Korruption Ermittlung im mutmaßlichen Kredit-Skandal vor dem Abschluss
Seit mehr als zwei Jahren ermitteln die Strafverfolger gegen Ex-Sparkassen-Mitarbeiter und Makler aus Ostfriesland. Jetzt ist ein Ende in Sicht.
Ostfriesland/Osnabrück - Die Ermittlungen im mutmaßlichen Kredit-Skandal mit Beteiligung von ostfriesischen Sparkassen-Mitarbeitern stehen kurz vor dem Abschluss – sollte nichts mehr dazwischen kommen. Christian Bagung, Sprecher der schwerpunktmäßig für Korruptionsstraftaten zuständigen Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte Anfang August der Redaktion mitgeteilt, dass für einen der Verteidiger noch eine Frist laufe. Ein Abschluss des Verfahrens sei für Mitte oder Ende September vorgesehen. Auf eine aktuelle Nachfrage schreibt der Pressesprecher und Staatsanwalt, dass die Akten zwischenzeitlich zurück in Osnabrück seien.
„Gegenwärtig liegt der Vorgang dem zuständigen Sachbearbeiter vor, der nun erst einmal den Verfahrensstand sichten muss“, schreibt Bagung. Darauf hin entscheide dieser, ob zusätzliche Ermittlungen nötig seien beziehungsweise wie das Verfahren abgeschlossen werde. Weitere Informationen könnten der Öffentlichkeit voraussichtlich in vier Wochen mitgeteilt werden – womöglich schon einschließlich der Bekanntgabe des Verfahrensabschlusses. Grundsätzlich kommen im Strafverfahren drei Möglichkeiten infrage: die Einstellung des Verfahrens, der Antrag eines Strafbefehls oder die Erhebung einer Anklage bei Gericht.
Mutmaßlicher Drahtzieher hat gekündigt
Eine Einstellung ist sehr unwahrscheinlich, schließlich ermitteln die Behörden bereits seit mehr als zwei Jahren – und hätten die Sache längst ad acta legen können, hätten Zweifel an der Schuld der Beschuldigten bestanden. 50 Ermittler der Zentralen Kriminalinspektion Oldenburg hatten am 1. September 2020 Geschäfts- und Privaträume in Emden, Leer und Oldenburg durchsucht. Die Staatsanwaltschaft wirft sechs Personen unter anderem Bestechlichkeit oder Bestechung im geschäftlichen Verkehr vor. Unseren Recherchen zufolge soll es darum gehen, dass Kredite für Schrottimmobilien an nicht kreditwürdige Menschen vergeben worden sein sollen.
Der mutmaßliche Drahtzieher bei der Sparkasse Aurich-Norden hat unseren Informationen zufolge inzwischen gekündigt, auch ein mutmaßlicher Komplize bei der Sparkasse Emden ist dort nicht mehr beschäftigt. In Emden soll es keine illegalen Geschäfte gegeben haben – weil die internen Schutzmechanismen frühzeitig angeschlagen hätten. Die Pressestelle der Auricher Sparkasse hatte uns gegenüber von „wenigen potenziell gefährdeten Kreditarrangements“ gesprochen. Im Fokus der Ermittler stehen Informanten zufolge auch mindestens zwei Maklerunternehmen aus Ostfriesland. Eine weitere Spur führt nach Oldenburg, wo ein Anbieter der Immobilien leben soll.
Im Mai vergangenen Jahres hatte es in dem Fall Verzögerungen gegeben, weil innerhalb der Osnabrücker Staatsanwaltschaft die Zuständigkeit für die Ermittlungen gewechselt hatte. „Die nunmehr mit der Sache befassten Beamten sind insbesondere für Wirtschaftsdelikte besonders geschult und haben sich weiterhin mit der Sicherung des Materials und der Aufarbeitung der Akten befasst“, hatte Bagung das damals begründet. Nicht mitgeteilt haben bisher weder Polizei noch Staatsanwaltschaft, um wie viele Taten es insgesamt gehen soll. Auch wie genau der Fall aufgefallen ist, ist unklar.