Sicherheit in Emden Schlägereien auf dem Neuen Markt nehmen wieder zu
Polizei und Stadt sehen in der Videoüberwachung, den City-Streifen und dem Sicherheitspakt nach wie vor wirksame Mittel Es gibt aber auch einen neuen Brennpunkt.
Emden - Der jüngste Zwischenfall liegt erst wenige Tage zurück: Am vergangenen Sonntag prügelten sich in den frühen Morgenstunden mehrere Leute vor einem Lokal am Neuen Markt im Stadtzentrum von Emden. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung griff ein bislang unbekannter Mann einen 27 Jahre alten Emder an und verletzte ihn mit einem scharfkantigen Gegenstand. Solche und ähnliche Polizeimeldungen häufen sich in jüngster Zeit wieder, seitdem nahezu alle Regeln und Beschränkungen zum Schutz vor dem Corona-Virus weggefallen sind und vor allem an den Wochenenden wieder viel Leben auf dem zentralen Platz der Innenstadt ist.
Was und warum
Darum geht es: die Sicherheit in der Emder Innenstadt - insbesondere auf dem Neuen Markt
Vor allem interessant für: Leute, die gerne in Emden ausgehen, und Nachtschwärmer, die in Diskotheken und Clubs feiern wollen
Deshalb berichten wir: Der Redaktion war aufgefallen, dass sich Polizeimeldungen über Körperverletzungsdelikte auf dem Neuen Markt wieder häufen. Wir haben deshalb bei der Polizei und bei der Stadt nachgehakt sowie Passanten in der Innenstadt dazu befragt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Hinzu kommt, dass der Platz nach dem Umbau noch belebter als zuvor ist und die Außengastronomie sich deutlich erweitert hat. Unsere Zeitung ist deshalb der Frage nachgegangen, wie sicher die Emder und Besucher der Stadt sich insbesondere nachts auf dem Neuen Markt gegenwärtig fühlen können. Diese Vergnügungsmeile gilt seit Jahren als „heißes Pflaster“, wenn es um Körperverletzungen und Sachbeschädigungen geht. Sie steht deshalb besonders im Fokus der Sicherheits- und Ordnungsbehörden.
Anstieg der Delikte kommt nicht unerwartet
Eine klare Antwort auf die Frage nach der Sicherheitslage gibt die Polizei nicht. Die Zahl der Körperverletzungsdelikte auf dem Neuen Markt habe sich etwas erhöht, schreibt der Chef des Polizeikommissariats Emden, Arno Peper, dieser Zeitung auf Anfrage. Das sei nach Wiederöffnung der Diskotheken auch zu erwarten gewesen. Allerdings habe die Zahl der Delikte nicht das Niveau der Jahre vor Einführung der Videoüberwachung erreicht. Die Kameras wurden 2017 installiert.
Emdens Innenstadt – heißes Pflaster?
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Laut Peper sind die Straftaten im Jahr 2018 im Vergleich zu 2016 um 25 Prozent und im Jahr 2019 um 40 Prozent zurückgegangen. In den beiden Folgejahren wertete die Polizei die Statistiken nicht aus, weil es wegen der Corona-Pandemie und der Lockdowns an Aussagekraft gemangelt hätte.
Die Sicherheitspartnerschaft wird fortgesetzt
„Damit erfüllt die Videoüberwachung aus polizeilicher Sicht ihren gefahrenabwehrenden Zweck“, stellt die Polizei fest. Zudem sei es auf diese Weise möglich, Täter aus ihrer Anonymität herauszuholen, weil die Straftaten zu den kritischen Zeiten aufgezeichnet werden.
Bewährt hat sich nach Aussagen des Kommissariatsleiters auch die sogenannte Sicherheitspartnerschaft, die Polizei, Stadt sowie Betreiber von Clubs, Diskotheken und anderen Lokalen am Neuen Markt bereits vor sechs Jahren vertraglich vereinbarten.
Hausverbote werden lokalübergreifend erteilt
Damals verständigten sich die drei Seiten auf eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen Gewalttaten und Körperverletzung auf dem zentralen Platz der Innenstadt. „Die Sicherheitspartnerschaft führt zu sinnvollen Absprachen“, so Peper. Als Beispiele nennt er lokalübergreifende Hausverbote, den Einsatz von sogenannten City-Streifen und die Aufklärung von Straftaten durch Gastronomen.
In den vergangenen beiden Jahren habe es coronabedingt allerdings nur zwei Treffen von Gastronomen und Polizei gegeben, die mit der Stadt abgestimmt waren. Das nächste Treffen soll spätestens 2023 anberaumt werden, heißt es. Laut der Stadt ist diese Partnerschaft „ein für alle Beteiligten wertvoller Zusammenschluss.“
City-Streifen unterstützen die Polizei
Stichwort City-Streifen: Hinter diesem Begriff verbergen sich Ordnungskräfte eines privaten Sicherheitsunternehmens. Sie sind im Auftrag der Stadt an Wochenenden in der Innenstadt unterwegs und zeigen Präsenz. Sie seien eine Unterstützung gerade in Zeiten, in denen die Polizei durch andere Einsätze gebunden sei und deshalb nicht am Neuen Markt sein könne, schreibt Peper. Auch die Stadt wertet die City-Streife als „sehr hilfreich“.
Zudem erhöhen sich subjektive Sicherheitsgefühl der Gäste von Diskotheken und Gasstätten. Mit ihrer Präsenz verhinderten die City-Streifen aber auch Straftaten, in Neben- und Seitenstraße des Platzes, die nicht von den Kameras erfasst werden, schreibt Peper.
Ganz verhindert werden können Straftaten nicht
Der Emder Polizeichef spricht zusammenfassend von einem „Dreiklang von Sperrstunde, Sicherheitspartnerschaft und Videoüberwachung“ als Voraussetzung dafür, die Gewaltkriminalität am Neuen Markt nachhaltig einzudämmen. Zugleich räumt er ein, dass Straftaten dadurch nicht gänzlich verhindert werden können. Aber: „Wir können die Delikte erfolgreicher aufklären“.
Zu einer ähnlichen Einschätzung der gegenwärtigen Sicherheitslage am Neuen Markt wie die Polizei kommt die Stadt Emden. Weil derzeit auch abends und nachts mehr Menschen auf den Straßen seien, gebe es „automatisch ein erhöhtes Konfliktpotential“, schreibt Stadtsprecherin Theda Eilers dieser Zeitung auf Anfrage.
Die Stadt stellt allerdings „unterschiedliche Schwerpunkte“ fest. So habe sich in jüngster Zeit beispielsweise der Pavillon an der Blauen Brücke am Neuen Delft zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt - insbesondere von Jugendlichen. Darüber wird auch in den sozialen Medien schon geklagt, weil dort regelmäßig viel Müll liegenbleibt.