Blutspenden in Ostfriesland Tapfer sein und einfach nicht auf die Nadel schauen
Das übliche Sommerloch beim Blutspenden ist in Ostfriesland ausgeblieben. Geholfen hat wohl auch ein ganz spezieller Marketing-Trick.
Aurich - Wenn es ums Blutspenden in Aurich geht, ist Hermann Harms genau der richtige Mann. Seit unzähligen Jahren sorgt er als Koordinator für Blutspenden beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes dafür, dass es problemlos läuft. Und er ist zufrieden. Denn das Sommerloch beim Blutspenden, das in vielen Regionen der Republik immer wieder für Aufregung sorgt, hat es in Aurich in diesem Jahr nicht gegeben. „Die Spendenbereitschaft der Auricher hat in der Urlaubszeit nur geringfügig nachgelassen“, berichtet er. „Unsere Termine zum Blutspenden waren immer gut besucht.“
Was und warum
Darum geht es: Blutspenden kann Leben retten. Dennoch gehen im Sommer die Zahlen der Blutspender häufig zurück. Nach der Urlaubszeit muss dann Gas gegeben werden, um geschrumpfte Bestände bei Blutkonserven wieder aufzufüllen.
Vor allem interessant für: Blutspender, Menschen denen eine Operation bevorsteht, und viele ehrenamtliche Helfer, die für das DRK oder Vereine und Organisationen Blutspende-Termine ermöglichen
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie es in diesem Jahr in Ostfriesland gelaufen ist. Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de
Warum sich die Auricher so freigiebig Blut abzapfen lassen, da kann auch Harms nur spekulieren. „Eine gute Idee waren mit Sicherheit, die Antikörpertest-Aktionswochen des Blutspendedienstes“, glaubt Harms. Vom 13. Juni bis zum 10. Juli hatte der für die Versorgung von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen zuständige Blutspendedienst NSTOB den Spendern einen Antikörpertest in den eigenen Laboren angeboten, mit dem jeder erfahren konnte, ob und wie viele Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 im eigenen Blut nachweisbar sind.
Versorgungslage ist derzeit gut
„Das hat uns viel gebracht“, sagt auch Markus Baulke, Pressesprecher beim NSTOB. Er bedauert gleichzeitig aber auch, dass solch ein Angebot nicht durchgängig beibehalten werden kann. „Wir haben während solch einer Aktion im Schnitt täglich 2500 Tests, die von unseren Mitarbeitern im Labor zusätzlich gestemmt werden müssen. Das können wir denen nicht dauerhaft zumuten.“ Baulke bestätigt zudem, dass der Blutspendedienst bislang in Ostfriesland gut durch das Jahr und den Sommer gekommen ist. Insgesamt habe der Blutspendedienst bei 174 Terminen in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie in der Stadt Emden 18.039 Blutspender begrüßen können. Das waren fast 104 Personen pro Termin und damit eine vergleichbare Größenordnung wie im vergangenen Jahr. Die Versorgungslage sei derzeit gut, berichtet Baulke. Dennoch bemühe sich der Blutspendedienst täglich um neue Spender. Es gehe jetzt darum, die trotz der hohen Spendenbereitschaft in der Urlaubszeit entstandenen Lücken wieder aufzufüllen.
Eine zufriedenstellende Versorgungslage mit Blutpräparaten bescheinigt auch die Trägergesellschaft der Kliniken in Aurich, Emden und Norden. Grundsätzlich sei der Bedarf an Blutkonserven in den Krankenhäusern an den drei Standorten gedeckt, beantwortet eine Sprecherin unsere Anfrage. Die Kliniken der Trägergesellschaft bestellten diese regelmäßig. In der Sommerzeit, gerade auch in der Pandemiephase, komme es zwar gelegentlich zu Engpässen bei Blutgruppen, insbesondere mit dem Rhesusfaktor negativ. Allerdings sei die Versorgung von Notfallpatienten und von Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheitsbildern auch mit diesen Blutgruppen weiterhin sichergestellt. Sollte es zu größeren Engpässen kommen, könne die OP-Planung entsprechend angepasst werden.
Ein Lunch-Paket gibt es dazu
Der DRK-Blutspendedienst NSTOB benötigt jeden Tag rund 3000 Blutspenden und organisiert etwa 10.000 Spendentermine im Jahr. Mehr als 35.000 ehrenamtliche Helfer bilden die Basis des Blutspendewesens. 31 der Termine werden in diesem Jahr von Hermann Harms und seinem Team organisiert – der nächste am 5. und 6. September in der Realschule. Am 17. September folgt ein weiterer Termin im Familienzentrum.
Harms hofft, dass sich die gute Bilanz des Auricher Roten Kreuzes bei den restlichen Terminen im Jahr fortsetzt. „Blutspenden ist keine große Sache, aber sehr wichtig für alle, die auf eine Spende angewiesen sind“, sagt er. Sei die erste Hürde, die erste Spende, genommen, gebe es viele Wiederholungstäter. Das liege wohl auch an den Lunch-Paketen, die er immer frisch und in ausreichender Zahl organisiere, schmunzelt Harms. Vor Corona habe es in Aurich immer einladende Buffets gegeben, ab und zu sei auch gegrillt worden, erinnert er sich an vergangene Zeiten zurück. Da allerdings während der Pandemie einige der älteren ehrenamtlichen Helfer verloren gegangen seien, sei dies derzeit nicht mehr möglich. „Wenn wir da noch ein paar jüngere Helfer hinzubekommen könnten, wäre wieder mehr möglich.“ Und für Erstspender, denen beim Anblick einer Nadel das Herz in die Hose rutscht, hat er noch einen Tipp parat: „Es reicht, nicht auf die Nadel zu schauen. Wir haben so gute Leute, da merkt man nichts.“ Und gegen eine Begleitperson, die beim ersten Mal das Händchen hält, sei auch nichts einzuwenden.