darin vertieft und dachte dann schnell, das wäre ein ganzes Theaterstück wert. ‚Wenn du mal alt bist, schreibst du das‘, sagte ich mir. Und dann kam Corona, und ich hatte viel Zeit.“
Etwa ein Jahr schrieb Henkelmann an dem Stück, vor rund einem Jahr begann die Umsetzung. Im Vordergrund stand für die Autorin das Anliegen, Leiner und sein Wirken noch einmal stärker ins historische Gedächtnis zu rücken. „Mit seiner Idee wollte er neue, andere und moderne Wege gehen“, sagt Henkelmann. „Das hat mich beeindruckt. Vor allem, weil er damit sicher nicht nur auf Begeisterung gestoßen ist. Für mich passt das irgendwie zu Mitte. Und vielleicht ist es damit auch eine kleine Liebeserklärung an unser Dorf.“
Premiere für „Dat Rettungshuus“ ist am Freitag, 19. August, um 20 Uhr auf dem Kirchhof der Kirche Mittegroßefehn. Weitere Aufführungen sind am 20., 21., 24., 26., 27. und 31. August sowie am 2. und 3. September jeweils um 20 Uhr. Außerdem gibt es eine Sonntagsaufführung am 28. August um 15 Uhr. Karten kosten 18 Euro und sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen, im Landhaus Feyen oder im Internet unter www.dorfverein-mitte.de erhältlich.