Hannover  Heizpilze: Umweltverbände fordern Verbot - Niedersachsen winkt ab

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 27.08.2022 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Heizpilze gelten als Energiefresser und sind angesichts der Gaskrise umstrittener denn je. Foto: Daniel Karmann/dpa
Heizpilze gelten als Energiefresser und sind angesichts der Gaskrise umstrittener denn je. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Heizpilze gelten als Energieschleudern. Es werden erste Rufe nach Verboten laut. Niedersachsens Landesregierung setzt stattdessen auf Vernunft und Einsicht.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert ein Verbot von Heizstrahlern im gastronomischen Bereich. „Es gibt gute Gründe, Heizpilze in der Außengastronomie zu verbieten“, erklärte Oliver Powalla, beim BUND für Energiepolitik zuständig, gegenüber unserer Redaktion.

Die Geräte seien eine „extrem ineffiziente Art zu heizen und sollten auch im Sinne des Klimaschutzes nicht genutzt werden“. Im kommenden Winter werde nicht nur Gas, sondern auch Strom knapp und sehr teuer. „Den Luxus, auch bei kalten Temperaturen gemütlich warm draußen zu sitzen, können wir uns derzeit nicht leisten“, betonte Powalla und rief dazu auf, auch im privaten Bereich freiwillig auf Heizpilze zu verzichten. Ein Verbot sei unmöglich flächendeckend zu kontrollieren.

Unterstützung erhält der BUND Deutschland vom Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen. Laut Holger Buschmann, Landesvorsitzender, lehnt der NABU Heizpilze grundsätzlich ab. Gasbetriebene Heizpilze seien wegen ihres CO2-Ausstoßes „klimaschädlich und Energiefresser“ und auch elektrisch betriebene Heizstrahler verbrauchten eine Menge Energie, „die in der derzeitigen Situation lieber eingespart werden sollte“, meint Buschmann. Wer in den kalten Monaten draußen sitzen wolle, solle lieber auf Decken und Kissen zurückgreifen.

Nach NABU-Berechnungen blasen gasbetriebene Wärmepilze schon bei mittlerer Betriebstemperatur stündlich rund zwei Kilogramm umweltschädliches Kohlendioxid in die Luft, bei maximaler Leistung bis zu dreieinhalb Kilogramm. Bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 36 Stunden in der Woche seien das rund vier Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Das wiederum entspreche dem durchschnittlichen Jahresausstoß eines Personenwagens bei einer Fahrleistung von etwa 25.000 Kilometern.

Auch der Niedersächsische Städtetag (NST) sieht den Einsatz von Heizpilzen kritisch. „Aufgrund der sich abzeichnenden Gasmangellage würden wir ein landesweites Verbot von Heizpilzen in der Gastronomie und in privaten Haushalten begrüßen“, sagte Hauptgeschäftsführer Jan Arning unserer Redaktion. Zu berücksichtigen sei aber, dass Einschränkungen im privaten Bereich stets kontrolliert werden müssten. Hierfür hätten die Kommunen jedoch „schlichtweg keine personellen oder gar finanziellen Kapazitäten“.

Niedersachsens Landesregierung indes will momentan nichts von einem Heizpilz-Verbot wissen. Landesumweltminister Olaf Lies stellte auf Nachfrage klar: „Ich halte gerade in der Gastronomie wenig von einer Vorgabe von oben herab“. Die Gastronomie sei durch Corona bereits „schwer leidgeprüft“. Die steigende Inflation, die auch die gastronomischen Betriebe zwinge, Preiserhöhungen an ihre Gäste weiterzugeben, mache es nicht einfacher. Und auch für die Menschen sei der Besuch in der Kneipe oder dem Restaurant um die Ecke nach Corona und bei dem, „was als Gesellschaft vor uns liegt, ein wichtiger Punkt des sozialen Lebens und des Austausches“. Es gelte also abzuwägen. „Daher halte ich nichts davon, hier mit Verboten den Betrieben das Leben noch weiter zu erschweren und den Menschen den Winter zu vermiesen“, machte der SPD-Politiker deutlich.

Anders sieht der Umweltminister die Angelegenheit indes im privaten Bereich. „Da gebieten es allein schon Anstand und Vernunft, dass die Heizpilze diesen Winter bitte aus bleiben“, sagte Lies. Er habe großes Vertrauen, dass die Menschen von alleine zu diesem Schluss kämen. Kontrollieren könne und wolle das letztlich aber niemand.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann ist sich unterdessen „sicher, dass auch die Gastronomie ihren Teil dazu beitragen wird, möglichst wenig Energie zu verbrauchen und auf Heizpilze im Außenbereich verzichtet“. Zumal Gaststätten keinen pandemiebedingten Einschränkungen mehr unterlägen und die Innenbereiche voll ausgelastet werden könnten. Ein Verzicht auf die Heizgeräte sei angesichts der stark gestiegenen Energiepreise nicht zuletzt auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Die Entscheidung über ein Verbot liege bei den Kommunen. Ein weitergehendes Verbot hält der CDU-Politiker für „nicht erforderlich“.

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