Hannover  Niedersachsen: Gewerkschaft fordert jährliche Milliarde extra für Bildung

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 22.08.2022 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Die bildungspolitische Bilanz aller Landesregierungen der vergangenen 20 Jahre ist dramatisch schlecht“, findet Stefan Störmer, Landesvorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW in Niedersachsen. Foto: Mia Bucher/dpa
„Die bildungspolitische Bilanz aller Landesregierungen der vergangenen 20 Jahre ist dramatisch schlecht“, findet Stefan Störmer, Landesvorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW in Niedersachsen. Foto: Mia Bucher/dpa
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Laut Bildungsgewerkschaft GEW fehlen in Niedersachsen 10.000 Schulbeschäftigte, davon 7000 Lehrkräfte. Es brauche dringend Investitionen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine zusätzliche Milliarde Euro für die Bildung in Niedersachsen. Unmittelbar nach der Landtagswahl im Oktober soll aus Sicht der Bildungsgewerkschaft parteiübergreifend ein entsprechender Nachtragshaushalt erstellt werden, der vor allem den Lehr- und Fachkräftemangel im Schuldienst bekämpft. Nach Angaben der GEW fehlen an den rund 3000 niedersächsischen Schulen mindestens 10.000 Schulbeschäftigte, davon 7000 Lehrer. Die Investitionen sollen nach dem Willen der GEW in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Neben mehr Studienplätzen für angehende Lehrer müssten auch bessere Arbeitsbedingungen für Schulbeschäftigte geschaffen werden, um sie langfristig im Beruf zu halten, sagte GEW-Landeschef Stefan Störmer am Montag in Hannover. Derzeit erreiche an den allgemeinbildenden Schulen lediglich jeder vierte Lehrer, der aufhört, die Regelaltersgrenze. Alle anderen seien vorher in Pension oder Rente gegangen.

„Die bildungspolitische Bilanz aller Landesregierungen der vergangenen 20 Jahre ist dramatisch schlecht. Der Lehr- und Fachkräftemangel sowie die Dauerüberlastung der Schulbeschäftigten sind echte Alarmsignale“, machte Störmer im Rahmen einer Pressekonferenz zum bevorstehenden Start ins neue Schuljahr deutlich. In Niedersachsen geht die Schule an diesem Donnerstag wieder los.

GEW-Landeschef Störmer verlangte, die Belastung aller Schulbeschäftigten unverzüglich zu senken, um letztlich mehr Menschen gesund im System halten zu können. „Dazu gehört auch die Senkung der Unterrichtsverpflichtung, beginnend mit einer Stunde weniger für die Grundschullehrkräfte“, sagte Störmer. Überdies müssten Lehrer dringend besser bezahlt werden.

Die GEW, mit rund 30.000 Mitgliedern die mitgliederstärkste Organisation für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen sowie für pädagogische, therapeutische und technische Fachkräfte, verwies am Montag zudem auf eine repräsentativen Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts Insa-Consulere. Demnach unterstützen die Wahlberechtigten in Niedersachsen die finanziellen Forderungen der GEW mehrheitlich. 70 Prozent der Befragten sagten laut GEW mit Blick auf die Hochschulen und 82 Prozent in Bezug auf die Schulen, dass Investitionen in die Bildung für die nächste Landesregierung einen „sehr hohen“ oder „eher hohen“ Stellenwert haben sollten. Zudem hätten sie der aktuellen Regierung nur die Schulnote „4+“ für die zurückliegende Bildungspolitik erteilt.

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) beklagte am Montag in einer Mitteilung ebenfalls den Lehrermangel. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) habe es auch dieses Schuljahr nicht geschafft, alle ausgeschriebenen Lehrkräftestellen zu besetzen. „Die daraus resultierende schlechte Unterrichtsversorgung wird für alle Beteiligten zu einer nicht hinnehmbaren Belastung und Benachteiligung führen“, befürchtet VNL-Landesvorsitzender Torsten Neumann. Eine Sorge, die auch der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling, teilt: „Wieder werden Kinder, Jugendliche und Eltern absehbar mit einer mangelhaften Unterrichtsversorgung zu kämpfen haben.“ Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, fordert eine „funktionierende Bedarfsanalyse ebenso wie einen Ausbau der Studienplätze“. Darüber hinaus brauche es bessere Arbeitsbedingungen, gerade im Bereich der Sek1-Schulen und einen Sozialindex, um die Schulen personell besser auszustatten.

Kultusminister Tonne will am Mittwoch, am Vortag des Schulstarts also, in Hannover über die wichtigsten Zahlen, Daten, Fakten und Neuerungen informieren.

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