Verein in Leer  Lebenshilfe verdoppelt die Mitgliedsbeiträge – Vorsitzender tritt zurück

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 20.09.2022 18:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der bisherige Vorsitzende Jann Meeuw (2. von links) übergab sein Amt an Christian Brahms (2. von rechts). Auch der bisherige Schatzmeister Erhard Meyer (mitte) gab sein Amt an Holger Franz (links) ab. Frank Böse (rechts) übernahm den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden. Foto: Kierstein
Der bisherige Vorsitzende Jann Meeuw (2. von links) übergab sein Amt an Christian Brahms (2. von rechts). Auch der bisherige Schatzmeister Erhard Meyer (mitte) gab sein Amt an Holger Franz (links) ab. Frank Böse (rechts) übernahm den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden. Foto: Kierstein
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Die Lebenshilfe Leer wird die Mitgliedsbeiträge zum kommenden Jahr deutlich anheben. Der Vorsitzende sah sich nicht mehr in der Lage, sein Amt weiter auszuführen.

Leer - Rund 725 Mitglieder hat die Lebenshilfe Leer. Und für sie wird die Mitgliedschaft ab dem kommenden Jahr deutlich teurer. „Die aktuellen Beiträge gehen noch auf die D-Mark-Zeit zurück. Da müssen wir jetzt ran“, sagt Jann Meeuw, Vorsitzender des Vereins auf der Mitgliederversammlung.

Was und warum

Darum geht es: Die Lebenshilfe erhöht die Mitgliedsbeiträge. Gleichzeitig sah sich der Vorsitzende gezwungen, seinen Posten zur Verfügung zu stellen.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die Lebenshilfe Leer interessieren

Deshalb berichten wir: Bei der Mitgliederversammlung wurde über diese Themen gesprochen.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Deshalb schlug der Vorstand den Mitgliedern vor, die Mindestbeiträge nahezu zu verdoppeln. Waren es vorher 15,34 Euro, werden nun 30 Euro jährlich fällig. Auch soll die kostenlose Familienmitgliedschaft zum 31.12. dieses Jahres enden. Für die 164 Mitglieder, die aktuell noch unter die Regelung fallen, hieße das, dass ebenfalls der Betrag von 30 Euro gezahlt werden müsste. Darüber sollen für Mitglieder mit Beeinträchtigungen ab kommendem Jahr sechs Euro Mindestbeitrag fällig werden.

Gründe für die Anpassung

„Wir konnten die Beiträge bisher immer so halten. Ab dem kommenden Jahr wird das aber nicht mehr möglich sein. Wir müssen nämlich für jedes Mitglied an den Landes- und den Bundesverein Beiträge zahlen. Da diese die Beiträge anheben, wäre es für uns nicht mehr deckend gewesen“, so Meeuw.

Mit Beginn des Jahres 2022 zahle die Lebenshilfe Leer pro Mitglied ohne Beeinträchtigung 10 Euro an den Landesverband und 11 Euro an die Bundesvereinigung pro Jahr. Auch wegen der deutlich steigenden Kosten für Energie könne man es sich nicht mehr leisten, an den günstigen Beiträgen festzuhalten. „Für Gas haben wir im Jahr 2021 noch 122.000 Euro gezahlt. Wir gehen davon aus, dass wir für die gleiche Menge im kommenden Jahr 625.000 Euro zahlen müssen“, erklärt der Vorsitzende. Deshalb sehe man sich dazu gezwungen, die rund 725 Mitglieder darum zu bitten, der Erhöhung zuzustimmen. Dieser Bitte kamen die rund 40 Anwesenden auch nach.

Die Bombe platzt

Einstimmig wurde die Erhöhung beschlossen. „Mir persönlich ist das schwer gefallen. Ich gehe davon aus, dass uns einige Mitglieder verlassen werden“, so Meeuw. Doch das war nicht die einzige Entscheidung an diesem Abend, die ihm schwer fiel. Nur Minuten später ließ er die nächste Bombe platzen. „Aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen stelle ich heute Abend mein Amt zur Verfügung. Die Lebenshilfe braucht jemanden, der mit voller Kraft dabei ist und aus Leer kommt“, sagt er sichtlich bewegt. Sieben Jahre stand er an der Spitze des Vereins.

Er schlug als seinen Nachfolger den bisherigen zweiten Vorsitzenden Christian Brahms vor. Doch damit nicht genug. Auch Schatzmeister Erhard Meyer trat nach 20 Jahren im Vorstand von seinem Posten zurück. Als seinen Nachfolger schlug der Vorstand Holger Franz vor, der als Vorstandsvorsitzender der Ostfriesischen Volksbank fungiert. Die durch den Aufstieg von Brahms vakante Funktion des Stellvertreters soll von Frank Böse aufgefangen werden. Auch diese Entscheidung wurde von den Mitgliedern angenommen.

Meeuw geht nicht ganz

Gleichzeitig entsprachen die Mitglieder dem Wunsch des bisherigen Vorsitzenden Meeuw und machten ihn zum Beisitzer. Brahms lobte im Anschluss seinen Vorgänger: „In aufgeregten Zeiten hast du es durch deine unaufgeregte Art immer geschafft, die Lebenshilfe in ruhigem Fahrwasser zu halten. Für dich stehen die Menschen immer im Mittelpunkt und ich bin froh, dass uns dein Wissen erhalten bleibt“, sagt der 48-Jährige.

Meeuw fiel der Abschied hingegen schwer: „Es war eine Entscheidung der Vernunft. Die Lebenshilfe ist für mich wie ein zweites Zuhause. Wir haben ein gutes Team hier und ich mache mir keine Sorgen“, so der 54-Jährige. Beide richteten den Blick nach vorne.

„Wir werden hier nicht alles umkrempeln“, so Brahms. Stattdessen gehe es darum, die Arbeit fortzuführen. „Der Gallimarkt steht vor der Tür. Mittwoch und Donnerstag sind da Menschen mit Beeinträchtigung von den Schaustellern eingeladen. In den letzten Jahren sind uns viele ältere Ehrenamtler, die uns begleitet haben, weggebrochen. Da suchen wir jetzt Leute“, so Brahms. Bei diesen Worten lächelte Meeuw. Der Fokus auf die Menschen mit Beeinträchtigung war ihm immer wichtig.

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