29-Jähriger angeklagt Mit der Flex in Bensersiel Geldautomaten geplündert
Ein Niederländer soll mit Komplizen Einbrüche verübt haben – auch in Bensersiel. Die Ermittler kamen ihm über DNA-Spuren am Tatort auf die Schliche. Jetzt steht er in Bielefeld vor Gericht.
Bensersiel/Bielefeld - Sie fahren mit dicken Schlitten vor, lassen die Automaten in die Luft fliegen und hauen mit dem Bargeld ab: die berüchtigten Geldautomaten-Sprenger. Es geht auch anders: mit der Flex. In Bielefeld steht derzeit ein Niederländer vor dem Landgericht, der zu einer Bande gehören soll, die sich auf das vergleichsweise leise Knacken von Geldautomaten spezialisiert hatte. Und auch in Bensersiel zugeschlagen haben soll.
Die Täter entkamen mit mehr als 50.000 Euro
Am 14. Oktober im 2019 war das Strandportal in Bensersiel Ziel der mutmaßlichen Bande von Einbrechern. In den Gebäudekomplex soll der 29 Jahre alte Niederländer mit bisher unbekannten Mittätern eingestiegen sein, um aus dem dortigen Geldautomaten das Bargeld zu entwenden. Mitten in der Nacht, so heißt es in der Anklage, hatten sich die Täter Zugang zum Gebäude verschafft, indem sie ein Fenster aus dem Rahmen hebelten. Dann sei der Geldautomat fachmännisch vom Stromnetz getrennt worden, bevor sich die Einbrecher daran machten, das Gehäuse des Automaten mit einer Flex zu durchtrennen. Drei Kassetten mit Bargeld sollen der Bande so in die Hände gefallen sein. Ihr Inhalt: 52.350 Euro, mit denen die Täter verschwanden.
Wie die Polizei seinerzeit meldete, soll es in der Tatnacht am Strandportal sehr ruhig gewesen sein. Der naheliegende Campingplatz war seit Saisonende geschlossen und auch der Gastronomiebetrieb in der Nähe sei nicht geöffnet gewesen. Man habe am Tatort reichlich Spuren der Täter gefunden.
Loch ins Dach eines Einkaufszentrums geflext
Keine vier Wochen später soll der Niederländer auf durchaus filmreife Art und Weise in Porta Westfalica (Nordrhein-Westfalen) ebenfalls mit Kumpanen, deren Identität bisher nicht geklärt werden konnte, tätig gewesen sein. Dort wurde am 10. November 2019 in einem Einkaufscenter ein Geldautomat mit 199.000 Euro geknackt.
Die Täter hatten sich über eine Leiter auf das Dach des Einkaufszentrums begeben und dort mit einem Trennschleifer ein Loch über dem Standort eines Back-Shops geflext. Über Zwischendecken und den Innenraum eines Leergutautomaten gelangten sie zur Rückseite des Geldautomaten. Hier wie in Bensersiel hinterließ der 29-Jährige seine DNA am Tatort.
Eine weitere Tat vom September 2020 wird ihm in diesem Prozess ebenfalls vorgeworfen: der Einbruch in ein Einkaufszentrum in der Nähe von Rastatt – der verlief nach gleichem Muster wie in Porta Westfalica, blieb aber ohne Beute.
Wird der Angeklagte auspacken?
Ob der Angeklagte in diesem Prozess vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld zu den Vorwürfen etwas sagen wird, ist noch nicht klar. In einer ersten Sondierung des Verfahrensstands machte die Staatsanwaltschaft deutlich, dass in allen drei Anklagepunkten mit den DNA-Spuren des 29-Jährigen durchaus genügend Beweismaterial für eine Verurteilung vorliege. Der Vorsitzende Richter Carsten Wahlmann redete dem Angeklagten ins Gewissen: „Jetzt und hier ist der Punkt, an dem man sich mit einem Geständnis eine Strafmilderung verdienen kann.“
Dennoch hat die Staatsanwaltschaft eine Strafe von viereinhalb Jahren wegen schweren Bandendiebstahls im Blick, als Minimum.
Verteidiger Goran Bronisch will bis zum nächsten Verhandlungstag mit dem Angeklagten darüber sprechen. Termine für den Prozess sind bis Oktober angesetzt.