Energiekrise in Emden In Schulen und Kitas soll es im Winter nicht kälter werden
Dem Vernehmen nach will Emden bei der Straßenbeleuchtung viel Energie einsparen. Auch Öffnungszeiten des Landesmuseums und der Friesentherme stehen zur Disposition.
Emden - Einen Tag nach einer vertraulichen Sondersitzung von Rat und Verwaltung sind am Dienstag weitere Einzelheiten darüber bekannt gewordener, wie und wo die Stadt Emden in der kalten Jahreszeit und darüber hinaus Energie einsparen will.
Was und warum
Darum geht es: die geplanten Energiesparmaßnahmen der Stadt Emden
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie diejenigen, die sich regelmäßig in der Stadt aufhalten
Deshalb berichten wir: Die Vorschläge der Stadtverwaltung für Energiesparmaßnahmen liegen auf dem Tisch, werden aber noch vertraulich behandelt. Einige Einzelheiten sind aber schon durchgesickert. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Chefetage des Rathauses hatte dem Verwaltungsausschuss - das ist nach dem Rat das wichtigste politische Gremium der Stadt - am Montag Vorschläge unterbreitet, die ein Krisenstab aus der Stadtverwaltung und den Stadtwerken erarbeitet hatte. Als Ziel hatte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) am Montag nach der Sitzung dieser Zeitung genannt, 15 bis 20 Prozent beim Verbrauch von Strom und Gas einzusparen. Darin sind sich Politik und Verwaltung offenbar einig. Kruithoff betonte zugleich, dass „mit Augenmaß“ gehandelt werden soll und man den Menschen nur das zumuten wolle, „was zumutbar ist“.
Straßenlaternen sollen nachts ausgehen
Spürbare Einschränkungen könnte es bei der Straßenbeleuchtung geben. Nach Informationen dieser Zeitung wird darüber gesprochen, die Straßenlaternen fast im gesamten Stadtgebiet zwischen 23 und 5 Uhr abzustellen und in dieser Zeit nur noch wichtige Kreuzungen und Ampeln zu beleuchten.
Vom Tisch sind hingegen offenbar Überlegungen, die Raum- und Wassertemperaturen in den Schulen und Kitas zu reduzieren, weil, wie es heißt, die Kinder und Jugendlichen unter den Folgen der Corona-Pandemie genug gelitten hätten. Erwogen werden aber kürzere Öffnungszeiten für die Sauna der Friesentherme ebenso wie für das Ostfriesische Landesmuseum, das nur noch donnerstags bis sonntags für Besucherinnen und Besucher zugänglich werden könnte. Auch die Wassertemperatur im Badebereich der Friesentherme steht wohl zur Disposition.
Das sagt die SPD-Fraktion
Jetzt werden zunächst die Fraktionen und Gruppen über die Maßnahmen beraten und möglicherweise auch durch eigene Vorschläge ergänzen. Das Konzept der Stadt sei am Montag „lange und teils kontrovers“ diskutiert werden, sagte die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Maria Winter, dieser Zeitung. Ihre Fraktion werde sich nach den Sommerferien intensiv damit befassen. „Inwieweit die Vorschläge der Verwaltung zielführend oder nur Populismus sind, bleibt abzuwarten“, so Winter.
Das sagt die CDU-Fraktion
„Wir sind im Grundsatz dafür, die von der Verwaltung unterbreiteten Vorschläge in Angriff zu nehmen, möglicherweis noch anzupassen und zu testen“, sagte CDU-Fraktionschef Gerold Verlee. Aber unabhängig von den Einzelvorschlägen sei für die Union eine Priorisierung der Maßnahmen „viel wichtiger“. Das hieße, das insbesondere beim Gasverbrauch angesichts des drohenden Mangels gespart werden müsse, also in erster Linie bei der Wärme und weniger beim Strom.
Das sagt die Gruppe Grüne feat. Urmel
Die Gruppe Grüne feat. Urmel hatte bereits eigene Vorschläge öffentlich genannt. Ein Teil davon fände sich in den Vorschlägen der Verwaltung wieder, schrieb Gruppenmitglied Bernd Renken (Grüne) dieser Zeitung. Seiner Gruppe fehle bei den meisten Maßnahmen zur Abwehr einer Gasmangellage noch Angaben, wie viel Energie - vor allem Gas - damit voraussichtlich eingespart werden kann. Kruithoff hatte dieser Zeitung gegenüber am Montag bestätigt, dass die Verwaltung diese Informationen bereitstellen werde.
Er habe „noch Zweifel“, damit die erforderlichen 15 bis 20 Prozent zu erreichen, so Renken. Und weiter: „Hier müssen Daten geliefert werden und das Maßnahmenpaket gegebenenfalls weiter geschärft werden.“ Das wäre zwar „bitter“, er sei aber überzeugt davon, dass es auch dafür das notwendige Verständnis bei den Emderinnen und Emdern angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine geben wird.
Das sagt die FDP-Fraktion
Die FDP im Rat setzt hingegen stärker auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürgerinnen. Sie würde „zu automatischen Einsparungen führen“, schrieb Fraktionsmitglied Friedrich Busch dieser Zeitung. Dem Liberalen zufolge sollten „Denkanstöße in Form von fachlich geeigneten Maßnehmen auch mit der Bevölkerung kommuniziert werden. Das Einsparungspotenzial in den öffentlichen Gebäuden sei von der Verwaltung und insbesondere vom städtischen Bau- und Entsorgungsbetrieb schon „angemessen aufgelistet worden.
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