Neue Ideen für Aurich Markthalle als Brauhaus? Oder sind Hopfen und Malz verloren?
Begrünte Dächer, ein brandneues Heiz-Konzept oder ein stylisches Brauhaus − an Konzepten für die Markthalle in Aurich mangelt es nicht. Jetzt kommt es vor allem auf eines an.
Aurich - Wäre die Auricher Markthalle eine Frau, müsste sie bald Angst vor den ersten Falten haben. Vor 31 Jahren wurde die Stahl-Glas-Konstruktion von dem Investor Manfred Hellwig errichtet. Jetzt ist Zeit für eine optische und gestalterische Gesichtsstraffung. Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag mit den derzeitigen Betreibern aus. Bis dahin sollte die Stadt ein Konzept für die Zukunft entwickelt haben, zumal sich erste Auflösungserscheinungen breitmachen. So wird überraschend Martin Lorenz seine Backfiliale in der Markthalle zum 1. Oktober schließen, wie eine Sprecherin des Auricher Unternehmens bestätigte.
Die Redaktion wollte wissen, welche Optionen es gibt. Wie wird das Bauwerk genutzt? Was muss saniert werden? Welche Visionen gibt es für die Markthalle?
Vision 1: Die Markthalle wird wieder ein Brauhaus
Die Markthalle ist früher als Brauhaus genutzt worden. Sie war an die Gastronomen Günther Held und Jürgen Garrels verpachtet. Das Modell scheiterte allerdings. Derzeit sind regionale Biersorten wieder sehr gefragt. Die Redaktion hat mit heimischen Brauern gesprochen, ob das eine Option wäre. Tobias Pape vom Norderneyer Brauhaus winkt ab: „Wie produzieren nur auf der Insel. Daran wollen wir auch nichts ändern.“ Der Norderneyer hält es aus Klimaschutzerwägungen für unvernünftig, Bier durch die Gegend zu fahren. Es solle nur dort getrunken werden, wo man es herstellt.
Das würde auf die Brauerei Probier zutreffen, die von dem Unternehmer Ewald Maas betrieben wird. Der war allerdings für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Vision 2: Ein Unternehmer kehrt zu den Wurzeln zurück
Günther Held war vor 31 Jahren der Mann der ersten Stunde. Er hat die Markthalle in einen gastlichen Ort verwandelt. In den vergangenen Jahren hat sich der Auricher einen Namen als Retter schöner historischer Häuser gemacht. Auf Norderney restaurierte er unter anderem das denkmalgeschützte Gebäude der „Norderneyer Badezeitung“ in der Lange Straße. Außerdem kaufte und sanierte er 2017 in der Luisenstraße 25 das Weiße Haus am Meer. Auf die Frage der Redaktion, ob er nicht auch Ideen für die Markthalle habe, stutzt er kurz und sagt dann, dass er keine Lust auf den Ärger mit der Politik habe. Er meint den mühevollen Gang durch alle Instanzen, um eine Sanierung so umsetzen zu können, wie er sie für richtig hält. „Wenn man die Markthalle entwickeln möchte, muss man wirklich gute Leute ranholen“, ist Günther Held überzeugt. Grundsätzlich würde er nicht ausschließen, dass ihm zu der Glas-/Stahlkonstruktion etwas einfallen könnte.
Vision 3: Die Markthalle ganz neu gedacht
Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß ist mit ihrem Team schon seit Wochen dabei, das Potenzial der Markthalle auszuloten: „Wir bewegen uns dabei dreigleisig.“ Das heißt, dass sie durchspielt, wie die Halle als Ganzes oder unterteilt in Segmente funktionieren könnte. Die dritte Variante bezieht sich auf einen Abriss. „Das wäre auch eine Option“, sagt die Chefin der Bauverwaltung. Sie sieht durchaus ungenutzte Möglichkeiten in dem Bauwerk, konkret in seinem Standort auf der zweigeschossigen Tiefgarage. Man könnte die Abwärme dieses Untergrunds nutzen, um die Halle zu temperieren. „Das würde über einen Wärmetauscher funktionieren“, sagt Alexandra Busch-Maaß. Sie habe diese Möglichkeit bereits mit potenziellen Geldgebern erörtert, die diesem Modell sehr aufgeschlossen gegenüberstünden. Als innovativ sei auch die Möglichkeit einer Dachbegrünung anzusehen. Dafür könnte man die seitlichen Flächen der Markthalle nutzen. Dann müsste man nur die richtigen Pflanzen aussuchen. „Dafür würde sich Schnittlauch eignen. Das duftet auch noch gut.“ Alexandra Busch-Maaß hofft, dass sie den Ratsmitgliedern in den nächsten Wochen konkrete Nutzungs-Vorschläge machen kann.
Vision 4: Die Markthalle verschwindet
Es gibt einige Befürworter eines Abrisses der Markthalle. Die Auricher Grünen-Ratsfrau Gila Altmann gehört dazu. „Das Gebäude macht die Struktur des Wochenmarktes kaputt, es hängt die Geschäftsleute in der Norderstraße ab und verhindert eine einheitliche Optik auf dem Platz selbst“, argumentiert die Politikerin. Es fehle einfach seit Jahren ein Gesamt-Konzept für das Gebäude, das zudem jahrzehntelang von der Stadt finanziell unterstützt worden sei: „Es konnte sich niemals selbst tragen. So war das am Anfang nicht gedacht.“ Die Gesamtheit dieser Gründe spreche für ein Verschwinden der Markthalle, und zwar am besten gleich Anfang des kommenden Jahres, sofern sich kein tragfähiges Konzept finden lasse. Gila Altmann fürchtet nämlich, dass das mittlerweile ungepflegt wirkende Gebäude negativ auf das Verhalten von Passanten ausstrahle.