Wirtschaft in Ostfriesland Papierpreise explodieren – keine Trendwende in Sicht
Durch die hohen Energiekosten wurde Papier zuletzt extrem teuer. Die Entwicklung setzt Unternehmen in Ostfriesland unter Druck.
Ostfriesland - Die anhaltende Inflation macht vielen Branchen zu schaffen. Manche trifft es besonders schlimm. So stürmen die Preise für Papier in niemals gekannte Höhen. Beispiel Altpapier: Seit Anfang 2021 hat sich der Preis nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa um 150 Prozent erhöht.
Was und warum
Darum geht es: Die hohen Papierpreise belasten ostfriesische Unternehmen.
Vor allem interessant für: Selbstständige und Literaturfreunde
Deshalb berichten wir: Auch Zeitungen sind von der Preisexplosion betroffen. Wir wollten wissen, wie die Entwicklung andere Unternehmen trifft. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Die Preisexplosion trifft auch Unternehmen aus Ostfriesland akut. So bekommt etwa die Leeraner Druckerei Rautenberg die extreme Entwicklung zu spüren. „Ich bin seit 35 Jahren dabei“, sagt Geschäftsführer Gerd-Werner Schulz. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Grundsätzlich ist Papierproduktion energieintensiv. Oftmals kommt Gas zum Einsatz. Mit dem Beginn des russischen Angriffs gegen die Ukraine begannen die Preise, durch die Decke zu schießen, und ein Ende ist nicht in Sicht.
Markt ist in Panik
Für kleine Druckereien wie die Firma Rautenberg ist das ein gewaltiges Problem. „Im September soll der Preis nochmals steigen. Es ist verrückt“, erklärt Schulz. In Erwartung weiterer Kostensteigerungen habe das Unternehmen reagiert. „Wir lagern so viel Papier, wie nur geht“, so Schulz. „Ich sehe keine Trendwende.“ Der Markt sei in Panik. Schon wenn Putin das Gas für einige wenige Tage abdrehe, gehe der Preis zügig in die Höhe, sagt Schulz. „Panik ist schlecht fürs Geschäft“, so sein Urteil.
Und auch die Kunden reagieren auf die gestiegenen Preise, setzen weniger auf Handzettel und Plakate und verlagern ihre Werbeaktivitäten stattdessen ins Digitale. „Die Auftragslage ist nicht berauschend“, räumt Schulz ein. Der Druckerei-Chef betont aber auch, dass genug Material verfügbar sei, um alle Aufträge abzuarbeiten.
Buchhandel unter Druck
Auch der Handel bekommt die gestiegenen Papierpreise deutlich zu spüren. Helga Kruse, Inhaberin der Buchhandlung Fehnbuch in Rhauderfehn, listet eine ganze Reihe von Folgen auf, mit der die Branche kämpft. „Bücher werden in geringerer Auflage gedruckt“, sagt sie. Manche Verlage seien gar zu sogenanntem Print on demand (deutsch: Drucken auf Nachfrage) gewechselt. Das bedeutet, dass nicht mehr auf Vorrat gedruckt wird, sondern nur noch, wenn ein Buch auch tatsächlich bestellt wurde.
Literaturfreunde müssten zudem inzwischen mehr Geld für neuen Lesestoff ausgeben. „Taschenbücher kosten inzwischen etwa zwölf Euro. Hardcover 22 bis 28 Euro“, so Kruse. Bei Beststellerautoren wie Ken Follett (Die Säulen der Erde) lägen die Preise inzwischen über 30 Euro – noch vor wenigen Jahren unvorstellbar. Das Problem der kleinen Händler: Sie können nicht wie Internetversandhäuser große Mengen auf Vorrat horten und dann abverkaufen. „Deshalb haben wir jetzt längere Lieferzeiten, weil die Verlage mit dem Papier, das sie haben, jonglieren müssen.“
Die Digitalisierung sei für die Händler keine Alternative. Zwar erfreuten sich E-Books immer größerer Beliebtheit, doch bliebe bei diesen noch weniger bei den Händlern hängen. „Das sind gerade einmal zwei bis vier Prozent vom Verkaufspreis“, erklärt Kruse. „Und das eben auch nur, wenn die Leute die Bücher auf unserer Internetseite herunterladen.“