Hamburg  Smarte Container: So will Hapag-Lloyd jetzt das Lieferketten-Chaos lindern

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 30.08.2022 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitarbeiter Marius Paluch befestigt an einem Hapag-Lloyd-Container ein Live-Tracking Gerät. Foto: Marcus Brandt
Mitarbeiter Marius Paluch befestigt an einem Hapag-Lloyd-Container ein Live-Tracking Gerät. Foto: Marcus Brandt
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Die Hamburger Reederei digitalisiert als erste Großreederei ihren Boxenbestand. In einem Containerbetrieb in Wilhelmsburg ist zu beobachten, wie das aussieht.

Hapag-Lloyd macht die Container smart: Deutschlands größte Reederei bestückt seinen gesamten Bestand an Stahlboxen mit Ortungsgeräten, die jederzeit per GPS Daten zu Standort und Zustand der Transportkisten übermitteln. Nach eigenen Angaben sind die Hamburger die erste Reederei weltweit mit einem derartigen flottenweiten Tracking.

Das Traditionsunternehmen vom Ballindamm sieht die Digitalisierung auch als Möglichkeit, das globale Durcheinander in den Lieferketten abzumildern. „In Zukunft werden wir in der Lage sein, allen unseren Kunden Track-and-Trace-Daten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen und ihnen damit volle Transparenz über alle Containerbewegungen weltweit zu bieten“, erklärt Maximilian Rothkopf, Organisationsvorstand von Hapag-Lloyd. 

Dank der Technik könnten Verspätungen früher erkannt und die betroffenen Firmen automatisch informiert werden. Diese haben dann die Möglichkeit, ann dschnell Gegenmaßnahmen einzuleiten. Rothkopf: „Wir sind fest davon überzeugt, dass unser Echtzeit-Tracking-Ansatz nicht nur für unsere Kunden von Vorteil sein wird, sondern die gesamte Containerschifffahrtsbranche verändern wird.“ 

Bislang wissen Reedereien, Lieferanten und Abnehmer nicht von jeder Box, wo sie sich gerade befindet. Infolge der Corona-Lockdowns sind die maritimen Lieferwege seit mehr als zwei Jahren schwer gestört. Dazu gehört auch, dass Millionen Leercontainer nicht dort bereitstehen, wo sie für den Transport von Waren dringend benötigt werden. 

Die Ausstattung der rund drei Millionen Container von Hapag-Lloyd mit den Tracking-Einheiten hat in diesem Monat begonnen. Am Dienstag gab die Reederei im Containerlager von CMR in Wilhelmsburg einen Einblick in die Technik. Die Ortungsgeräte in der Größe und im Format eines kleineren Schuhkartons, werden dauerhaft von außen an den Boxen verschraubt. Sie liefern nicht nur Standortdaten, sie messen auch die Temperatur sowie Erschütterungen des Containers. Ein Gerät kostet rund 100 Euro pro Stück. In Zukunft könnten zudem weitere Sensoren über Bluetooth angeschlossen werden.

Um die Sicherheit von Besatzung, Ladung und Schiffen zu gewährleisten, sind die Tracker den Angaben zufolge explosionssicher konzipiert. Der erste Teil der Containerflotte erhält ab sofort Geräte des Münchener TradeTech-Unternehmens Nexxiot AG, im Laufe des Jahres werden auch Einheiten von ORBCOMM verbaut, ein weltweit führender Anbieter im Bereich des Internet of Things. „Unsere Vision ist es, die intelligenteste Containerflotte der Welt aufzubauen“, sagt Olaf Habert, zuständig für Container-Applications bei Hapag-Lloyd.. Trackingtechnologie sei genau das, was die Kunden jetzt brauchten und zunehmend auch erwarteten, „damit sie ihre komplexen Lieferketten besser managen können“.

Die weltweiten Lieferkettenprobleme haben sich zuletzt entspannt. Hapag-Lloyd-Vorstandschef Rolf Habben Jansen sieht klare Anzeichen für eine Normalisierung. „Vor sechs Monaten war jedes unserer Schiffe drei- oder vierfach überbucht, jetzt sind die Schiffe vielleicht noch zu 20 Prozent überbucht. Das ist ein wesentlicher Indikator“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Auch die Rücklaufzeiten für Leercontainer seien gesunken. Und die Lage in den Häfen habe sich ebenfalls weiter entspannt, von der Westküste der USA über Asien bis nach Südamerika.

Hapag-Lloyd ist die weltweit fünftgrößte Linienreederei mit mehr als 250 Schiffen und 3,1 Millionen Containern. Der Gewinn hatte sich 2021 auf neun Milliarden Euro fast verzehnfacht.

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