Leben im Einzelhandel  Pop-up-Stores im Landkreis poppen stärker weg als auf

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 24.08.2022 14:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit dieser Information am Ladenlokal machen die Auricher auf ihren Pop-up-Store aufmerksam. Foto: Archiv
Mit dieser Information am Ladenlokal machen die Auricher auf ihren Pop-up-Store aufmerksam. Foto: Archiv
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In Aurich will die Verwaltung seit Monaten ein Ladenlokal auf Zeit an den Kunden bringen. Doch das klappt nicht. Wie sieht es in anderen Städten aus?

Aurich - Yanny ist vor drei Wochen ausgezogen: Der Roboter, der pupsen und sprechen konnte, hat das Ladenlokal in der Burgstraße 44 in Aurich zusammen mit seinem „Chef“, Rainer E. Becker, verlassen. Der Wuppertaler hat auch sein übriges Sortiment mitgenommen, das er ein paar Tage lang dort ausgestellt hatte. Seither liegt der Pop-up-Store, also ein Geschäft auf Zeit, verwaist in der Fußgängerzone. „Anfragen haben wir derzeit nicht“, sagt Stadtsprecher Johann Stromann. Das war mal anders geplant. Als Vicky Janssen, Aurichs ehemalige City-Managerin, das Geschäft vor sechs Wochen angemietet hat, sollte es ein pulsierendes Projekt werden. Es sollte vor allen Dingen Start-ups dazu dienen, erste Schritte in die Selbstständigkeit zu machen. Die Miete wäre gering und kalkulierbar gewesen, die Bedingungen überschaubar.

Vor Wochen hatte Vicky Janssen auf Anfrage gesagt, dass es einige Interessenten für das Projekt gebe. Doch offenbar hat sich alles zerschlagen. Der Pop-up-Store ist ein Projekt des EU-Förderprogramms „Perspektive Innenstadt“. Aus diesem Topf ist auch die City-Managerin bezahlt worden. Die hat nach Informationen unserer Zeitung gezielt Geschäftsleute daraufhin angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, dort zeitweise einzuziehen. So haben unter anderem Firmen, die in der sanierungsgeplagten Fockenbollwerkstraße ansässig sind, eine Anfrage erhalten. Ob es nicht wirtschaftlich sinnvoll sein könnte, mit einem Ableger seines Geschäfts in der Hauptsaison an die Burgstraße umzusiedeln? Dort sei man weit entfernt von Baulärm, Umleitungen und Dreck, so das Angebot. Doch die Angesprochenen haben abgelehnt, weil der logistische und materielle Aufwand für einen solchen Teilumzug einfach zu groß sei.

Kontakt zu Vermietern

Wie sieht es mit einem Pop-up-Store in anderen Städten im Landkreis aus? In Wiesmoor etwa? Dort gibt es seit dem 1. April ebenfalls eine City-Managerin, die über das EU-Programm „Perspektive Innenstadt“ bezahlt wird, genau wie dies bei Vicky Janssen der Fall war. Sie heißt Ute Rittmeier und reagiert sofort auf das Stichwort nach einem Geschäft auf Zeit. Das wolle sie in Wiesmoor auch etablieren, allerdings anders als in Aurich. Sie habe den Leerstand bereits erfasst: Zehn Ladenlokale sind nicht belegt. Die 55-Jährige will sich demnächst mit den Eigentümern in Verbindung setzen und ihnen schmackhaft machen, das Geschäft übergangsweise an junge Firmen zu vermieten.

Doch wie macht man so etwas? Was ist der Reiz für den Vermieter? Ist es besser, den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach zu haben? Das Attraktive für beide Seiten kann darin liegen, dass der Geschäftstreibende erst einmal befristete Mietverträge mit den Eigentümern von Gewerbeflächen abschließt. So kann geschaut werden, ob das Angebot passt und ob sich ein Geschäft überhaupt lohnt. Erst dann wird ein Mietvertrag gegebenenfalls verlängert. Dieser experimentelle Charakter reizt den einen oder anderen Händler.

Spiegelbild des Einkaufsverhaltens

So war es auch bei Kerstin Stieler. Die Betreiberin des Accessoires-Onlinehandels „Das lila Haus“ in Oldersum hatte vor zwei Jahren im Winter einen Pop-up-Store in Emden angemietet. „Zunächst war das nur für die beiden Monate November und Dezember vorgesehen. Ich habe mir gedacht, dass diese Zeit ideal sein könnte, um sich mit schönen Dingen zu versorgen. Das ist leider nicht aufgegangen“, sagte sie. Trotzdem habe sie sich darauf eingelassen, ein paar Wochen in dem Ladenlokal dranzuhängen. Eine Stadt sei das Spiegelbild des Einkaufsverhaltens ihrer Bewohner. In Emden habe sie beobachtet, dass die Menschen nörgelig seien und „Asia-Gerümpel“ hochwertigen Artikeln vorzögen. Sie würde niemals wieder einen Pop-up-Store anmieten. Das Projekt in Emden dauerte nur ein paar Monate während der Corona-Pandemie-Hochphase. Die Emder waren also viel früher bei diesem Thema rührig als die anderen Städte. Aktuell gibt es dort keinen Pop-up-Store mehr.

Ute Rittmeier und Johann Stromann werden sich durch den Misserfolg in Emden nicht beeinträchtigen lassen. Ute Rittmeier sagte, sie werde erst das Veranstaltungsprogramm, das sie sich vorgenommen hat, umsetzen, dann seien die Läden auf Zeit an der Reihe. Die seien schon alleine deshalb wichtig, weil sie der Bekämpfung von Leerständen dienen könnten. Johann Stromann setzt bei der Vermarktung des Pop-up-Stores auf Publikationen im Netz. Dort gibt es einschlägige Foren, die der Netzwerkarbeit dienen, unter anderem das der Emsachse (www.emsachse.de). Dort wird der Auricher Pop-up-Store ebenfalls beworben.

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