Neue Fußgängerzone Kaufleute an der Osterstraße wütend über Bauarbeiten
Einige Geschäftsleute sind stinksauer. Erst hatte die Stadt von einer lediglich halbseitigen Sperrung gesprochen. Jetzt wurde alles über den Haufen geworfen.
Aurich - Lärm von Baumaschinen, Staub und aufgerissenes Pflaster − dagegen müssen die Kaufleute an der Osterstraße in Aurich seit etwas mehr als zwei Wochen ankämpfen. Die Stadt will auf diesem Teilstück die Sanierung der Fußgängerzone vollenden. Dafür ist eine Baustelle eingerichtet worden, die sich fast über die ganze Breite der Straße zieht, nur an den Rändern gibt es einen schmalen Zugang zu den Geschäften. Der Weg zu den einzelnen Ladenlokalen kann nur mit äußerster Vorsicht beschritten werden − und unter Überwindung einiger Hindernisse. „Als ich am Montag zu meinem Geschäft wollte, türmte sich dort ein Bauschutthügel auf“, wunderte sich Kassandra Dombrowski. Die Auricherin arbeitet in dem Geschäft ihrer Mutter Ires, der Boutique Ires Inspiration in der Osterstraße 19. Sie habe die Bauarbeiter der Firma Strabag darauf hingewiesen, dass sie irgendwie in ihr Ladenlokal gelangen müsse.
Was und warum
Darum geht es: Geschäftsleute in der Osterstraße fühlen sich durch die Bauarbeiten in der Fußgängerzone massiv eingeschränkt.
Vor allem interessant für: Passanten in der Innenstadt, Geschäftsleute
Deshalb berichten wir: Weil Anwohner der Osterstraße sich in der Redaktion gemeldet und auf den Missstand aufmerksam gemacht hatten. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Tatsächlich sei der Hügel dann innerhalb von einer halben Stunde verschwunden. An ihrem Arbeitsplatz indessen fühle sie sich derzeit wie in einer Dreschdiele. In regelmäßigen Abständen müsse man im Kundengespräch gegen den Baulärm anschreien. Das Schlimmste aber: Durch die Baustelle finde kaum noch jemand zu ihrem Geschäft. „Die meisten Kunden denken, dass ich geschlossen habe“, sagt Kassandra Dombrowski. Neulich habe sie durch Zufall eine Kundin an der Passage zur Oldenburgischen Landesbank (OLB) gesehen und ihr zugewinkt. Die Frau habe sich dann zögernd genähert und gesagt: „Ich wollte eigentlich vorbeikommen, wusste aber nicht, ob ihr tatsächlich geöffnet habt.“
Banner an der Baustelle fehlt
Kassandra Dombrowski ärgert sich über die Informationspolitik der Stadt. In der ersten Phase der Sanierung habe man noch ein großes Banner vor der Baustelle platziert. Es habe den Hinweis enthalten, dass alle Geschäfte während der Sanierung erreichbar seien. Flankiert worden sei das Transparent durch einen Aufsteller mit den Namen und Adressen der Geschäfte, die in der Osterstraße vertreten sind. „Warum wird das nicht mehr aufgestellt?“, wollte sie wissen. Jetzt sei sie darauf angewiesen, irgendwie für die Kunden sichtbar zu sein. Früher habe sie Ständer mit Kleidern und anderen Textilien nach draußen gestellt. Das sei jetzt wegen der Baustelle nicht mehr möglich. Deren Breite entspreche zudem nicht ansatzweise dem, was den Geschäftsleuten in Aussicht gestellt worden sei. „Im ersten Anschreiben der Stadt hieß es, dass die Straße halbseitig gesperrt werde“, sagt die Geschäftsfrau. Die Arbeiten würden sich aber tatsächlich fast über die ganze Breite der Osterstraße ziehen.
Auch die anderen Geschäftsleute sind alles anders als glücklich mit der gegenwärtigen Situation. „Ich kann die Kunden, die ich heute hatte, an einer Hand abzählen“, sagte Vanessa Schmumann am Nachmittag. Die Verkäuferin des Bekleidungsgeschäfts Tom Tailor in der Osterstraße 3 sprach davon, dass sie seit der Sanierung im Schnitt nur die Hälfte des sonstigen Umsatzes einfahre. Die Konsequenz: Sie habe zum Teil bereits um 16 Uhr statt um 18 Uhr schließen müssen. Ähnlich halten es andere Geschäftsleute. Meyers Backstube in der Osterstraße 11 etwa. Eine Verkäuferin sagte der Redaktion dort auf Anfrage, dass es derzeit für die Gewerbetreibenden sehr wichtig sei, von Weitem sichtbar zu sein: „Deshalb fahren wir auch die Markise aus. Die ist das Signal dafür, dass wir geöffnet haben und es sich lohnt, über den Schotter zu uns zu kommen.“
Rinne muss erst montiert werden
Was sagt die Stadt zu der Kritik an der Baustelle? Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß verweist auf die spezielle Fertigungspraxis für die Fußgängerzone. In der Mitte verlaufe eine Entwässerungsrinne, die zuerst verlegt werden müsse. „Die befindet sich am tiefsten Punkt. Es ist eine verfahrenstechnische Notwendigkeit, diese zu montieren und dann die Platten an den jeweiligen Hälften daranzusetzen“, sagte die Chefin der Bauverwaltung. Wegen der Entwässerungsrinne, die gleichzeitig ein Orientierungselement für blinde Passanten enthalte, sei es notwendig, die ganze Breite der Straße zu bespielen. Das ändere sich, sobald die Mittelachse fertiggestellt sei. Das sei nach den Planungen von Strabag Anfang Oktober der Fall. Dann werde das Pflaster verlegt, und zwar zunächst in der nördlichen und dann in der südlichen Hälfte.
Alexandra Busch-Maaß hat sich nach dem Info-Banner erkundigt, das im ersten Bauabschnitt vor drei Jahren vor der Baustelle montiert worden war. Dieses habe man aufgespürt und werde es in in den nächsten Tagen erneut anbringen. Grundsätzlich sei es im Übrigen auch möglich, den Platz vor der Baustelle am Marktplatz für das Aufstellen von Auslagen und Waren zu nutzen. Alles, was Geschäftsleute normalerweise vor ihrem Ladenlokal platzierten, könne man theoretisch und praktisch dort ausstellen. „Das muss natürlich beim Ordnungsamt beantragt und genehmigt worden sein“, sagte die Stadtbaurätin einschränkend. Dabei müsse abgeklärt werden, dass es keine Überschneidungen mit dem Wochenmarkt gebe. Im Übrigen müsse sich jeder um den Diebstahlschutz seiner Waren kümmern oder einfach in Kauf nehmen, dass Passanten das ein oder andere Teil mitnehmen.
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