Verkehr in Leer Alle Brücken am Leeraner Stadtring sollen überprüft werden
Die Brücken am Leeraner Stadtring bereiten den Fachleuten Sorgen. Nachdem deutliche Schäden aufgetreten sind, sollen bald alle Brücken genau geprüft werden.
Leer - Am Donnerstag war der Leeraner Stadtring um eine Baustelle reicher. Die Brücke, die den Alten Weg über den Stadtring führt, musste mit einem Netz ausgestattet werden. Dazu war eine ganztägige, halbseitige Sperrung notwendig.
Was und warum
Darum geht es: Die Brücken am Stadtring sollen alle noch einmal unter die Lupe genommen werden.
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Deshalb berichten wir: Frank Buchholz, Leiter der Auricher Behörde, erzählte von den Plänen. Den Autor erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
„Hier lösen sich Betonteile vom Überbau. Das Netz verhindert, dass diese auf den darunter liegenden Stadtring fallen“, erklärt Frank Buchholz, Leiter der Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich.
Ersatz für Provisorium
An der Brücke hing vor dem Eingriff am Donnerstag bereits ein Netz. Dieses war aber nur ein Provisorium. Das nun angebrachte Netz hingegen sei kein Provisorium mehr. „Natürlich ist das aber keine dauerhafte Lösung“, betont Buchholz.
Die Behörde plant, alle Stadtringbrücken einmal genau unter die Lupe zu nehmen. „Das geschieht auch wegen der Erfahrungen, die wir nun gemacht haben“, sagt Buchholz. Damit spielt er auf die beiden Brücken im aktuell vollgesperrten Bereich des Stadtrings an.
Brücken aus den 50er-Jahren
Diese hatten dafür gesorgt, dass die Sperrung deutlich länger aufrecht erhalten werden muss, als ursprünglich geplant. Zu Anfang der dortigen Arbeiten hieß es, dass eine wichtige Abdichtschicht gefehlt habe. So sei es zu den schweren Schäden gekommen. Später wurde jedoch klar, dass diese Schicht mit abgefräst wurde.
„Die Abdichtung, die damals aufgebracht wurde, war eine Lage leimfreies Papier und Gussasphalt. Diese Art der Abdichtung wird schon seit langer Zeit nicht mehr angewendet. Es war damals aber fachgerecht. Beim Fräsen wird eine solche Abdichtung aber mit aufgenommen, so dass es aussieht, als wenn keine Abdichtung vorhanden gewesen wäre“, erklärte Frank Buchholz, als das Rätsel gelöst werden konnte. Seine Befürchtung ist nun, dass die anderen Brücken ebenfalls in dieser Bauart entstanden sind.
Schäden an den anderen Brücken
Das konnte bedeuten, dass auch die anderen Brücken am Stadtring in schlechterem Zustand sind, als von außen zu sehen. Zum Hintergrund: Bei den beiden Brücken, die aktuell bearbeitet werden, wurde die Befürchtung geäußert, dass durch das Fehlen der wichtigen Schicht Salzwasser eingedrungen sei. Dies haben zu gravierenden Schäden an den Bauwerken geführt. Bei den Arbeiten seien Stahl- und Betonteile zutage getreten, die teilweise schon korrodiert seien. Die Straße war im Abstand von etwa zwei Metern zu den Radwegen bis auf fünf Zentimeter mit Chloriden belastet. Das gelte für beide Brücken. Es gebe Abschnitte, die sind stärker belastet, einige hingegen gar nicht.
Nun ist klar: Die Schicht war immer da, der Zustand trotzdem schlecht, obwohl die ausführende Firma auf Stand der Technik gearbeitet hat. Wenn nun aber diese beiden Brücken schon in schlechtem Zustand sind, liegt die Vermutung nahe, dass auch die übrigen Brücken schwerer beschädigt sein könnten. „Wir müssen davon ausgehen, dass auch diese Brücken aus der Zeit des Baus des Stadtrings stammen“, so Buchholz. Sie wären also ebenfalls 70 Jahre alt. Erst vor einigen Jahren wurden die Brücken überprüft. Dabei konnten die Schäden, die nun zutage treten, allerdings nicht festgestellt werden. Unklar ist noch, wann diese Überprüfungen stattfinden sollen, und ob es wieder langfristige Sperrungen geben wird. „Wir sind da noch in Vorgesprächen. Wir werden uns aber alle Brücken einmal genau angucken“, so Buchholz.
Eine Ausnahme
Nur eine Brücke soll bei diesen Überprüfungen ausgelassen werden. Die Fußgängerbrücke am Plytje wird nicht untersucht. „Hier ist schon ein Ersatzbau beschlossen“, sagt er. Es soll eine neue Brücke entstehen, die dann auch Rampen für gehbehinderte Menschen haben soll.
Bis hier die neue Brücke steht, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die Kosten für den Bau soll hier der Bund tragen. Das gilt auch für die Sanierung des Stadtrings. Ursprünglich war dabei mit Baukosten in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro gerechnet worden. Diese Rechnung ist nicht mehr zu halten. Die Zielvorgabe bleibt jedoch: Bis zum Gallimarkt will man fertig sein. Das wäre Oktober. Irgendwann später sollen dann die Brücken noch einmal genau unter die Lupe genommen werden. Was dann passiert: unklar.
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