Osnabrück  Energie-Krise und Gasumlage: Wie sich mit smarten Lösungen jetzt Gas sparen lässt

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 09.09.2022 18:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Nicht nur Start-Ups, auch viele Heizungshersteller wie Bosch oder Vaillant streben ins smarte Zeitalter und bieten eigene Apps an. Foto: Imago Images/Westend61
Nicht nur Start-Ups, auch viele Heizungshersteller wie Bosch oder Vaillant streben ins smarte Zeitalter und bieten eigene Apps an. Foto: Imago Images/Westend61
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Die Energiepreise gehen durch die Decke und die Gasumlage wird Haushalte in den nächsten Monaten zusätzlich belasten. Den Verbrauch zu senken ist da für viele Haushalte jetzt, wo bald der Herbst und damit die Heizperiode beginnt, das Gebot der Stunde. So viel Gas lässt sich mit smarten Lösungen sparen.

Es ist nicht mehr lange hin, dann beginnt die Heizsaison. Und der eine oder andere wird sich in den vergangenen Wochen schon erschrocken haben, als viele Energieversorger aufgrund der steigenden Energiepreise die Abschlagszahlungen ihrer Kunden angepasst haben. Lässt sich mit smarten Lösungen der Verbrauch senken?

Wie viel Erdgas verbrauchen Haushalte in Deutschland?

Insgesamt wurde in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Kilowattstunden Gas verbraucht. Knapp ein Drittel davon geht auf Haushaltsenergie zurück. In diesem Jahr ist der Verbrauch insgesamt zurückgegangen, wie diese Statista Grafik zeigt:

Lässt sich mit smarten Lösungen beim Heizen sparen?

Ja, heißt es seitens der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). Schon 2020 hat eine Studie des Öko-Instituts zum Potenzial von Smart-Home-Geräten gezeigt: Zwar gibt es geringe Mehrkosten beim Strom, den die smarten Geräte im Haus benötigen. Die für das Heizen notwendige Energie verringerte sich der Studie zufolge jedoch für eine Wohnung um 9 Prozent, für ein Haus um 14 Prozent.

Welche smarten Lösungen gibt es beim Heizen?

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat im Zuge der Energiespardebatte beispielsweise eine Pflicht für Hauseigentümer gefordert, digitale Heizkörperthermostate zu installieren. Bislang nutzten einer repräsentativen YouGov-Umfrage lediglich acht Prozent der Deutschen diese. 16 Prozent allerdings planten die Anschaffung smarter Thermostate.

Das gestiegene Interesse der Verbraucher merkt auch das Münchner Start-up tado, an dem unter anderem der Internetriese Amazon beteiligt ist. Es ist in Europa Marktführer. “Seit März hat die Nachfrage stark angezogen”, sagt Gründer und Geschäftsführer Christian Deilmann. Insgesamt mehr als zwei Millionen Thermostate hat das Unternehmen europaweit installiert, etwa ein Drittel davon in Deutschland. Bis Ende des Jahres sollen es drei Millionen Thermostate werden.

Was kann die smarte Technologie grundsätzlich leisten?

Der Branchenverband Smarthome Initiative Deutschland beziffert das Einsparpotenzial durch smarte Lösungen bei Heizenergie auf 20 bis 30 Prozent. Ähnliche Zahlen nennen auch das Fraunhofer-Institut für Bauphysik und das Münchner Start-up. “Im Schnitt liegen die Einsparungen unserer Kunden bei 22 Prozent”, so Deilmann. Die Stiftung Warentest hatte 2019 Thermostate getestet und kam auf fünf bis acht Prozent Sparpotenzial für die Heizkosten.

Welche Potenziale sind nun realistisch?

Das hängt Verbraucherschützer Sören Demandt zufolge unter anderem stark vom bisherigen Heizverhalten ab. Wer schon vor dem Einbau smarter Lösungen beispielsweise beim Verlassen des Hauses die Heizung heruntergedreht und eine Nachtabsenkung eingestellt habe, spare deutlich weniger als derjenige, der mithilfe smarter Lösungen sein Verhalten ändere. Auch vom Gebäudetyp sei das Einsparpotenzial abhängig. Dennoch: “Man sollte nicht unterschätzen, dass solche smarten und programmierbaren Lösungen Einsparungen bringen können”, so Demandt.

