Cuxhaven  SPD-Wahlkampfauftakt in Niedersachsen: Bringt Cuxhaven Stephan Weil wieder Glück?

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 26.08.2022 20:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Als Olaf Scholz zum Wahlkampfauftakt der SPD in Cuxhaven die Bühne betritt, zücken viele Besucher ihre Handys. In Niedersachsen wird am 9. Oktober ein neuer Landtag gewählt. Foto: Lars Laue
Als Olaf Scholz zum Wahlkampfauftakt der SPD in Cuxhaven die Bühne betritt, zücken viele Besucher ihre Handys. In Niedersachsen wird am 9. Oktober ein neuer Landtag gewählt. Foto: Lars Laue
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Niedersachsen wählt am 9. Oktober einen neuen Landtag. Stephan Weil will sein Amt verteidigen. Den Wahlkampfauftakt mit Kanzler Scholz in Cuxhaven hat die SPD zur Party gemacht.

Stephan Weil hat sich zum Wahlkampfauftakt bewusst wieder für Cuxhaven entschieden. Es sei damals ein „fantastischer Abend“ gewesen, der den Startpunkt gesetzt habe für einen „fulminanten Wahlkampf“ und einen „fulminanten Wahlsieg“. „Damals“, das war 2017. Cuxhaven brachte dem SPD-Politiker offenbar Glück. Weil gewann die Wahl gegen seinen CDU-Herausforderer Bernd Althusmann und bildete eine Große Koalition mit Althusmann als Vize an seiner Seite.

Nun, fünf Jahre später, stehen sich die beiden wieder als Kontrahenten um das höchste politische Amt in Niedersachsen gegenüber. In Niedersachsen wird am 9. Oktober ein neuer Landtag gewählt. Weil bekommt zum Auftakt in die heiße Wahlkampf-Phase prominente Unterstützung aus Berlin. Bundeskanzler Olaf Scholz und Parteichef Lars Klingbeil sind an diesem Freitagabend in die Kugelbake-Halle nach Cuxhaven gekommen, um ihren „Stephan“ zu unterstützen.

Der Saal fasst mehr als 700 Leute und ist rappelvoll. Die Stimmung kocht von der ersten Sekunde an und gleicht einer Party - gerade so als hätte Weil die Wahl schon gewonnen. Mit „Uwe, Uwe“-Sprechchören wird zunächst Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD) begrüßt und der Beifall für Klingbeil reißt kaum ab. Vergleichsweise mager fällt da der Applaus für Scholz aus, was auch daran liegen mag, dass der Kanzler von der Bühne aus zwar schon angekündigt wird, aber noch nicht im Raum ist. Heiß ist übrigens nicht nur die Stimmung bei der SPD mit rockiger Live-Musik („I feel good“), sondern auch die Temperatur im Saal. Die Gäste - vom Kleinkind bis zum Greis - fächern sich immer wieder frische Luft ins Gesicht.

Dann ist es endlich soweit. Der Kanzler zieht mit Weil unter Jubel in die Kugelbake-Halle ein. Scholz geht direkt auf die Bühne und spricht von einem „furchtbaren Angriffskrieg“ Russlands auf die Ukraine. Deutschland werde weiter an der Seite der Ukraine stehen - aber „ohne Alleingänge“, sondern „besonnen und entschlossen und gemeinsam mit unseren verbündeten Partnern“. Applaus. Dann der Schlenker nach Niedersachsen und zu Stephan Weil. Das Bundesland helfe Deutschland momentan enorm dabei, „die richtigen Dinge umzusetzen“, spielt Scholz unter anderem auf die in Windeseile auf den Weg gebrachten Flüssiggas-Terminals in Wilhelmshaven und Stade an. Noch mehr Applaus. Und Scholz vermag es mit Anekdoten aus seinem früheren Berufsleben als Anwalt sogar, den ein oder anderen Lacher zu erzeugen, bevor er das Mikro schmunzelnd an den „großen Staatsmann“ Weil übergibt, der wisse, was zu tun ist. Eines stellt der Kanzler abschließend noch klar: „Es geht nicht ums Sprücheklopfen.“ Dafür seien die Zeiten zu ernst.

Eine gekonnte Überleitung zu Weil, der derzeit auf großflächigen Plakaten im Land mit seinem Konterfei und dem Slogan „Keine Zeit für Sprüche“ für die SPD wirbt. „Wenn wir in dieser Situation der Ukraine unsere Solidarität verweigern, dann möchte ich morgen nicht mehr in den Spiegel schauen“, sagt Weil und teilt gegen Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) aus, der kürzlich eine Debatte über Fracking in Niedersachsen angestoßen hatte. „Frackinggas aus Niedersachsen in fünf Jahren hilft euch nicht, Flüssiggas noch in dieser Heizperiode aber sehrwohl.“

Weil zeigt sich auf der Bühne zwar angriffslustig und als packender Redner in Topform. Aber über den politischen Gegner in Niedersachsen verliert er kaum ein Wort, gibt der CDU lediglich bei der Schuldenbremse und beim Klimaschutz einen mit. Dafür reißt er viele seiner Wahlkampf-Themen an: Energiekrise, Klimawandel, Corona, Bildung, Pflege, Digitalisierung, innere und soziale Sicherheit. Alles gewichtige Herausforderungen. Keine Zeit für Sprüche eben.

Ob Scholz, der aktuell unter miesen Umfragewerten leidet, dem Spitzenkandidaten Weil im Wahlkampf wirklich eine Unterstützung ist? Man weiß es nicht. Geschadet haben dürfte der Kanzler-Besuch in Cuxhaven zumindest nicht. Vielleicht ist es am Ende auch die Küstenstadt, die Weil wieder zum Wahlsieg verhilft. Etwas Magie, etwas Glück kann der 63-Jährige jedenfalls gebrauchen, denn der Vorsprung auf seinen Widersacher Althusmann (55) ist zuletzt geschrumpft.

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