Hannover  Polizist in Niedersachsen: Ein attraktiver Beruf?

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 29.08.2022 14:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wie zufrieden sind Polizeibedienstete in Niedersachsen? Das Innenministerium in Hannover, zuständig für die Polizei im Land, hat am Montag in Hannover die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung vorgestellt. Foto: IMAGO/Marius Bulling
Wie zufrieden sind Polizeibedienstete in Niedersachsen? Das Innenministerium in Hannover, zuständig für die Polizei im Land, hat am Montag in Hannover die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung vorgestellt. Foto: IMAGO/Marius Bulling
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Wie zufrieden sind Polizeibedienstete in Niedersachsen? Das Land hat am Montag die Ergebnisse eine Mitarbeiterbefragung vorgestellt - mit überraschenden Erkenntnissen.

Viele junge Menschen stehen momentan vor der Frage, wie es nach Ende der Schulzeit im kommenden Jahr für sie weitergehen könnte. Auch die Polizei in Niedersachsen wirbt um Nachwuchs und es laufen Einstellungstests. Doch ist es attraktiv, bei der Polizei zu arbeiten?

Im Großen und Ganzen schon. Diesen Schluss jedenfalls legt eine aktuelle Mitarbeiterbefragung nahe, die Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag in Hannover vorgestellt hat.

Ende 2021 hat es zum dritten Mal nach 2015 und 2018 eine flächendeckende Befragung der Mitarbeiter der Polizei Niedersachsen gegeben. Nachdem sich im Jahr 2018 knapp 12.000 Beschäftigte (51,9 Prozent) beteiligten, haben den Angaben zufolge im Jahr 2021 mehr als 14.500 Mitarbeiter und damit 60 Prozent der Gesamtbelegschaft teilgenommen.

Laut Innenministerium hat die Befragung folgende zentrale Erkenntnisse hervorgebracht: Die Teilnehmer attestieren im Vergleich zu 2018 eine höhere Arbeitszufriedenheit. Sie beschreiben ein überwiegend gutes Teamklima und bescheinigen ihren unmittelbaren Vorgesetzten ein überwiegend gutes Führungsverhalten. Die Personalsituation wird im Vergleich zu 2018 als weiter verbessert wahrgenommen.

Ein knappes Drittel der Mitarbeiter sieht sich durch entsprechende technische Ausstattung in die Lage versetzt, zumindest gelegentlich und je nach Eignung des Arbeitsplatzes im Homeoffice zu arbeiten. Gefragt nach den alltäglichen Arbeitsbelastungen fühlen sich 63 Prozent der Befragten genau richtig gefordert. Von tendenzieller oder temporärer Über- oder auch Unterforderung sprechen 34 Prozent und damit weniger als im Jahr 2015 (40 Prozent).

Insgesamt ist die Belastungssituation den Angaben zufolge im Vergleich zu 2018 gleichbleibend auf mittlerem Niveau. Als besonders belastend werden hauptsächlich Verletzungen von Kollegen und Kinder als Verbrechensopfer empfunden.

Innenminister Pistorius stellte in diesem Zusammenhang klar, dass seine Initiative, Polizeibeamte, die regelmäßig an Leichenschauen teilnehmen oder Kinderporno-Bilder auswerten, vier Tage Sonderurlaub im Jahr zu gewähren, kurz vor der Beratung im Kabinett stehe. Der SPD-Politiker sagte kürzlich im Interview mit unserer Redaktion, dass er auf eine kurzfristige Umsetzung noch in diesem Herbst hoffe.

Mit Blick auf die aktuelle Mitarbeiterbefragung betonte der Minister, dass er sich besonders darüber freue, dass die Arbeitszufriedenheit insgesamt weiter gestiegen sei. Auch das Teamklima, die Personalausstattung und das Führungsverhalten würden als gut wahrgenommen.

Unterdessen hat Pistorius in der Frage nach kostenlosen Fahrten im Nahverkehr für Polizeibeamte ohne Uniform Gespräche angekündigt. „Wir schauen, was für welche Gruppen erreicht werden kann“, sagte der Minister am Montag in Hannover. Die Gewerkschaft der Polizei hat eine entsprechende Forderung formuliert und argumentiert, dass auch Beamte, die keine Uniform tragen, für Sicherheit in Bus und Bahn sorgen könnten. Deshalb sollten sie sich künftig auch durch andere Merkmale als Polizeiangehörige erkennbar machen können.

Bislang können Polizistinnen und Polizisten den Nahverkehr der Gewerkschaft zufolge nur in Uniform ohne Ticket nutzen. Landeschef Kevin Komolka sagte, nicht alle Polizisten trügen ständig Uniform: „Dass diese Kolleginnen und Kollegen nur dann kein Ticket lösen müssen, wenn sie sich für die Bahnfahrt eine Uniform anziehen, ergibt wenig Sinn.“

Die Polizei sorge auch unabhängig von der Kleidung für Sicherheit, indem sie Präsenz zeige, für Fahrgäste und Personal ansprechbar sei und im Notfall eingreifen könne. „In Baden-Württemberg ist es so, dass das offene Tragen des Dienstausweises sowie das Mitführen von Dienstwaffe und Handfesseln zur kostenlosen Nutzung des Nahverkehrs berechtigen“, sagte Komolka. „Das ist eine gute Regelung, an der wir uns in Niedersachsen orientieren möchten.“

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