Kolumne: Klare Kante  Den Zeitgeist prägen

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 08.09.2022 09:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Donnerstags gibt es in unserer Kolumne immer klare Kante. Heute geht es um den bevorstehenden CDU-Parteitag und die Rolle des Vorsitzenden Friedrich Merz.

Beim Führungsstil werde er seine Kritiker überraschen, kündigte Friedrich Merz nach der Übernahme des CDU-Bundesvorsitzes an. Beim am Freitag in Hannover beginnenden 35. Bundesparteitag muss der bisher auf einem sanften Anpassungskurs an den Zeitgeist segelnde Sauerländer auf seinen Wiedererkennungswert als klarer Konservativer bei seinen Anhängern mehr Wert als bisher legen. In der schwierigen Balance, das Image des kantigen Haudegens abzulegen, die „Merkelianer“ in der Partei einzubinden und sich strategisch gleichzeitig grün „aufzuhübschen“ , wirkt der neue Mann an der Spitze nicht authentisch. Das ruft in Teilen der Partei Enttäuschung hervor, auch in Umfragen sind die erfolgsverwöhnten Unionsparteien noch immer unter der 30-Prozent-Marke.

Die an einem neuen Grundsatzprogramm arbeitende CDU braucht klare Ziele – in der Energiepolitik, bei der Wiederbelebung der sozialen Marktwirtschaft sowie in der Außen-und Sicherheitspolitik. Dabei handelt es sich um Themen, bei denen der Partei traditionell die größte Kompetenz vom Wähler zugewiesen wird.

Während der von der aktuellen Situation bedrohte Mittelstand um seine Existenz ringt, beschäftigt sich die Partei mit dem leidigen Thema der Frauenquote. Der von Kontingentierung nicht begeisterte Merz, der sich zur Befriedung der Partei auf einen Quoten- Kompromiss eingelassen hat, muss Auseinandersetzungen, aber keine Niederlage befürchten. Die harmoniefetischistische Union folgt zum Schluss immer der Führung. Man erinnere sich an die inszenierte „Merkel-Messe“ auf dem Karlsruher Parteitag 2015, als die Funktionäre der Kanzlerin trotz ihrer über die Flüchtlingspolitik erbosten Parteibasis einstimmigen Rückhalt gab.

Merz, dessen Kompetenz unbestritten ist, könnte bei der Schärfung des Profils der Partei also durchaus mehr wagen. Wertkonservative und Wirtschaftsliberale, die sich von der Union abgewandt haben, warten seit langem auf überzeugende Angebote für eine Rückkehr. Ein moderner und integrativer Parteichef hat den Ehrgeiz, den Zeitgeist zu prägen, nicht hinter ihm her zu laufen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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