Umbau hat begonnen  Emder Nordseehalle nimmt von Montag an Kriegsflüchtlinge auf

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 08.09.2022 20:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Leiter der neuen Gemeinschaftsunterkunft, Stephan Oelrichs, baute am Donnerstag die ersten Feldbetten auf. Foto: Hock
Der Leiter der neuen Gemeinschaftsunterkunft, Stephan Oelrichs, baute am Donnerstag die ersten Feldbetten auf. Foto: Hock
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Der Aufbau eines Ankunftszentrums und einer Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine in der Nordseehalle läuft. Die ganze Fläche wird aber erst später genutzt.

Emden - Der Aufbau eines Ankunftszentrums und einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine in der Emder Nordseehalle hat am Donnerstag begonnen. Am kommenden Montag sollen dort die ersten Menschen aus dem Kriegsland aufgenommen werden. Den Angaben der Stadt zufolge liegt ihre Zahl zwischen 75 und 100.

Was und warum

Darum geht es: die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine in Emden

Vor allem interessant für: Einwohner von Emden; diejenigen, die sich für die Entwicklung der Flüchtlingssituation in Emden und der Region interessieren

Deshalb berichten wir: In einer Sitzung des zuständigen Ratsausschusses hat die Stadt über den aktuellen Stand der Vorbereitungen zum Aufbau eines Ankunftszentrums und einer Gemeinschaftsunterkunft in der Nordseehalle berichtet.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Zunächst rüsten Mitarbeiter der Stadt und von Wohlfahrtsorganisationen das hintere Drittel der größten Veranstaltungshalle Ostfrieslands für diese Zwecke um. Nach dem für diesen Sonnabend geplanten Gastspiel des Musik-Kabarettisten Pawel Popolski soll am Sonntag ein weiteres Drittel hinzukommen.

Noch ein Konzert und drei Tagungen

Der vordere Teil der Halle wird erst vom 25. September an zur Verfügung stehen, weil dort in der Zwischenzeit noch drei Tagungen stattfinden werden. Auf der gesamten etwa 3200 Quadratmeter großen Fläche können dann 350 Geflüchtete untergebracht werden.

Die Nordseehalle soll zunächst bis zum Jahresende als Ankunftszentrum und Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden. Angesichts des erwarteten Zustroms von Geflüchteten im Winter wird aber mittlerweile damit gerechnet, dass die Halle darüber hinaus diesen Zwecken dienen muss. Das würde auch das endgültige Aus für eine Neuauflage der Emder Eiszeit bedeuten, die im Januar beginnen sollte. Die Stadt selbst hält sich bei der Frage nach der Dauer der Nutzung als Gemeinschaftsunterkunft aber bislang noch bedeckt.

350 Menschen können untergebracht werden

Mit Zelten unterschiedlicher Größe soll in der Halle die Struktur eines Dorfes geschaffen werden. Damit solle „ein gewisser Grad an Privatsphäre“ gewährleistet werden, sagte Wilma Wermuth vom städtischen Fachdienst Gemeinwesen am Mittwoch im Ausschuss des Emder Rates für Soziales, Gesundheit und Integration. Gemeinsam mit Constantin Strauch vom Fachdienst Wohnen stellte sie den Politikern den Stand der Vorbereitungen vor.

In der Nordseehalle findet in diesem Jahr nur noch eine öffentliche Veranstaltung statt. Foto: Ortgies/Archiv
In der Nordseehalle findet in diesem Jahr nur noch eine öffentliche Veranstaltung statt. Foto: Ortgies/Archiv

In der letzten Stufe der Umrüstung wird es auch einen Bereich zur Verpflegung mit 160 Sitzplätzen sowie draußen und drinnen Spielecken für Kinder geben. „Wir wollen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten“, sagte Strauch.

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen

Es wird auch eine „Behördenmeile“ eingerichtet. Dort werden den Geflüchteten unter anderem Mitarbeiter der Ausländerbehörde sowie des Jobcenters zur Verfügung stehen, um die Betroffenen so schnell wie möglich auch mit Sozialleistungen versorgen zu können. Hinzu kommen eine Kleiderkammer und Räume für medizinische Untersuchungen.

Sowohl die Stadt als auch Wohlfahrtsverbände betonen, die funktionierende Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie liefe Hand in Hand. Allerdings werden weitere Helferinnen und Helfer benötigt, sagte Sven Dübbelde von der Freiwilligenagentur der Stadt.

Andere Unterkünfte sind ausgelastet

Solche Strukturen haben sich auch in dem bisherigen „Welcome-Center“ in der Barenburgschule bewährt. Dieses Gebäude wird künftig nur noch als Gemeinschaftsunterkunft für mehr als 100 Geflüchtete aus der Ukraine genutzt. Weitere 38 Betroffene - die meisten davon Frauen mit Kindern - sind in der Cassens-Villa in Larrelt untergebracht. Beide Einrichtungen sind ausgelastet.

Geeignete Wohnungen für Geflüchtete sind in Emden gegenwärtig kaum noch zu finden. Die Stadt hat schon etwa 140 davon angemietet. Wegen des Mangels musste sie von ihrem bisherigen und bewährtem Konzept abrücken, Geflüchtete möglichst dezentral - also in Wohnungen über das Stadtgebiet verteilt - unterzubringen. Es wird aber weiterhin für Asylbewerber verfolgt, die nicht aus der Ukraine kommen, sondern aus anderen Staaten in Deutschland Zuflucht suchen.

683 Kriegsflüchtlinge suchten bislang Zuflucht

Nach den jüngsten Angaben hat die Stadt seit März 683 Menschen aus der Ukraine aufgenommen. Gut 60 Prozent davon sind Erwachsene, die meisten sind Frauen. Die Zahl der Geflüchteten, die Emden nach der vom Land Niedersachsen erlassenen Zuweisungsquote aufnehmen muss, hatte sich im April von 148 auf 858 erhöht. In Kürze werde eine neue Zuweisungsquote erwartet, sagte Constantin Strauch in der Sitzung des Ratsausschusses.

Niedersachsen hatte Ende August versprochen, ab September für eine bessere Verteilung innerhalb des Landes zu sorgen. Zur Entlastung der Kommunen werde es darüber hinaus seine Kapazitäten zur Erstaufnahme aufstocken. „Wir stehen aktuell davor, weitere Liegenschaften und Kapazitäten im Land für die Erstaufnahme bereitzustellen“, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD).

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