Spannung und Tourismus  Ostfriesland-Krimis ziehen viele Gäste in die Region

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 30.08.2022 12:12 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf sind Markenbotschafter für Ostfriesland. Foto: privat
Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf sind Markenbotschafter für Ostfriesland. Foto: privat
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Leser von Ostfriesland-Krimis werden durch die Lektüre neugierig auf Land und Leute. Etliche Städte nutzen das Potenzial. Eine hat besonders gute Karten.

Landkreis Aurich - Krimis befeuern die Neugierde. Das gilt nicht nur für die Frage, wer der Täter ist. Oder für das Motiv eines Mordes. Sie können bei dem ein oder anderen Leser die Lust entfachen, mal mit eigenen Augen zu sehen, wie die Krabbenkutter im Neuharlingersieler Hafen schaukeln. Ob sie tatsächlich ein so idyllisches Bild abgeben, wie es Christiane Franke in ihren Krimis zeichnet. Die Bestseller-Autorin aus Wilhelmshaven hat mit ihren Werken ebenso wie ihre Kollegen dazu beigetragen, dass Touristen nach Ostfriesland und speziell in den Landkreis Aurich kommen. Dort lässt der Norder Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf nämlich Ann Kathrin Klaasen ermitteln. Die Kommissarin hat ihr Büro in der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund am Fischteichweg in Aurich. Doch nicht nur sie. Auch Jakob Heiler, der eigenwillige Fahnder aus Barbara Wendelkens Norderney-Trilogie, kehrt von seinen Einsätzen auf der Insel an diesen Schreibtisch zurück.

Spannend, spannend mag der ein oder andere Krimi-Fan denken. Bei der Entscheidung für den nächsten Urlaubsort kommt dann auch Aurich in die engere Wahl. Oder Norden. Oder vielleicht sogar das Große Meer. Hatte in Bedekaspel nicht ein Surfer einen mysteriösen Unfall? Welcher Autor hat sich das ausgedacht? Wie nehmen Touristiker vor Ort diese Entwicklung wahr? Welche Impulse gehen von den Krimis aus? „Die Ostfriesland-Krimis wirken sich positiv auf die Region aus. Wir merken es unter anderem an der Nachfrage unserer Krimilesungen im Haus am Meer. Diese werden von uns aktiv beworben und sowohl von Touristen als auch Einheimischen gerne besucht“, sagte Michaela Roschmann von der Südbrookmerland Touristik GmbH. Auch für 2023 plane man wieder etliche Lesungen mit Krimi-Autoren. Aurichs Tourismuschef Marco Bordasch spannt den Bogen erstmal ganz weit, bevor er konkret wird. Er denke dabei vor allen Dingen an Fernsehformate, weil diese eine sehr hohe Reichweite haben. „Beliebte regelmäßige TV-Formate wirken sich sicherlich touristisch positiv auf die Region aus. Beispiele dafür gibt es reichlich, von der Schwarzwaldklinik aus den 80er Jahren oder den Bergdoktor, über den Landarzt bis hin zu der Serie Rote Rosen“, sagte Bordasch.

„Guter Markenbotschafter für die Region“

Auch die Ostfriesenkrimis sorgten für ein positives Image der Region. Das werde sicher dadurch gefördert, dass die Region in der Regel sehr klischeehaft positiv dargestellt werde: markante Landschaft, weite Himmel, idyllische Dörfer und urige Typen. „Von unseren Kollegen aus Greetsiel habe ich in der Vergangenheit immer wieder mal die Information bekommen, dass die Anfragen sprunghaft nach oben geschossen sind, wenn Charlotte Lindholm im ,Tatort’ am Sonntagabend durch Greetsiel schlenderte.“ Auch Klaus-Peter Wolf sei unbestritten ein „guter Markenbotschafter für die Region“.

Wolf hat durch seine Ostfriesen-Krimis den Boom maßgeblich entfacht. Davon profitieren auch die Städte Norden und Norddeich. „Das sind beliebte Urlaubsziele. Wir waren in diesem Jahr sehr gut gebucht, und das liegt sicher nicht zuletzt an den Ostfriesenkrimis. Ein Großteil der Schauplätze in den Romanen lässt sich vor Ort besichtigen, das zieht Fans aus ganz Deutschland an, sogar aus Österreich und der Schweiz“, sagte Inga Graber auf Anfrage. Die Sprecherin der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden ergänzte, dass ein besonderer Reiz offenbar darin bestehe, dass Gäste einige der Romanfiguren persönlich treffen könnten. Das gelte etwa für Jörg Tapper im Café ten Cate.

Eigene Ausstellung mit Requisiten

Wie nutzt die Stadt diesen Hype? Die Zusammenarbeit mit Klaus-Peter Wolf sei sehr eng. Es gebe beispielsweise regelmäßig Stadtführungen zu den Ostfriesenkrimis. Am Mittwoch werde in Norddeich eine eigene Ausstellung zum Thema eröffnet. „Darin stellen wir den Autor und seine Frau vor und geben Einblicke in die Verfilmungen der Bücher, zeigen Original-Requisiten und sogar eine Kladde samt Füller von Klaus-Peter Wolf“, so Inga Graber.

Das Potenzial des Genres hat auch die Ostfriesland Tourismus GmbH mit Sitz in Leer erkannt. „Ostfrieslands dunkle Seite“ wird auf der Homepage vermarktet. „Ostfrieslands grauer Himmel, Moorlandschaften und die raue See bieten eine ideale Kulisse für Krimis. Hier kann schnell eine Leiche im Dickicht verschwinden.“ So wird der Beitrag angeteasert. Dann folgt eine allgemeine Einordnung. Buchtipps von Werken einheimischer Autoren dürfen nicht fehlen. Die Tourismus GmbH habe das Potenzial, das in diesen Krimis steckt, schon vor geraumer Zeit erkannt, sagte Wiebke Leverenz. Die Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH spricht von Synergieeffekten, die das Thema auslöse. So würden Gäste durch die Krimis in die Region gelockt. Wenn sie diese in natura sehen, verfallen sie schnell ihrem Reiz. Sind sie erst wieder zu Hause, schwelgen sie durch die Bücher in Erinnerungen - bis zum nächsten Urlaub.

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