Wie funktioniert ein smartes Thermostat?

Statt einen Heizkörper beispielsweise mittels der fünf Stufen zu regeln, übernimmt die Steuerung ein digitales Thermostat. Das kann über voreingestellte Programme oder flexibel passieren. Die Idee: Ist niemand zu Hause, fährt die Heizung runter. Bevor die Bewohner zurückkommen, wird die Heizung automatisch wieder hochgedreht - wie sonst über den Drehregler, nur eben elektrisch und per App auch aus der Ferne.

Mit einbezogen werden können bei einer automatischen Steuerung unter anderem die Beschaffenheit des Hauses, die Gewohnheiten der Verbraucher, die unterschiedliche Nutzung der Räume oder das lokale Wetter. Auch offene Fenster können per Sensor von Systemen erkannt werden, sodass die Heizung runterfährt. Das Start-up Vilisto hat zudem eine Lösung entwickelt, bei der Sensoren erkennen, ob sich Personen im Raum befinden. Wenn nicht, wird die Temperatur abgesenkt.

Wie einfach ist die Installation eines smarten Thermostats?

Die Installation kann der Verbraucher bei Heizkörpern selbst übernehmen: Der manuelle Regler wird abgeschraubt und das intelligente Modell aufgesetzt. Anschließend wird das Thermostat entweder per Wlan mit dem Internet oder per Funk mit einer Steuerungszentrale verbunden. Dazu ist die App des jeweiligen Anbieters notwendig.

Nicht nur Start-ups, auch viele Heizungshersteller wie Bosch oder Vaillant streben ins smarte Zeitalter und bieten eigene Apps an, über die Nutzer vordefinierte Profile aktivieren können.

Wie viel Geld müssen Verbraucher investieren?

Vorprogrammierte Thermostate gibt es Verbraucherschützer Demandt zufolge schon für rund 25 Euro. Auch Baumärkte und Discounter haben oftmals günstige Modelle im Angebot. In ihrem Test kam die Stiftung Warentest für einen Modellhaushalt mit sechs Thermostaten, einer Zentrale und vier Fensterkontakten auf einen Gesamtpreis von 400 bis 800 Euro. Bei tado kostet ein Starter-Kit Geschäftsführer Deilmann zufolge 100 Euro. Es brauche jedoch Thermostate für jeden Heizkörper eines Hauses beziehungsweise einer Wohnung, sodass die Kosten je nach Gegebenheit variieren. Deilmann rechnet mit rund 80 Euro pro Raum. Neben der einmaligen Anschaffung können für die Nutzung einzelner Komfort-Funktionen außerdem Abo-Kosten anfallen. 

Ab wann rechnet sich die Investition?

Der Branchenverband Smarthome Initiative Deutschland gibt hier einen Zeitraum von rund zwei Jahren an - bei den steigenden Energiepreisen könne das jedoch auch schneller gehen. Deilmann geht von etwa einem Jahr aus. “Bei den aktuellen Energiekosten dürfte sich der Zeitraum mittlerweile jedoch auf sechs Monate verkürzt haben”, sagt er.

Für wen lohnt sich die Installation?

Viele Einstellungen können Verbraucher auch manuell per Hand machen. Smart-Home-Experte Sören Demandt zufolge sind smarte Lösungen vor allem für Verbraucher geeignet, deren Tages- und Wochenablauf sich viel verändert und die flexibel von unterwegs agieren wollen.

Wie steht es um das Thema Datenschutz?

Bei manuellen Lösungen sei das Restrisiko gering, sagt Demandt. “Bei allen Anwendungen, unabhängig vom Smart-Home, sollten Verbraucher jedoch darauf achten, dass der Hersteller regelmäßig Updates anbietet, die Kommunikation verschlüsselt stattfindet und der Standort nur dann erhoben wird, wenn die Funktion auch genutzt wird.”

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