Geistlicher ohne Bleibe Greetsiels Pastor hat bald keine Wohnung mehr
Weil ihm zufolge geschlafen wurde, droht Greetsiels Pastor Lübben nun der Wegzug aus dem Ort. Er findet keine Bleibe und äußert seinen Ärger im Gemeindebrief.
Greetsiel - Seit zwei Jahren ist Hartmut Lübben Pastor von Greetsiel und bislang hoffte er darauf, irgendwann in ein eigenes Pfarrhaus einziehen zu können. Daraus wird aber weiterhin nichts, obwohl schon ein freies Grundstück existiert. Schlimmer noch: In einem Jahr müssen er und seine Frau ihre jetzige Wohnung an der Edzard-Cirksena-Straße verlassen, weil der Mietvertrag ausläuft und schlimmstenfalls droht den beiden der Wegzug aus Greetsiel. Um das zu verhindern, bittet der Geistliche nun im Gemeindebrief um Hilfe – und macht darin auch seinem Ärger über die reformierte Kirche in Leer Luft.
Was und warum
Darum geht es: um die Suche nach einer Unterkunft für den Greetsieler Pastor und die damit verbundenen Probleme
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Deshalb berichten wir: Wir sind über den Gemeindebrief der Greetsieler Kirche auf das Problem aufmerksam geworden. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Wie Lübben auf Nachfrage erklärt, stören ihn die jetzigen Arbeits- und Wohnbedingungen, die nach dem Umzug vielleicht nicht besser werden. Sein Arbeitszimmer liege derzeit nämlich zwischen Küche und Wohnzimmer. Eine „datenschutzrechtliche Katastrophe“, wenn man bedenke, wie sensibel die seelsorgerische Tätigkeit sein kann. Ohnehin schon falle es vielen Leuten schwer, in der Not die Kirche für einen Rat aufzusuchen. Nicht ohne Grund ist daher die Dienstwohnungspflicht Teil des Dienstrechts der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der private und der Arbeitsbereich von Pfarrhäusern müssen vernünftig voneinander getrennt sein, so Lübben. Die Größe sei zweitrangig. Er und seine Frau wohnen jetzt in einem klassischen Siedlungshaus in einem von Ferienunterkünften geprägten Ort. Es sei da schwer, einen unbefristeten Mietvertrag abzuschließen. Dieser habe zusammen mit den abgetrennten Bereichen für ihn die Priorität.
Pilsum ist künftiger Dienstsitz
Ursprünglich war geplant gewesen, ein neues Pfarrhaus in Greetsiel zu bauen. Daraus aber werde aus Sorge vor weiter steigenden Kosten und dem Fachkräftemangel im Baugewerbe erst einmal nichts mehr, erklärt Lübben. Dazu kommen die Folgen der Pandemie, weshalb sich die Kirche schon vor gut einem Jahr dafür entschieden habe, das Projekt aus finanziellen Gründen erst einmal auf Eis zu legen.
Daraufhin fassten die Kirchenräte von Greetsiel und Pilsum zusammen mit Präses Frank Wessels und dem Synodalverband Nördliches Ostfriesland den gemeinsamen Beschluss, dass der künftige Dienstsitz von Lübben Pilsum sein soll. Er und seine Partnerin sollen demnach auch in das dortige Pfarrhaus umziehen, sobald Pastorin Thea Bogena in einigen Jahren in den Ruhestand geht. Dann gibt es nämlich nur noch ein Pfarramt für beide Kirchengemeinden, so Lübben. Dieser Vorschlag habe dann aber ein halbes Jahr lang unbeantwortet auf dem Tisch des Kirchenamts in Leer gelegen, bis der Kirchenrat Greetsiel schließlich das Leitungsgremium der evangelisch-reformierten Kirche (Moderamen) um eine zeitnahe Lösung bat.
Im Mai dieses Jahres habe dann die Kirchenpräsidentin Dr. Susanne Bei der Wieden verkündet: Lübben soll sich eine weitere Übergangslösung zur Miete suchen. Egal ob in Greetsiel oder im Umland. 2027 oder 2028 werde dann voraussichtlich das Pfarrhaus in Pilsum zur Verfügung stehen. Der Pastor ärgert sich über die lange Ungewissheit.
Das sagt das Kirchenamt
Ulf Preuß, Pressesprecher der evangelisch-reformierten Kirche in Leer, bestätigt auf Nachfrage die Entscheidung zum Pfarrhaus in Pilsum. Allerdings habe das Kirchenamt in Leer in der Sache – anders als behauptet – nicht die Füße hochgelegt. Lange Zeit seien immer wieder Gespräche geführt worden und es habe Treffen gegeben. Damit Lübben in Pilsum einziehen kann, müsse Bogena – wie zuvor beschrieben – erst in den Ruhestand gehen. Oder sie müsste selbst den Wunsch äußern, von der sogenannten Residenzpflicht entbunden zu werden und sich eine andere Unterkunft suchen.
Allgemein betrachtet könne in der reformierten Kirche von keinem Mangel an Pfarrhäusern gesprochen werden. Immer mal wieder lege man Kirchengemeinden zusammen, sodass bestehende Immobilien frei werden. Allerdings sind die dann häufig erst einmal sanierungsbedürftig und es komme auch vor, dass die Kirche weiterverkaufe.
So ist die Lage bei den Lutheranern
Ähnlich sieht es bei der evangelisch-lutherischen Kirche in Ostfriesland aus, wie Regionalbischof Dr. Detlef Klahr über dessen Pressestelle ausrichtet. „Unsere Kirchengemeinden haben kein Problem, Wohnraum für den Pastoren oder die Pastorin bereit zu stellen. Zu einer Pfarrstelle gehört immer auch eine Pfarrdienstwohnung, die in der Regel so ist, dass sie den jeweiligen Lebensumständen entspricht. Das habe ich in meinen Dienstjahren für mich persönlich immer als sehr angenehm empfunden.“
Weil es immer weniger Personal für die Pfarrstellen gibt, versuchten die Kirchengemeinden und -kreise seit langer Zeit umso mehr, „attraktive Pfarrhäuser“ vorzuhalten, um Bewerber zu überzeugen. „Dazu gehört heutzutage auch die energetische Beschaffenheit eines Pfarrhauses.“ Sollten Pfarrhäuser nicht mehr als solche genutzt werden, weil sich Pastorenehepaare für andere Unterkünfte entscheiden, dann vermiete man die Pfarrhäuser oder bringe dort andere kirchliche Dienste unter.
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