Osnabrück  Blutspendedienste melden Personalausfälle und knappe Reserven

Julia Wessling
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Von Julia Wessling
| 15.08.2022 13:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Blutspenden rettet Leben. Nach dem bisher massiven Einbruch an Blutspenden müssen nun weitere Termine abgesagt werden. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd (Symbolbild)
Blutspenden rettet Leben. Nach dem bisher massiven Einbruch an Blutspenden müssen nun weitere Termine abgesagt werden. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd (Symbolbild)
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Das Deutsche Rote Kreuz beklagt flächendeckende Personalengpässe im Blutspendedienst. Deshalb werden im gesamten Landesgebiet Niedersachsen Blutspendetermine abgesagt. Der Vorrat an Blutreserven wird knapper. Welchen Beitrag können die Bürgerinnen und Bürger leisten?

Nachdem das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Vergangenheit massive Einbrüche an Blutspenden aufgrund der Corona Pandemie beklagt hatte, bleibt die Lage bei dem Vorrat an Blutkonserven weiterhin angespannt. Grund dafür ist neben dem anhaltenden Mangel an Spendern, dass es an hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des DRKs hadert, erklärt Jürgen Engelhard, Regionalleiter des DRK-Blutspendediensts NSTOB für Niedersachsen und Bremen.

Oswin Remmers der Teamleiter des Zentralinstituts Springe des NSTOB erzählt, dass es zum einen durch die Urlaubszeit und zum anderen wegen Krankheitsfällen zu einer knapperen Personalbesetzung kommt. Eine kritische Zahl an Ausfällen beim Blutspendedienst entsteht dabei durch an Corona erkrankte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sobald sich ein Teammitglied mit dem Virus infiziert, ist das Unternehmen gezwungen, dem gesamten Arbeitsteam eine Quarantäne anzuordnen, erklärt Regionalleiter Jürgen Engelhard. Dies führe zu einem vergleichsweise starken Personalengpass, zu ein bis zwei Absagen von Blutspendeterminen am Tag innerhalb von Niedersachsen und Bremen und zu einem unterdurchschnittlichen Vorrat an Blutkonserven - mit sinkender Tendenz.

Auch die Gesellschaft für transfusionsmedizinische Dienste (TMD) in Osnabrück klagt über fehlendes Personal. „Manchmal haben wir am Nachmittag keinen Arzt mehr, weshalb wir keine Termine zum Spenden mehr anbieten können“, berichtet Andreas Schwarz. Die alltagsuntaugliche Terminierung der Schichten, Arbeiten am Samstag und zu niedrige Löhne seien - abgesehen von der aktuellen Urlaubszeit - Gründe für die knappe Besetzung des Blut- und Plasmaspendedienstes.

„Die Anzahl an Spendern ist schwankend“, teilt Jürgen Engelhard mit. Durch das Corona-Antikörpertest-Angebot konnten wieder deutlich mehr Spenderinnen und Spender vom DRK-Blutspendedienst NSTOB mobilisiert werden. Mit dem Ende der Rekrutierungsaktion und dem Start der Urlaubszeit ist die Anzahl an Freiwilligen zur Blutentnahme jedoch rückläufig. „Zu den Terminen, die derzeit stattfinden können, kommen 10 Prozent weniger Spender als wir erwarten“, beklagt der Regionalleiter des DRK-Blutspendediensts NSTOB. Besonders gering sei der Anteil an Blutspenden in der jungen Bevölkerung und den unter 40-Jährigen.

Anders sieht es beim Plasma- und Blutspendedienst des TMDs momentan aus: Besonders von jungen Menschen und Studierenden wird das Zentrum am Kollegienwall gut besucht. Alexander Schwarz teilt mit, dass sie teilweise bis zu 100 Spendenannahmen an einem Tag generieren. Ob die finanzielle Aufwandsentschädigung an Blut- und Plasmaspender eine Rolle für die vergleichsweise hohe Anzahl an jungen Freiwilligen zur Blutentnahme spielt, lasse sich schlecht einschätzen.

Was der Gebietsreferentin des DRK Blutspendedienst Springe Monika Gerdes - übergeordnet zuständig für die Stadt Osnabrück und Umgebung - klar ist: Es braucht mehr attraktive Anreize für die Blutspende. So freute sie sich vergangenen Donnerstag (11. August) über eine überdurchschnittlich gut besuchte Blutspendeaktion. 60 Freiwillige wurden erwartet, insgesamt haben sich 82 Spender trotz der hohen Temperaturen im St. Joseph Pfarramt in Osnabrück zu einer Blutspende bereit erklärt. Als Dank gab es im Anschluss der Blutabnahme eine kostenlose Pizza.

„Ein fünf bis sechs Tage Vorrat an Blutreserven sollte erreicht werden. Im Moment liegen wir aber bei drei bis vier Tagen - Tendenz sinkend“, bedauert Jürgen Engelhard. Er ruft besonders junge Menschen dazu auf, mehr Angebote des DRK Blutspendedienstes wahrzunehmen. Auf www.blutspende-leben.de können Informationen zum digitalen Spenderservice und der Blutspende-App gefunden werden und so zum Beispiel Termine für eine Blutspende im Vorfeld gebucht werden. „Dies reduziert Wartezeiten und macht die Veranstaltung für das Team planbarer“, so der Regionalleiter.

Die Gebietsreferentin des Blutspendediensts Springe Monika Gerdes betont zudem noch, dass „händeringend Leute im Ehrenamt gesucht werden!“ Die ehrenamtliche Helferin Annegret Fieselmann unterstreicht, dass sie die Arbeit gerne macht: „Alle Menschen, die herkommen sind nett. Das macht dann einfach Spaß hier zu sein. Dennoch brauchen wir mehr Kräfte im Ehrenamt. Es ist für einen guten Zweck, es ist für uns alle! Wir wissen nie, ob wir das Blut mal selber brauchen.“

Falls ein Ehrenamt für Sie in Frage kommt, können Sie auf der Website des DRK Stadtverbands Osnabrück alle weiteren Informationen und Kontakte finden.

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