Nahverkehr im Landkreis Leer  Macht das Gratis-Ticket die Schulbusse jetzt noch voller?

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 29.08.2022 18:32 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Schulbussen wird es wohl bald etwas enger. Foto: Gercke/DPA
In Schulbussen wird es wohl bald etwas enger. Foto: Gercke/DPA
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Das neue Jugendticket ist da. Nicht für alle ist es gratis. Doch sparen können viele junge Leute. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Landkreis Leer - Das neue Schuljahr ist erst einige Tage alt. Das neue Jugendticket gilt aber schon seit dem 1. August. Schülerinnen und Schülern steht damit ab sofort zum Nulltarif der gesamte Nahverkehr im Gebiet des Verkehrsverbundes Ems-Jade (VEJ) zur Verfügung. Das bedeutet: An 365 Tagen im Jahr können die Schüler mit ihrem Ticket in den Landkreisen Aurich, Friesland, Leer und Wittmund sowie den beiden Städte Emden und Wilhelmshaven Bus fahren.

Was und warum

Darum geht es: Das neue Jugendticket ist da.

Vor allem interessant für: Schülerinnen, Schüler und Eltern.

Deshalb berichten wir: Aktuell läuft die Ausgabe der neuen Tickets.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Wer bekommt das Ticket?

Wie die Kreisverwaltung erklärt, erhalten alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 13 sowie alle Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schulen, sofern sie dort Vollzeitunterricht haben, ein kostenloses Ticket. Einen Rechtsanspruch auf das Ticket gebe es nicht, da es sich um eine freiwillige Leistung des Landkreises Leer handelt. Auszubildende müssen daher ihr Jugendticket selbst bezahlen, sparen jedoch mit dem Angebot im Vergleich zu bisherigen Abo-Tickets deutlich. Sie zahlen für eine Monatskarte 50 Euro, für ein Jahresabo 360 Euro. Das gilt auch für Praktikanten und Bundesfreiwilligendienstleistende. Studenten erhalten dagegen kein Jugendticket.

Derzeit laufe die Verteilung direkt über die Schulen, erklärt Kreissprecher Philipp Koenen. Das sei noch nicht abgeschlossen. VEJ-Sprecherin Sonja Brandt erklärt deshalb gegenüber der Redaktion, dass in den ersten zwei Wochen nach Ende der Sommerferien Kulanz herrschen werde. Schüler, die ihr Ticket noch nicht erhalten haben, sollen demnach trotzdem kostenlos befördert werden. Auch Brandt bestätigt, dass die Ausstellung der Tickets noch laufe. Das liege auch daran, dass die Umstellung auf das neue Schülerticket kurzfristig erfolgte.

Sind bald die Busse überfüllt?

Tatsächlich rechnen sowohl der Landkreis Leer als auch der VEJ mit einer erhöhten Nachfrage. Durch den Gratistransport im Bus und Spritpreisen in Rekordhöhe verliert das Eltern-Taxi an Attraktivität. Hinzu komme, dass die Schülerinnen und Schüler auch in ihrer Freizeit jetzt öfter mit dem Bus unterwegs sein könnten, so Kreissprecher Philipp Koenen. „Wieviel mehr Kinder und Jugendliche deshalb nun den Bus nehmen, wissen wir aber noch nicht. Die Zahl der Fahrzeuge würde an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden, dafür werden bei Bedarf Fahrgastzählungen durchgeführt“, sagt er.

Auch beim VEJ rechnet man mit volleren Bussen in der Region – und das nicht nur in den Stoßzeiten. „Die Schüler sind jetzt wirklich frei in ihrer Bewegung“, sagt Sonja Brandt. Der VEJ sehe sich aber für steigendes Passagieraufkommen gewappnet. „Durch das 9-Euro-Ticket sind wir geübt“, erklärt Brandt. „Falls wir merken, dass die Busse voll sind, sind wir vorbereitet, weitere Fahrzeuge einzusetzen.“

Was, wenn ein Schüler sein Ticket vergisst?

In der Vergangenheit gab es vereinzelt Beschwerden aus der Schülerschaft: Wenn das Ticket zuhause vergessen wurde, wäre die Mitnahme verweigert worden. Auf die Frage, ob nun, da alle Schüler Anspruch haben, nicht einfach ein Schülerausweis genügen könnte, erklärt der Landkreis-Sprecher: „Das Jugendticket ist für viele kostenlos, aber eben nicht für alle. Insofern muss schon nachgewiesen werden, dass man berechtigterweise gratis mitfahren darf. Also wird man das Ticket dabei haben und bei Bedarf vorzeigen müssen.“

VEJ-Sprecherin Sonja Brandt betont, dass ein Ticketnachweis wichtig ist, setzt aber auch auf das Fingerspitzengefühl der Busfahrer. Die würden in Ostfriesland die Schüler, die sie allmorgendlich transportieren oft persönlich kennen. Für den Fall, dass es trotzdem einmal Ärger geben sollte, sagt sie: „Jemanden an der Haltestelle stehen zu lassen, ist keine Option.“ Wer schlechte Erfahrungen mache, könne sich mit dem VEJ in Verbindung setzen.

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