Neues Schuljahr startet bald  Nur Urlaub? Was Lehrer in den Sommerferien wirklich machen

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 17.08.2022 18:32 Uhr | 7 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Ende eines Schuljahres stehen für Schülerinnen und Schüler Ferien an. Für die Lehrkräfte hört die Arbeit damit aber nicht auf. Foto: Bein/dpa
Am Ende eines Schuljahres stehen für Schülerinnen und Schüler Ferien an. Für die Lehrkräfte hört die Arbeit damit aber nicht auf. Foto: Bein/dpa
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Sechs Wochen Urlaub am Stück – das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Einige Menschen denken, Lehrkräfte hätten in den Sommerferien dieses Glück. Aber diese Annahme ist weit gefehlt.

Ostfriesland - Sommerferien bedeuten für viele Menschen: ab in den Urlaub. Gefühlt ist dieser aber immer viel zu schnell wieder vorbei. „Lehrer müsste man sein. Die haben ja die ganzen sechs Wochen frei“, denkt sich da vielleicht der ein oder andere. Dass Lehrerinnen und Lehrer in dieser Zeit aber nicht nur auf der faulen Haut liegen können, ist einigen Menschen nicht klar.

Was und warum

Darum geht es: Lehrkräfte machen, anders als viele Menschen denken, in den Ferien nicht nur Urlaub. Während sie den Unterricht für das neue Schuljahr planen, hat auch die Verwaltung alle Hände voll zu tun.

Vor allem interessant für: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und alle, die wissen wollen, was Lehrerinnen und Lehrer im Sommer machen

Deshalb berichten wir: Die Sommerferien sind bald vorbei. Wir wollten wissen, wie Lehrerinnen und Lehrer sie verbracht haben

Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de

„Sommerferien sind für Lehrerinnen und Lehrer nicht gleichbedeutend mit Urlaub. Es ist lediglich unterrichtsfreie Zeit“, stellt Wencke Hlynsdóttir klar. Sie ist kommissarische Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Weser-Ems. Das heißt: Es muss auch dann gearbeitet werden. Gerade die kürzeren Ferien, wie zu Ostern oder im Herbst, verbrächten die Lehrkräfte vor allem mit der Korrektur von Klausuren. Im Sommer dagegen gebe es diese Korrekturzeit nicht. „Da stehen schon alle Zensuren fest“, erklärt Hlynsdóttir. Dennoch stünde eine Menge anderer Arbeiten an.

Organisation und Planung

Fortbildungen, Studienreisen und Workshops fänden in aller Regel in den Sommerferien statt. „Das sollte man als Lehrkraft auch wahrnehmen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Aber natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die das weniger tun“, sagt sie. Hinzu kämen noch organisatorische Arbeiten, die man im Schuljahr neben dem Unterricht nicht mehr schaffe. Datenschutz sei ein großes Thema. Im Sommer müssten alle Dokumente, die sich angesammelt haben, durchgeguckt und das aussortiert werden, was die Lehrkräfte nicht mehr auf dem Rechner haben dürfen. „Denn da gibt es durchaus Fristen, bis wann etwas gelöscht sein muss –beispielsweise alte Klassenlisten. Das ist ein sehr großer Aufwand. Da würde ich lieber drei Mal eine Steuererklärung machen“, sagt Hlynsdóttir. Natürlich müsse aber auch das kommende Schuljahr geplant werden. „Man muss neue Unterrichtseinheiten konzipieren und der Gedanke, was dazu passen könnte, ist ständig präsent. Und plant man eine Exkursion, muss man sich die Orte natürlich vorher angucken, ob sie auch wirklich geeignet sind“, so die Bezirksvorsitzende der GEW Weser-Ems.

Trotz allem müssen auch Lehrer irgendwann mal frei haben, weiß Stefan Störmer, Landesvorsitzender der GEW Niedersachsen. „Es ist wichtig, auch mal herauszukommen. In den Osterferien fahre ich deshalb beispielsweise auch gerne ein paar Tage auf eine Ostfriesische Insel, um von dort zu arbeiten“, sagt der Leeraner. Abgesehen davon, hätten natürlich auch Lehrkräfte Urlaubsanspruch. „Laut Niedersächsischem Beamtenrecht sind das 30 Tage. Und in der Regel wird sich ein Großteil davon in den Sommerferien genommen. Denn da ist man in der Zeiteinteilung noch am freisten“, erklärt Störmer. Es sei wichtig, sich von diesem anspruchsvollen Beruf auch mal Erholung zu gönnen, um guten Unterricht machen zu können.

Verwaltung läuft normal weiter

Auch wenn viele Vorbereitungen für das neue Schuljahr aus dem heimischen Büro heraus getroffen werden können, gänzlich leergefegt sind die Schulen in den Ferien nicht. „In den ersten und letzten beiden Ferienwochen geht der Verwaltungsbetrieb ganz normal weiter. Am meisten ist aber in der ersten und der letzten Woche los“, sagt der Schulleiter vom Auricher Gymnasium Ulricianum, Rüdiger Musolf. So müssten beispielsweise in der ersten Woche der Sommerferien die Lehrmittel gesichtet werden. „Die Bücher, die von den Schülerinnen und Schülern am Ende des Halbjahres wieder eingesammelt werden, müssen beispielsweise überprüft und sortiert werden“, sagt er.

Auch Stundenpläne für alle Klassen müssten von der Schulleitung erstellt werden. Dann werde es etwas ruhiger. Dinge, die im Schuljahr liegen geblieben sind, werden abgearbeitet. Nur in der dritten und vierten Woche ruhe der Schulbetrieb wirklich komplett. In der letzten Ferienwoche seien dann aber auch die Lehrkräfte wieder in den Schulen. „Da werden von einigen schon die Klassenräume vorbereitet. Es gibt aber auch bereits Sitzungen von Arbeitsgruppen. Spätestens in den letzten drei Ferientagen ist hier wieder richtig was los“, so Musolf.

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