Hamburg  Roland Kaiser: Der Schlagerstar ist mit 70 beliebter denn je

Dagmar Leischow
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Von Dagmar Leischow
| 21.09.2022 11:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Roalnd Kaiser. Foto: Frank Embacher
Roalnd Kaiser. Foto: Frank Embacher
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„Santa Maria“, „Joana“, „Manchmal möchte ich schon mit dir“: Wenn der Schlagerstar seine alten Ohrwürmer anstimmt, singen auch junge Menschen begeistert mit. Warum?

Schon seit Stunden warten zahlreiche Roland-Kaiser-Fans am Eingang der Open-Air-Bühne am Dresdener Elbufer auf den Einlass für den ersten Kaisermania-Abend. Diejenigen, die keine Karten mehr für eines der sechs ausverkauften Konzerte bekommen haben, breiten nun hinter der Absperrung ihre Picknickdecken aus. Andere beziehen auf der Carolabrücke Stellung.

Von dort aus hat man einen recht guten (Seiten-)Blick auf die Bühne, hinter der um 20 Uhr ein Feuerwerk in Regenbogenfarben emporsteigt. So spektakulär eröffnet Roland Kaiser seine Show. Er ist gekleidet wie ein Gentleman: dunkler Anzug mit Einstecktuch, darunter weißes Hemd, Weste und Krawatte. Eigentlich müsste er nach wenigen Minuten schweißgebadet sein.

Doch selbst nach zweieinhalb Stunden inklusive Hits von „Santa Maria“ bis „Joana“ scheint der als Ronald Keiler in Berlin geborene Sänger kaum zu schwitzen. Er halte sich fit, erzählt er vor seinem Auftritt. Zuhause hat er sich einen eigenen Fitnessraum eingerichtet – mit Rudergerät, Laufband und Ergometer: „Da trainiere ich eigentlich jeden Tag.“ Und während seiner Tournee lässt er sich stets ein Ergometer in seine Garderobe stellen. Um nach dem Soundcheck und vor dem Schminken eine Dreiviertelstunde auf dem Fahrrad strampeln zu können.

So erarbeitet sich der 70-Jährige, der im November zu Gastspielen nach Hannover und Bremen kommt, die Kondition für seine Konzerte. Als er mit seiner markanten Baritonstimme schmettert: „Ich glaub, es geht schon wieder los...“, jubeln die 12.000 Fans.

Im Publikum tummeln sich erstaunlich viele Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern. „Roland Kaiser hat schon immer ganze Generationen begeistert“, erklärt der Konzertveranstalter Dieter Semmelmann. „Man könnte meinen, dass sich das förmlich immer weitervererbt.“ Von daher wundert er sich nicht über die Textsicherheit der jungen Leute, die mindestens so laut wie die Älteren skandieren: „Manchmal möchte ich schon mit dir eine Nacht das Wort Begehren buchstabieren.“

Bis zum Schluss reiht sich ein Ohrwurm an den nächsten. Dann verschwindet Roland Kaiser hinter der Bühne. In seiner Garderobe zieht er sich um. Danach unterhält er sich noch ein wenig mit seinen Musikern, bevor er im Hotel ins Bett geht: „Natürlich bin ich nach einem Konzert glücklich und froh. Aber ich komme relativ schnell wieder runter.“ Geschuldet ist das vor allem seinem Status als Familienvater. Früher haben ihn seine Sprösslinge manchmal auf den Tourneen begleitet: „Nach einem Auftritt wollten die Kinder ihren Vater haben, nicht den Sänger. Deshalb hatte ich überhaupt keine Zeit, mich selber zu feiern.“

Das liegt dem bodenständigen Künstler, der in Münster wohnt, sowieso nicht. Auf Sylt hat er sich 2013 nicht etwa in Kampen ein Ferienhaus zugelegt, sondern im beschaulichen Morsum. Dort genießt er die Ruhe, die Natur. Roland Kaiser findet auf der Insel einen Gegenpol zum Konzertalltag, von dem er längst noch nicht genug hat. „Ich bin gesund, ich fühle mich wohl, ich liebe meine Arbeit“, resümiert er. „Im Moment sehe ich keinen Grund, warum ich über das Aufhören nachdenken sollte.“

Roland Kaiser tritt Fr., 4. November, 20 Uhr, in der ZAG Arena in Hannover auf. Do, 17. November, 20 Uhr, gastiert er in Bremen in der ÖVB Arena.

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