Klare Kante Radikalisierte Klimaschützer
Klare Kante zum Protest von „Fridays for future“: Unser Kolumnist fürchtet eine immer weiter ausufernde Radikalisierung. Hier ist seine Begründung.
Einen Vorgeschmack auf den „heißen Herbst“ des politischen Protests liefern ab morgen die „Fridays for future“-Anhänger, die sich an einem globalen Klimastreik beteiligen. Die deutsche Bewegung fordert die Einrichtung eines Sondervermögens für 100 Milliarden Euro im Kampf gegen den Klimawandel. Was uns die Garantie unserer Sicherheit nach Putins brutalem Angriffskrieg auf die Ukraine wert sei, müsse auch für die Wahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und den Schutz unserer Erde gelten.
„Was nützt uns die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen“ hatte vor mehr als einem Jahrhundert der große Liberale Friedrich Naumann seine politische Prioritäten-Skala definiert. Die noch im vergangenen Jahr vertretene These, der härteste und wichtigste Kampf in diesem Jahrhundert werde ohne Waffen, sondern mit den Werkzeugen erneuerbarer Energien und Effizienz geführt, ist nach dem Überfall auf die Ukraine überholt.
Zur Person
Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Dergebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.
Der von den Klimaschützern erhobene Vorwurf, die Bundesregierung kehre in der Krise jetzt zu Kohle, Öl und Gas, also zu fossilen Energien zurück, ist ungerecht. Es ist unbestreitbar, dass die mit blauen Augen gegenüber Russland geführte Energiepolitik unverantwortlich war, zur Überwindung der Krise ist der Rückgriff auf die Kohle aber unverzichtbar. Überzeugender wäre allerdings eine zusätzliche Laufzeitverlängerung der bestehenden Kernkraftwerke, was aus ideologischen Gründen von den Grünen, aber auch von „Fridays for future“ abgelehnt wird.
Der Schluck aus der Milliarden-Pulle soll aus der Übergewinnsteuer und der Lockerung der Schuldenbremse finanziert werden. Eine weitere Verschuldung würde den Marsch in die ungebremste Inflation befördern, uns immer stärker in den Schuldensumpf ziehen.
Die Klima-Aktivisten werden ihre politische Glaubwürdigkeit in den kommenden Wochen verschärfter Proteste nur wahren, wenn sie sich nicht weiter radikalisieren. Die Untergangs-Mythen, Dystopien und Aufrufe zu Straftaten der „Letzten Generation“ haben der Bewegung schwer geschadet.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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