Pannen  Bei drei Projekten wird Aurich das Pech gar nicht mehr los

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 25.08.2022 08:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eigentlich sollte das Hafenbecken mit Wasser gefüllt sein.
Eigentlich sollte das Hafenbecken mit Wasser gefüllt sein.
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Es gibt Dinge, die wollen nicht klappen. Aurich schlägt sich seit Jahren mit Vorhaben rum, die nicht rund laufen. Das ist nicht nur ärgerlich.

Aurich - War es eine Pleite? Reines Pech? Oder doch eine Panne, die man hätte verhindern können? Wer unterscheidet schon gerne bei Desastern, welchen Charakter sie haben? In Aurich gibt es seit Jahren mindestens drei Objekte, die in diese Kategorie fallen: die Markthalle, die Hafenbecken am Georgswall und das Restaurant Hafenkiste. Die Redaktion hat ein paar Daten und Fakten zu den Pannen-Projekten zusammengetragen, verbunden mit der Frage, wie viel der Steuerzahler bisher schon an Zeit und Geld verloren hat und verlieren wird.

1. Die Markthalle

Rückblickend kommen einem viele Ideen für die Markthalle wie eine einzige Seifenblase vor.
Rückblickend kommen einem viele Ideen für die Markthalle wie eine einzige Seifenblase vor.
Am 18. April 1991 wurde die Markthalle als Brauhaus eröffnet. Investor Manfred Hellwig verpachtete das Gebäude aus Stahl und Glas an die Gastronomen Günther Held und Jürgen Garrels. Die Eröffnung wurde mit drei zünftigen Brauhaustagen und viel Musik gefeiert. Der Schwung der ersten Tage ebbte rasch ab. Es musste ein neues Konzept her. Am 1. Juli 1999 wurde dann die Markthalle mit sieben Anbietern wieder eröffnet. Es gab ein feines Käsesortiment, Imbissstände, Fisch, Wurst. Die Auricher nahmen das Sortiment nicht an. Warum funktionierte das Konzept nicht? Vielleicht hätte man in Richtung Süden nach Leer schauen sollen. Zwei Jahre zuvor war dort Ostfrieslands erste Markthalle an der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße krachend gescheitert. Nur drei Jahre lang hatte sie durchgehalten: von Dezember 1994 bis 1997. Dort hatte es sogar zehn Abteilungen gegeben, unter anderem mit Backwaren, türkischen und asiatischen Spezialitäten. Nach dem Aus erbarmte sich die Sparkasse Leer-Weener und kaufte die Markthalle. Seither wird sie als Multifunktionsgebäude genutzt.

Was aus der Auricher Markthalle wird, steht in den Sternen. Bis Ende des Jahres soll eine Lösung gefunden werden. Von 1999 bis 2019 hat die Stadt den damaligen Pächtern jährlich einen Betrag von 80.000 Euro gezahlt, weil diese die Kosten für den Umbau übernommen hatten. Zu diesen 1,6 Millionen Euro kommen noch die Beträge, die von der Stadt für Gutachter, Rechtsanwälte und Fachbüros ausgegeben worden sind. Es mussten Pachtverträge aufgesetzt und Expertisen über den Zustand der Markthalle eingeholt werden. Darüber liegen der Redaktion keine Aufzeichnungen vor. Den Betrag zu schätzen wäre unseriös. Die Kosten für einen Abriss der Halle sind vor drei Jahren von der damaligen Baurätin Irina Krantz auf rund 500.000 Euro geschätzt worden. Fakt ist: Die Markthalle macht keinen gepflegten Eindruck mehr, sie liegt als Fremdkörper wie ein gestrandeter, sterbender Wal auf dem Marktplatz.

2. Die Hafenbecken

Die Hafenbecken sind mit der Umgestaltung des Georgswalls nach Plänen des Berliner Landschaftsarchitekten Jörg Michel angelegt worden. Sie zitieren gestalterisch den Hafen, der sich bis in die 1930er Jahre dorthin erstreckte. Kurz nach Fertigstellung im Jahr 2014 zeigten die Becken bereits erste bauliche Mängel. Die zur Verkleidung der Bassins montierten Schieferplatten lösten sich, einige Buchstaben wiesen Risse auf. Die Stadt Aurich hat die Schäden anfangs repariert. Dann bestand Irina Kranz darauf, innerhalb der Gewährleistungspflicht in die Analyse zu gehen. Ein Gutachter stellte fest, dass die Ursache für den Defekt ein Montagefehler der bauausführenden Firma sein könnte. Es kam im Mai zum Prozess vor der Zivilkammer am Landgericht Aurich. Dieser dauert immer noch an. Der nächste Verhandlungstermin sei frühestens Ende des Jahres zu erwarten, hieß es von einer Gerichtssprecherin.

Was aber würde ein Abriss der Hafenbecken kosten? Die Stadt Aurich hatte 2018 ausgerechnet, dass ein Rückbau der Anlage mit anschließender Granitsteinpflasterung und einem bodengleichen Wiedereinbau der Buchstaben mit mindestens 171.000 Euro zu Buche schlüge. Außerdem müssten Fördermittel in Höhe von 69.000 Euro an die N-Bank zurückgezahlt werden. Fakt ist: Die Hafenbecken sehen ohne Wasser hässlich aus. Sie dienen im Herbst als monströse Sammelbecken für Laub. Außerdem wirken sie sich beim Rangieren mitunter störend aus: Autofahrer zerbeulen sich die Karosserie ihrer Wagen.

3. Die Hafenkiste

Geöffnet, um zu schließen: Nur zwei Jahre lang sind in der Hafenkiste Gäste bewirtet worden. Fotos: Archiv
Geöffnet, um zu schließen: Nur zwei Jahre lang sind in der Hafenkiste Gäste bewirtet worden. Fotos: Archiv
Aurich wollte das etwas schläfrige Hafenareal aufwerten. Viel Geld wurde in neue Toilettenhäuschen und Steganlagen investiert. Und eben auch in die Umgestaltung des Hafen-Restaurants. Die Immobilie gehört der Stadt. Als der Vertrag mit dem alten Betreiber zum 30. September 2016 auslief, sollte etwas Neues und Schickes her. Die Leistung wurde ausgeschrieben. Mit dem ursprünglich ausgewählten Gastronomen wurde sich die Stadt nicht einig. Dann sprang der Unternehmer Ewald Maas ein. Das Restaurant wurde aufwendig modernisiert. Daran hat sich die Stadt finanziell beteiligt. In welcher Höhe wurde immer geheim gehalten. Angeblich war das möglich, weil die neue „Hafenkiste“ zu einer städtischen Gesellschaft gehört. Der Clou: Im November 2018 eröffnete das Restaurant, schloss dann aber pandemiebedingt im November 2020 und hat seither nie wieder jemanden dort bedient. 21 Monate Stillstand. Kein Personal zu finden, sagt der Gastronom. Wenn man die zwei Jahre Stillstand während der Plan- und Umbauphase hinzuzählt, in der auch viel Sand im Getriebe war, wurde die Immobilie fast vier Jahre lang nicht genutzt. Für ein schönes Hafen-Areal hat die Stadt unter anderem für 23.000 Euro ein zehn Meter hohes Seezeichen restauriert, 650.000 Euro verschlang die Erneuerung der Steganlage. Fakt ist: Der Wunsch, mit der Gaststätte einen touristischen Anlaufpunkt zu schaffen, blieb unerfüllt. Schlimmer noch: Das seit Jahren leerstehende Restaurant drückt auf die Stimmung der Passanten.
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