Mehr Wolfsrisse in Friesland  Nun droht der Abschuss des Wolfes

| | 06.09.2022 15:00 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zwei Wölfe reißen sich um ein Stück Fleisch während der Fütterung im Wildpark Eekholt. Foto: Marcus Brandt/dpa
Zwei Wölfe reißen sich um ein Stück Fleisch während der Fütterung im Wildpark Eekholt. Foto: Marcus Brandt/dpa
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Vier vom Wolf gerissene Rinder innerhalb von fünf Tagen – die Landwirte um Jever fordern seinen Tod. Vielleicht kommt das auch: Das Umweltministerium arbeitet an einer Genehmigung für den Abschuss.

Friesland - Die Zahl der gerissenen Rinder im Umfeld eines bestätigten Wolfsrudels in der Gemeinde Friedeburg hat in den vergangenen Tagen rasant zugenommen: Seit Donnerstag vergangener Woche wurden vier getötete Tiere gezählt. So bestätigt es die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die für Wolfsrisse bei Nutztieren zuständig ist. Bei dreien sei schon klar, dass es ein Wolf war.

Was und warum

Darum geht es: Nach den jüngsten Wolfsrissen in Wittmund und Friesland wird an einer Ausnahmegenehmigung für den Abschuss gearbeitet.

Vor allem interessant für: Weidetierhalter, Tierschützer

Deshalb berichten wir: In den letzten Tagen gab es eine auffällige Häufung an Wolfsrissen in Friesland.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de

Demnach wurden am Donnerstag, 1. September, zwei tote Jungrinder in der Gegend um Jever-Sandel entdeckt, zwei Tage später ein totes Jungrind ebenfalls grob in dieser Gegend und wieder zwei Tage später, also an diesem Montag, ein weiteres totes Jungrind in der Gegend von Jever-Cleverns. „Die Landwirte sind sehr, sehr erbost“, kommentiert das der friesische Kreislandwirt Hartmut Seetzen.

Landwirte fordern Abschuss

Seine Forderung ist klar: „Wir wollen den Abschuss des Wolfs“, erklärt er in einem Telefonat am Dienstag. Eigentlich, findet er, müsste das ganze Rudel getötet werden, „denn die jungen Wölfe sind jetzt schon darauf geeicht, Nutztiere zu fressen“. Noch am Montag habe er Umweltminister Olaf Lies (SPD) geschrieben und den Abschuss gefordert, sagt Seetzen noch.

Auf der Seite des Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft Niedersachsen ist für die Gemeinde Friedeburg ein bestätigtes Wolfsrudel mit zwei Welpen gemeldet. Die Felder, auf denen die jüngsten Risse entdeckt wurden, liegen nur wenige Kilometer nördlich der Gemeinde Friedeburg. Auch in anderen angrenzenden Gegenden waren in den letzten Monaten immer wieder junge Rinder durch einen Wolf getötet worden. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer waren es zwei Rinder in Marx (April), eines in Müggenkrug (Juli), eines in Upschört (August) und ein weiteres in Reepsholt (August).

Ministerium arbeitet an Abschuss

Dienstagmittag verbreitete das Umweltministerium in Hannover eine Pressemitteilung, die bei den Landwirten wohl Hoffnung wecken wird: Das Ministerium erarbeite nach den jüngsten Wolfsrissen gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für den Abschuss einzelner regional besonders auffälliger Wölfe, heißt es darin. Die Weidetierhalter seien völlig zu Recht wütend und verunsichert, wird Minister Lies zitiert, man werde da nicht tatenlos zusehen.

Bei einer der letzten genetischen Proben sei der bisher schadensverursachende Wolf als „wahrscheinlich“ bestätigt, teilt das Ministerium weiter mit. Das Gesetz verlange aber eine entsprechende zusätzliche B-Probe. Die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss werde nun erarbeitet, noch während die Labore die rechtlich notwendige Prüfung bearbeiteten. Man sei also sofort handlungsfähig, sobald das Ergebnis der Probe vorliege.

Statistik der toten Tiere

Insgesamt gab es in Niedersachsen zwischen April und Juni 78 Übergriffe auf Nutztiere, so dokumentiert es die Landesjägerschaft in ihrem Bericht zum Wolfsmonitoring im zweiten Quartal 2022. Insgesamt seien dabei 192 Tiere getötet oder so stark verletzt worden, dass sie eingeschläfert werden mussten. Die meisten Übergriffe gab es demnach auf Schafe, am zweitstärksten waren Rinder betroffen. Die Anzahl der Übergriffe sei im Vergleich zum letzten Quartal (73 Fälle) gestiegen, heißt es weiter. Der Wolf sei in 55 der Fälle als Verursacher bestätigt worden; in keinem Fall habe der Wolf als Verursacher ausgeschlossen werden können.

Laut Landesjägerschaft haben sich nachweislich innerhalb der letzten Jahre bis Ende April 2021 mindestens 157 Wolfsrudel, 27 Wolfspaare und 19 residente Einzeltiere in der ganzen Bundesrepublik etabliert. Die Raubtiere seien in Deutschland im Sinne der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union im Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützte Art aufgeführt. Dieser Schutzstatus schließe jedwede Störung oder Beeinträchtigung der Tierart aus und bestrafe Zuwiderhandlungen mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro. Durch diese Unterschutzstellung könnten sich die Wölfe in Deutschland zurzeit auf natürliche Art und Weise ausbreiten.

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