Osnabrück  Warum es im Winter ein böses Erwachen geben dürfte

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 22.08.2022 14:41 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wirbt in Kanada um Wasserstoff und Flüssiggas, um die Energienot Deutschlands zu lindern Foto: dpa
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wirbt in Kanada um Wasserstoff und Flüssiggas, um die Energienot Deutschlands zu lindern Foto: dpa
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Kanzler Scholz und sein Vize reisen im Doppelpack nach Kanada. Sie suchen dort nach Lösungen für Deutschlands energiepolitische Nöte. Schnelle Erfolgsmeldungen werden sie nicht mitbringen.

Es ist ein Bild, an das man sich als Bürger nur ungern gewöhnen möchte: Mal wieder ist der deutsche Kanzler als Bittsteller in Sachen Energie im Ausland unterwegs. Die Sache ist dringlich, weswegen Olaf Scholz gleich im Doppelpack mit seinem Vize Robert Habeck auf dreitägiger Tour in Kanada ist. Seine Mission lautet: LNG-Flüssiggas besorgen, das in Deutschland ab Herbst dringend gebraucht wird, um Ersatz für russisches Gas zu haben. 

Doch bislang ist die Bilanz der großen Betteltour im Ausland gleich null: Sowohl aus Katar wie auch aus Norwegen kamen Habeck beziehungsweise Scholz mit leeren Händen in punkto Gaslieferungen zurück. Auch bei Kanada ist nichts drin, was im bevorstehenden Winter weiterhelfen würde. Denn Flüssiggas-Deals werden ebenso wie Wasserstoff-Transporte frühestens in zwei Jahren möglich sein, da für den Transport über den Atlantik noch Förderkapazitäten und Tankschiffe fehlen .

Immer deutlicher wird, dass Deutschland in eine nie dagewesen Energiekrise rutscht, zumal Russland die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 gerade weiter gedrosselt hat. Immer deutlicher wird aber auch, dass es eine Reihe an Widersprüchen der deutschen Energiepolitik gibt. Muss es sein, den Bittsteller im Ausland zu geben? Geht es nicht auch mit Maßnahmen hierzulande?

Wer Kohle und Kernkraft abgeschrieben hat und jetzt nicht mit voller Kraft wiederbelebt, akzeptiert gefährlichen Mangel. Wer nicht gleichzeitig massiv auf erneuerbare Energien oder auch Fracking setzt, nimmt Höchstpreise für Strom und Gas in Kauf. Wer die „böse“ Pipeline Nord Stream 2 nicht will, geht erhebliche Versorgungs-Risiken ein. Wer das alles als Folge des Ukraine-Krieges in Kauf nimmt, sollte der Ukraine auch militärisch helfen und endlich mehr schwere Waffen liefern - aber auch hier zögert die Ampel schon seit langem. Das alles passt nicht zusammen.

Die Ampel-Regierung macht den Fehler, in alten Denkmustern und Ideologien zu verharren. Das wird sich in diesen Zeiten, die energiepolitisch so kritisch sind wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, bitter rächen. In den langen Winternächten könnte es ein böses politisches Erwachen geben.

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