Räuberischer Diebstahl Brutaler Autodieb schlug auf Aldi-Parkplatz zu
Ein 44-Jähriger soll einer Frau auf einem Aldi-Parkplatz in Aurich den Autoschlüssel entrissen haben. Bei einer zweiten Tat war ein Messer im Spiel.
Aurich - Ein 44-jähriger Angeklagter soll einer Frau auf einem Aldi-Parkplatz in Aurich den Autoschlüssel entrissen und die beherzt Zugestiegene aus dem fahrenden Wagen geworfen haben. Wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung muss er sich vor dem Auricher Landgericht verantworten.
Zusätzlich soll er an einer gemeinschaftlichen räuberischen Erpressung beteiligt gewesen sein. Der Drogensüchtige, der in einem roten Kapuzenpulli erschienen ist und gute Manieren an den Tag legte, bestritt beide Taten.
Dealer mit Messer bedroht
Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, am 13. Juli 2020 gemeinsam mit drei gesondert Verfolgten einen Auricher Dealer in dessen Wohnung aufgesucht zu haben. Unter Vorhalt eines Messers sollen von dem Opfer Geld oder Drogen gefordert worden sein. Der eingeschüchterte Dealer händigte schließlich 30 Euro aus. Das Eintreffen der Polizei, von einer Hausbewohnerin aufgrund des hörbaren Tumults gerufen, beendete den Vorfall.
Die zweite angeklagte Tat soll sich am 19. November 2020 ereignet haben. Der Angeklagte soll auf dem Aldi-Parkplatz Hammerkeweg einer Frau den Zündschlüssel weggenommen haben, als sie ihre Einkäufe verstauen wollte. Sie konnte noch einsteigen, während er anfuhr. Bei der Fahrt soll er sie aus dem Auto gestoßen haben. Sie erlitt Prellungen und Schmerzen. Das Auto wurde in Frankreich sichergestellt.
Angeklagter schildert beide Vorfälle anders
Der Mann räumte am Montag über seinen Verteidiger ein, im Juli in der Wohnung des Dealers gewesen zu sein. Der habe für sie Drogen besorgen wollen, und dafür im Vorfeld Geld ausgehändigt bekommen. Weil er die Betäubungsmittel aber nicht beschafft habe, habe es „lediglich eine laute Diskussion um das Geschäft“ gegeben. Drohungen und Gewalt seien nicht zum Einsatz gekommen. Er habe „auch kein Messer gesehen“.
Bezüglich der zweiten Anklage äußerte der 44-Jährige, er habe seinen kranken Onkel in Frankreich besuchen wollen. Dazu habe er am 19. November gegen 12 Uhr von seinem Neffen in Anwesenheit weiterer Personen dessen Auto geliehen. Er sei am 20. November nach Mitternacht betrunken und unter Drogen losgefahren, und habe im weiteren Verlauf mit dem Pkw einen Unfall gebaut.
„Ihre Geschichte ist schon eine ganz schöne Räuberpistole“
„Ein bis zwei Stunden später habe ich in Frankreich eine Tat begangen, weil ich abhängig bin“, fuhr er fort. Er habe einer Frau den Autoschlüssel aus der Hand genommen und in Bordeaux mit diesem Fahrzeug ebenfalls einen Unfall gebaut. „Es tut mir wirklich leid, dass ich das alles getan habe“, entschuldigte er sich. Bei Aldi in Deutschland sei das jedoch nicht passiert – „da gibt es eine Kamera und Leute“, verwies er auf mögliche Beweismittel. Verletzt habe er auch niemanden.
„Ihre Geschichte ist schon eine ganz schöne Räuberpistole“, meinte der Vorsitzende Richter Bastian Witte zu dem Angeklagten. Zeugen dazu sind am Fortsetzungstermin geladen.
„Gib mir Drogen, sonst passiert was“
Der Richter wies darauf hin, dass die Geschädigte – sie soll mit einem Baseballschläger aus dem Auto gestoßen worden sein – am 20. November um 14.40 Uhr in Aurich Anzeige erstattet habe.
Die Tat im Juli wurde von Zeugen in etwa so geschildert, wie in der Anklage niedergelegt. Der Angeklagte habe gesagt „Gib mir Drogen, sonst passiert was“, bekundete ein 36-jähriger Kumpel des Opfers, der bei dem Überfall dabei gewesen ist. Ihnen sei ein Wellenschliff-Messer gezeigt worden.
Der Prozess wird am 12. September um 9 Uhr in Saal 116 fortgesetzt und am 14. September ab 9 Uhr in Saal 003 beendet.