Berlin „Quiet Quitting“ – Weshalb viele Arbeitnehmer nur noch das Nötigste machen
„Quiet Quitting“ ist gerade ein großes Thema – vor allem in den USA. Dabei hat es per se gar nichts mit einer Kündigung zu tun, sondern viel mehr mit Selbstfürsorge. Was es mit „Quiet Quitting“ auf sich hat.
Auch nach Feierabend noch die eine oder andere E-Mail beantworten oder noch zusätzlich zu den eigenen, die Aufgaben des erkrankten Kollegen übernehmen: Die Corona-Pandemie hat auch im Arbeitsleben der US-Amerikaner Spuren hinterlassen. Das spiegelt sich jetzt im „Quiet Quitting“-Trend wider.
„Quiet Quitting“, also „stille Kündigung“: Anders als der Name vermuten lassen würde, handelt es sich bei dem Trend allerdings nicht darum, tatsächlich zu kündigen. Vielmehr sollen nur die Aufgaben im Job erledigt werden, für die man eingestellt und auch bezahlt wird.
Kathy Caprino, Karriere- und Führungscoach, erklärt im Gespräch mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender „CNN“: „Es geht darum, nicht mehr die Arbeit zu machen, von der man glaubt, dass sie über das hinausgeht, wofür man eingestellt wurde, und für die man nicht entlohnt wird.“
Das dürfe nicht mit fehlender Motivation verwechselt werden – denn die Arbeitnehmer seien hierbei immer noch hervorragend in ihrem Job. Sie ziehen aber durchaus zu ihrem eigenen Wohlbefinden Grenzen: Deshalb werden keine Überstunden mehr gemacht und auch zusätzliche Aufgaben werden meist abgelehnt. Außerdem sollen durch das „Quiet Quitting“ unregelmäßige Arbeitszeiten vermieden werden.
Das Phänomen sei vor allem dadurch entstanden, dass die Unternehmen ihren Mitarbeitern während der Pandemie zusätzliche Aufgaben aufgebürdet haben – und auch bestimmte Regeln, wie die Rückkehr zur Arbeit im Büro nach einer langen Zeit im Homeoffice, frustrierten die US-Amerikaner.
Beim „Quiet Quitting“ geht es deshalb nun insbesondere darum, sich selbst zu fragen, welche Aufgaben am wichtigsten sind und seine Prioritäten so zu setzen. Dabei sei es wichtig, seinem Chef diese Prioritäten aber auch mitzuteilen – auch um Missverständnisse zu vermeiden.
Teil des „Quiet Quitting“ ist es, pünktlich Feierabend zu machen und außerhalb der Arbeitszeiten wirklich nicht zu arbeiten. Nach der Arbeit soll der Fokus dann nämlich auf das Privatleben gelegt werden können: Zeit für Freunde, Familie und Hobbys sind hier ein wichtiger Bestandteil des Trends.
„Quiet Quitting“ darf aber nicht mit einer „inneren Kündigung“ gleichgesetzt werden – bei einer inneren Kündigung sind Mitarbeiter nämlich so unzufrieden, dass sie eine geringere Arbeitsleistung erfüllen, als vertraglich festgelegt. Beim „Quiet Quitting“ werden im Gegensatz dazu, alle notwendigen Aufgaben erledigt.
Im Gespräch mit dem US-Radiosender „NPR“ kritisiert Startup-Berater Ed Zitron deswegen: „Der Begriff legt nahe, dass die Arbeitnehmer, die einfach ihren Job machen, in irgendeiner Form gekündigt haben. Die Arbeitnehmer wirken dann wie die Bösen, wenn sie nur Job nach Vorschrift machen.“
Wie der „Stern“ analysiert hat, könnte „Quiet Quitting auch für Deutschland an Relevanz gewinnen: Auch in hier sind Überstunden und zusätzliche Aufgaben bei vielen Arbeitnehmern Alltag. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben durchschnittlich rund 4,5 Millionen Deutsche im letzten Jahr Überstunden geleistet. Circa 22 Prozent der Überstunden waren dabei unbezahlt.
Diese Statista-Grafik zeigt, dass Überstunden allerdings nicht erst seit der Pandemie ein Problem sind. Der Höhepunkt der unbezahlten Überstunden findet sich hier nämlich weit vorher: 2007.
Bereits im vergangenen Jahr stellte sich das Wirtschaftsministerium die Frage, ob und wie sich das Arbeitsverhalten durch die Corona-Pandemie bereits verändert hat und noch verändern wird. Auch hier wird bereits davon gesprochen, dass sich viele Arbeitnehmer nach einer chaotischen Arbeitsphase während der Pandemie einen geregelteren Arbeitsalltag zurückwünschen – inklusive Trennung von Arbeitszeit und Freizeit.