Natur im Landkreis Leer Arten, die nicht nach Ostfriesland gehören, machen Ärger
Sie kommen aus fernen Ländern und fühlen sich in Ostfriesland trotzdem wohl. Nutrias bevölkern Wieken. Vielerorts wuchern Pflanzen wie der Japanische Knöterich. Es ist nicht leicht, sie wieder loszuwerden.
Detern - Rein optisch könnten Naturfreunde durchaus Gefallen finden am Anblick der Fallopia japonica oder des Japanischen Knöterichs, wie ihn Botaniker in deutscher Sprache nennen. Doch die unscheinbare Grünpflanze mit ihren großen Blättern sorgt in Ostfriesland für Sorge. Bei ihr handelt es sich um eine sogenannte invasive Art. Das bedeutet, dass sie ursprünglich nicht im Ökosystem der Region vorkam, eingeschleppt wurde und nun zur Plage wird.
Was und warum
Darum geht es: Im Landkreis Leer wuchert eine unerwünschte Pflanze.
Vor allem interessant für: Naturfreunde
Deshalb berichten wir: Ein Leser aus Detern will, dass der Japanische Knöterich entschlossener bekämpft wird. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Jan Schürings, Chef der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland, erklärt, warum die Pflanze Probleme macht: „Sie ist sehr konkurrenzstark, überwuchert andere Pflanzen und nimmt ihnen den Lebensraum.“ Zudem könnten sich viele einheimische Insekten nicht von dem Neuankömmling ernähren. Der Japanische Knöterich mache seit längerem Probleme und tauche seit etwa 15 Jahren an immer mehr Orten auf der ostfriesischen Halbinsel auf. „Wenn er nicht zeitig bekämpft wird, kann man ihn kaum noch loswerden“, so das Fazit des Naturschützers.
Nutrias können Deiche schädigen
Weitere Beispiele seien in der Region etwa der giftige Riesen-Bärenklau oder Nutrias, Biberratten, die sich in den Kanälen der Region pudelwohl fühlen, aber die Deichsicherheit beeinträchtigen können. Die Tiere können die Bauten unterhöhlen. Auch in Ostfriesland hat das schon zu Abbrüchen an Ufern geführt.
Nutrias stammen aus Südamerika und wurden laut dem Deutschen Jagdverband in Deutschland wegen ihres Fleisches und ihres Fells in Farmen gehalten. Entkommene Tiere gründeten eigene Populationen und besiedeln seitdem Flüsse, Seen und Teiche. Schürings erklärt, dass gegen solche Arten entschlossen vorgegangen werden solle. „Sie sollten bekämpft oder ihr Bestand zumindest geregelt werden“, so der Nabu-Chef. „Das ist Naturschutz“, betont er.
Eigentümer ist zuständig für Bekämpfung
Ein Leser aus Detern, störte sich daran, dass zu wenig gegen den Japanischen Knöterich unternommen werde. Diesen konnte er gleich mehreren Orten in seiner Heimatgemeinde ausfindig machen, weshalb er sich an diese Zeitung wandte. Gegen das Wuchern der Pflanze tue die Naturschutzbehörde des Landkreises seiner Meinung nach nämlich zu wenig. Kreissprecher Philipp Koenen erklärt: „Die Standorte in Detern sind dem Landkreis Leer bekannt. Der Japanische Staudenknöterich kommt im Kreisgebiet an zahlreichen Stellen vor. Eine nachhaltige Bekämpfung ist jedoch außerordentlich aufwendig.“
Beim Deterner Bewuchs, über den sich der Leser ärgerte, sei man jedoch gar nicht zuständig. Die betroffenen Grundstücke seien im Eigentum der Gemeinde Detern und der Straßenbauverwaltung, diese müssten sich um den Knöterich kümmern. „Die Gemeinde Detern mäht den betroffenen Lärmschutzwall mehrere Male im Jahr, damit die Blüte verhindert wird“, so Koenen. Bekämpfungsmaßnahmen durch die Straßenbauverwaltung seien dem Landkreis Leer dagegen nicht bekannt.
Mit Mähen ist es nicht getan
Das Problem mit der Pflanze, ist tatsächlich nicht so einfach in den Griff zu kriegen. Denn von bloßem Mähen lässt sich der Eindringling nicht beeindrucken. „Eine Bekämpfung ist aufgrund seiner Wuchskraft jedoch außerordentlich schwierig“, erklärt der Kreissprecher. Der Energievorrat des Japanischen Knöterichs liege im unterirdischen Teil der Pflanze. „Die bloße Vernichtung oberirdischer Pflanzenteile kann deshalb höchstens langfristig zum Zurückdrängen führen.“
Jan Schürings ist skeptisch, dass der Knöterich in absehbarer Zeit wieder aus Ostfriesland verschwinden wird. „Das Problem wird eher größer“, sagt er. Grundsätzlich seien nicht alle Tiere, die aus fremden Ökosystemen eingeschleppt werden ein Problem. Der Japanische Knöterich gehöre aber zu den Problemkindern unter den Neuankömmlingen.