Berlin Ein Sorry aus Kiew für diesen Botschafter wäre hilfreich
Der scheidende Botschafter Andrij Melnyk hat dem deutsch-ukrainischen Verhältnis massiv geschadet. Reicht da eine Abberufung? Oder wäre eine Entschuldigung von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu viel verlangt?
Melnyk spricht seit Beginn des Krieges nicht wie ein Diplomat, sondern wie ein Provokateur par excellence. Das kostet dem Land Sympathien.
Jetzt hat der Botschafter auch noch Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in der Ukraine zur Persona non grata erklärt, zur unerwünschten Person, weil dieser sich für Gespräche über eine Waffenruhe mit den russischen Aggressoren ausgesprochen hatte.
Ein Affront, der an die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnert. Oder an Melnyks verstörenden Vorwurf, viele ukrainische Flüchtlinge fühlten sich in Deutschland nicht willkommen und würden wieder zurückkehren, weil sie „keine Lust haben, hier zu bleiben“.
Immerhin hatte Kiew vor Wochen reagiert und Melnyks Abberufung für Oktober angekündigt, nachdem der Botschafter die Verbrechen des ukrainischen Ultranationalisten Stepan Bandera im Zweiten Weltkrieg verharmlost hatte. Dennoch wäre es nach der Verbalattacke auf Kretschmer sinnvoll, wenn sich Wolodymyr Selenskyj selbst erklären würde. So könnte der Verdacht ausgeräumt werden, insgeheim denke der Präsident im Kern so wie sein Botschafter in Berlin.
Deutschland hat viel für die Ukraine getan – von Waffenlieferungen bis hin zu Hilfsgeldern in Milliardenhöhe. Deutschland wird auch weiter gerne für Hunderttausende Flüchtlinge ein sicherer Zufluchtsort sein. Und egal, wie schwierig dieser Winter wegen der Energiekrise wird: Deutschland darf sich nicht von einem Despoten wie Wladimir Putin erpressen lassen.
Hilfreich wäre es aber, wenn der künftige ukrainische Botschafter seinem Land keinen Bärendienst erweist und erkennt: Wenn es brennt, sollte man nicht die Helfer beschimpfen, die herbeieilen, um Leben zu retten.